Reset = Neustart

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Der Lockdown, also die Coronatäne, hat uns teilweise an unsere Grenzen gebracht. Es verstärkt sich, was schon immer da war. Manches war vielleicht tief unten vergraben und sollte eigentlich da auch schön vor sich hinmodern. Und auf einmal ist alles anders und Du kannst es einfach nicht mehr ertragen. Deine innere Stimme wird immer lauter und es fällt Dir schwer, sie wieder still zu bekommen. Du kannst natürlich so weitermachen wie zuvor – aber eigentlich möchtest Du doch Spaß haben und ein erfülltes Leben führen. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, nicht nur gesellschaftlich, sondern auch ganz privat für Dich den Reset-Knopf zu drücken? Dabei kannst Du die Methoden der Selbstreflexion nutzen. Das Wort Reflexion leitet sich aus dem lateinischen reflexio = zurückbeugen ab.

Bei der Selbstreflexion geht es um Dich persönlich und um Deine Geschichte. Es geht darum, alte hemmende Systeme und Stressfaktoren herauszufinden und ad acta zu legen.

Zunächst einmal solltest Du dabei Deine Themen herausfinden z.B. Kinder, Ehe, Scheidung, Freundschaften, Familie, Gesundheit, Finanzen, Beruf/Berufung, Hobbies, Lebensweg. Du weißt wahrscheinlich selbst am besten, was Dir gerade unter den Nägeln brennt. Ich würde mit dem wichtigsten Thema beginnen.

Also, nimm‘ Stifte und Papier und schreibe alles, was Dir einfällt, auf.

Wenn Du Dein Thema gefunden und schon einige Gedanken dazu niedergeschrieben hast, kannst Du versuchen, mit Fragen dem Grundproblem auf die Spur zu kommen – evtl. passt die eine oder andere Frage in Deine momentane Situation:

  • Wofür gibst Du Geld aus – wofür gaben Deine Eltern früher Geld aus?
  • Was brauchst Du gerade dringend?
  • Wie setzt Du Deine Prioritäten?
  • Was ist wichtig, was nicht?
  • Was kannst Du verzeihen?
  • Was kannst Du nicht verzeihen und warum?
  • Hältst Du gerne die Fäden in der Hand?
  • Triffst Du eigene Entscheidungen?
  • Wo bist Du heute abhängig und von wem warst Du früher abhängig?
  • Liebst Du Dich selbst?
  • Kann Dein Kind von Dir sagen, dass es eine/n zufriedene/n Mama/Papa hat und kannst Du das von Deinen Eltern sagen?
  • Gab es Streit in Deiner Herkunftsfamilie? Wenn ja, worum ging es damals?
  • Gibt es Streit in Deiner eigenen Familie? Wenn ja, worum geht es heute?
  • Hat jemand von Deinen Eltern genörgelt und nörgelst Du?
  • Haben Dir Deine Eltern vertraut?
  • Vertraust Du Deinem Kind?
  • Vertraust Du Deinen Entscheidungen?
  • Bist Du zufrieden mit Dir?
  • Bist Du glücklich?
  • Führten Deine Eltern ein Leben, dass sie wollten? Wenn nein, was hinderte sie daran?
  • Führst Du das Leben, dass Du willst? Wenn nein, was hindert Dich daran?
  • Hast Du genügend Geld? Waren Deine Eltern arm oder reich?
  • Was sagst Du häufiger: „ja“ oder „nein“?
  • Hast Du ein schlechtes Gewissen und warum?
  • Kannst Du Dich selber leiden?
  • Bist Du mit Deinen Eltern in Frieden?
  • Welche männliche Vorbilder haben Dich geprägt – welche weiblichen?
  • Gibt es Beziehungen, die Dir Energie rauben – raubst Du jemanden die Energie?
  • Worum würdest Du bitten, wenn Du wüßtest, dass die Antwort „ja“ lautete?
  • Was bereust Du?
  • Bist Du eifersüchtig oder neidisch? Auf wen und auf was?
  • Lebst Du eine erfüllte Sexualität?
  • Hast Du Träume oder Visionen?
  • Was planst Du als nächstes: Eine Reise? Einen Berufswechsel?
  • Versuchst Du selbst für Deine Probleme Lösungen zu finden oder wartest Du lieber ab?
  • Welche Krankheiten gab es in Deiner Herkunftsfamilie und welche gibt es heute?
  • Was kannst Du richtig gut? Und worin bist Du mies?
  • Triffst Du eigene Entscheidungen oder lässt Du lieber entscheiden? Wie war das bei Deinen Eltern?
  • Wurdest/wirst Du geschlagen?
  • Wie gehst Du mit Konflikten um?
  • Hast Du Gewalterfahrungen?
  • Wie war Deine eigene Geburt und wie die Deiner Kinder?
  • Hattest Du Unfälle? Wie sind sie entstanden?
  • Was waren die schönsten Erlebnisse in Deinem Leben und was die schlimmsten?
  • Welche Situationen bringen Dich an Deine Grenzen?

Wenn Du diese ganzen Fragen oder Deine eigenen Fragen durchgehst, wird Dir auffallen, dass einiges heute ganz ähnlich verläuft wie früher in Deiner Herkunftsfamile. Es kann sogar so sein, dass Du einiges ähnlich machst wie Generationen vor Dir. Es gibt aber auch die Spielart, dass Du erst recht das Gegenteil von dem machst, was Du kennst.

Mache dir bewusst, dass wir in unterschiedlichen Systemen leben, z.B. in der Familie, der Schule, im Freundeskreis, der Partnerschaft, der Gesundheit. Die Systeme sind wohlbekannt und haben sich bewährt und bieten Schutz und Sicherheit. Sie haben aber auch ihre starren Grenzen. So heiratet man das, was man von seiner Umgebung so kennt: Reich geht zu reich, arm zu arm. Oder man ernährt sich so wie eh und je: Dick bleibt dick und schlank bleibt schlank. „Jaja, bei uns in der Familie sind ja alle so kräftig, das liegt an den Genen.“ Kinder suchen sich oft ähnliche Berufe wie ihre Eltern aus. All das läuft frei nach dem Motto: „Schuster bleib‘ bei deinen Leisten!“. In unseren Familiensystemen lernen wir, dass man so manches einfach nicht macht. Und weil man es nicht macht, kommt man gar nicht erst auf die Idee, dass man ja doch was tun könnte. Allerdings sind wir heute wesentlich freier in unseren Entscheidungen als die Generationen vor uns. Ist das wirklich so?

Und jetzt hast Du ein blödes Gefühl und fragst Dich, was eigentlich los ist. Hast Du Dich doch nicht so ganz frei entschieden? Bist Du Deinem Herzen gefolgt bei der Berufswahl oder waren da noch andere Gründe? Welche? Hast Du bei der Wahl Deines Partners komplett auf Dein Herz gehört oder hast Du „Abstriche“ gemacht?

Neben den Systemen prägen uns auch unsere Erfahrungen, gute und schlechte. Erfahrungen sind auch ein Schatz, denn sie lassen uns reifen. Manchmal hindern sie auch. Wenn ein Erlebnis sehr tiefgreifend ist, z.B. durch Gewalt, dann geraten wir in Stress. Im Körper wird ein Hormonmix bereitgestellt, wir sind im Modus Flucht, Kampf oder Erstarrung. Dieser Modus ist überlebenswichtig. Allerdings leben wir mitunter permanent auf erhöhtem Stresslevel, wenn die Erfahrung länger andauert, z.B. bei wiederholter Gewaltanwendung. Der Stresscocktail im Blut schadet aber dem Körper und der Psyche. Man ist nur noch im Modus und ist dadurch gar nicht richtig leistungsfähig.

Jetzt hast Du bestimmt schon einiges für Dich aufgedeckt. Vielleicht kannst Du schon Systeme erkennen oder Stressoren?

Wie geht es weiter, damit es Dir gut geht? Ich empfehle, geh‘ einen Schritt nach dem anderen. Lies‘ Bücher, meditiere, sieh‘ Dir Filme und Vorträge über Dein Thema auf an, sprich mit Freunden, besuche Seminare und Workshops und gönne Dir ab und zu eine/n Coach/in. Wenn es Dir richtig schlecht geht, suche einen Psychologen oder einen Arzt auf. Hole Dir auf alle Fälle Hilfe für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben.

Foto: Geralt/Pixabay