Wenn der Schuh drückt

Schuhe (althochdeutsch scuoh, oder idg.*skeu- „bedecken“, „umhüllen“) sind sehr sinnvolle Kleidungsstücke. Man vermutet, dass diese bereits vor 40.000 Jahren von den Menschen getragen wurden. Schuhe sind ein Symbol für Erdung, Bodenständigkeit und Sicherheit. Sie schützen die Füße vor Verletzungen, Kälte oder Hitze und sie geben Halt. Außerdem dienen sie als Schmuck bzw. Accessoires. Mit Schuhen kann man schnell vorankommen. Trägt man allerdings die „falschen“ Schuhe, kann sich das auf die gesamte Haltung (Skelett und Muskeln) negativ auswirken. Sind z.B. die Absätze zu hoch, verliert man leicht die Bodenhaftung und kommt leichter ins „Straucheln“. Mit drückenden Schuhen kommt man schlecht voran, weil jeder Schritt mühsam ist.

In unserer Sprache gibt es viele Redewendungen zum Schuh als Hinweis dafür, dass manches von unten her schon nicht stimmt:

„Wo drückt der Schuh?“ Wenn ein Schuh drückt, tut es weh. Von außen sieht man vielleicht nur einen schmerzhaften Gesichtsausdruck. So ist das auch, wenn jemand mit einem Problem nicht herausrücken will. Wer kennt nicht die Verunsicherung wenn einer „komisch“ guggt oder auf eine WhatsApp nicht antwortet: Hat das vielleicht etwas mit mir zu tun? Nur was? Hab‘ ich jemanden verletzt? Soll ich direkt fragen? Oder wecke ich schlafende Hunde? Sehe ich vielleicht Probleme, wo gar nix ist?

„Etwas in die Schuhe schieben.“ Früher wurde Diebesgut öfter mal jemanden in die Schuhe gesteckt; also die Schuld wurde auf andere geschoben. Kommt auch heute noch vor. Schiebt mir vielleicht gerade jemand die Schuld für seine Misere in die Schuhe? Oder umgekehrt?

„Umgekehrt wird ein Schuh draus.“ Handgefertigte Schuhe werden anfangs auf links gearbeitet und dann umgedreht. Wenn man etwas von einer anderen Seite aus betrachtet, kann es plötzlich einen Sinn machen. Vielleicht sollte ich einmal den Blickwinkel wechseln.

„Auf den Senkel gehen.“: Das meint, jemanden so nahe zu treten, dass man auf dessen Schuhsenkel steht und ihn somit behindert. Bin ich jemanden zu nahe getreten, d.h. behindere ich ihn? Oder tritt mir gerade jemand/etwas zu nahe und ich sollte mich nicht behindern lassen?

„Das ist ein anderes Paar Schuhe.“ oder: „Das sind zwei Paar Stiefel.“ Das sind zwei unterschiedliche Sachen, die nicht verwechselt werden sollten. Es kann ziemlich unangenehm sein, wenn man mit dem falschen Paar Schuhe herumläuft, weil man da etwas verwechselt hat.

Also frage ich ernsthaft: Drückt der Schuh, wenn etwas zugeschoben wurde oder weil man das falsche Paar erwischt hat oder sich einer auf den Senkel gestellt hat? Oder drückt der Schuh, weil etwas ganz anderes berührt ist? Für den Seelenfrieden ist es manchmal besser, wenn man sich manche Schuhe gar nicht erst anzieht. 🙂

Als Coachin oder auch als Erzieherin sehe ich eine ganze Menge drückender Schuhe. Ich schaue mit meinen Klientinnen und den Kindern, ob wir nicht die Schuhe wechseln oder ganz ausziehen sollten.

Marianne, the best Guide of Cres 😀

Mit der Fähre ging es von Krk zur Insel Cres.

Nachdem wir ein nettes Hotel fanden, machten wir es uns auf einem Ministrand gemütlich, soweit man das von Kieselsteinen sagen kann.  Ein Bad in der türkisfarbenen, klaren Adria erfrischte und machte etwas schläfrig.

Allerdings kamen wir nicht wirklich zur Ruhe. Denn eine Dame, Anfang 70, kam mit uns ins Gespräch. Marianne hat hier mit ihrem Mann seit 1978 ein Ferienhaus und kennt sich bestens aus.

Meerfenchel. Als Küchenkraut oder Heilkraut bei Leber-, Gallen-, Milz- und Nierenbeschwerden zu verwenden.

Sie zeigte mir Meerfenchel, erzählte, wie wirksam die Zistrose ist, die hier wächst. Außerdem gab sie uns einen wirklich guten Ausgehtipp, wo wie zuhause gekocht wird (Tipp: Nonina Kuchina, Štivan).

Leckereien bei Nonina und auf dem Balkon vom Hotel

Sie gab mir einen Blasentee (Tipp: Uvin Čaj) und empfahl das „Oil House“, wo reine ätherische Öle, Seifen, Olivenöl etc. zum kleinen Preis hergestellt und verkauft werden.

Oil-House in Martinšćica

Überhaupt: Cres ist die größte Insel der Kvarner Bucht. Ca. 3500 Menschen leben hier, davon wohnen 2000 im Hauptort Cres.  Es gibt keinen Massentourismus. Die Bewohner versorgen sich weitestgehend selbst mit Fleisch, Käse, Fisch, Wein, Öle, Obst, Gemüse. Als Wasserreservoir dient ein streng geschützter See in den Bergen. Außerdem wird auf Cres nichts gespritzt, so dass die Lebensmittel superbio sind und eine tolle Qualität haben.

Blick von Martinšćica auf den höchsten Berg von Cres; ist dieser wolkenumhüllt, gibt’s Regen (laut Marianne).

Marianne erzählte noch einige Geschichten aus ihrem Leben, die so interessant sind, dass sie ein Buch darüber schreiben könnte.

Darauf hoffe ich sehr. Oder wir treffen uns zufällig wieder, denn oft sieht man sich mindestens zweimal im Leben …Danke, Marianne!

Cres ist so lebenswert. Wir kommen bestimmt wieder!

Wo die wilden Wölfe heulen: Naturschutzgebiet Dingdener Heide

Kürzlich hatten wir eine Führung mit einem engagierten Naturschützer, der uns nicht nur die Landschaft erklärte, sondern auch die ein oder andere Geschichte erzählte:

Wusstet Ihr, dass es in Deutschland wieder Wölfe gibt? Seit einigen Jahren streifen vereinzelte Wölfe durch die Dingdener Heide. Als Nahrung dient ihnen auch ab und zu mal ein Schaf. Sehr zum Ärger der Schäfer, die mittlerweile die Tiere mit besonderen Hütehunden und/oder hohen Elektrozäune schützen.

Auf Schildern stehen Hinweise, wie man sich verhält, wenn man einem Wolf begegnet. Die Tiere ziehen sich in der Regel zurück, wenn sie Menschen sehen. Also muss man nicht panisch werden. Langsam rückwärts zurückziehen mit Blick auf dem Wolf, ist auch eine Möglichkeit.

Ich hatte mir vorsorglich einen Stock zurechtgestutzt 😉 – sicher ist sicher. Leider haben wir aber keinen gesichtet, noch nicht einmal einen Hund, und gejault hat da auch nix. Aber ich habe eine ruhige Landschaft aufgesogen, hatte gute Gespräche mit netten Menschen und nebenbei habe ich eine ganze Menge gelernt.

Und das steht auf der Homepage der Stadt Hamminkeln (Quelle):

Seit 1987 steht die Dingdener Heide unter Naturschutz. Die schrittweise Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung bot zahlreichen vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten hier ein neue Zuflucht.

In den Feuchtwiesen, Hecken, Krautsäumen und Feldgehölzen kann man allerlei seltene Vögel beobachten, doch auch Reptilien, Amphibien, Libellen, Heuschrecken und andere Insekten finden hier einen wertvollen Rückzugsraum.

Rund 20 % aller nachgewiesenen Gefäßpflanzenarten stehen auf der roten Liste der bestandsgefährdeten Arten in Nordrhein-Westfalen.

Fotos und Bearbeitung: Monika Rauch

Titelbild: Andrea Bohl auf Pixabay

Fokus auf Dich

Habe mich durch alle möglichen Foren durchgelesen. Es gibt ja so viele Künstler*Innen in so vielen Stilrichtungen. Und alle (!) sind talentiert und haben ihr Publikum. Jede*r hat eine Menge investiert: Zeit, Geld, Träume … für die Ausbildung, die Instrumente, das Studium … meist von klein auf.

Wenn man nicht gerade das große „Glückslos“ gezogen hat, und „berühmt“ ist, dümpelt man/frau leider oft irgendwie dahin, in der Hoffnung, dass sich noch etwas tut. Zudem kommt noch der Kollegenneid. Man hat Angst, dass die anderen einem die besten Happen wegschnappen. Ist verständlich, führt aber zu seltsamen Blüten.

Z.B. dass man seine Auftritte kostenlos anbietet, das kommt besonders häufig in der Popszene vor. Es gibt Bands, die „umsonst“ arbeiten. Leider wird aber nicht bedacht, dass man sich unter Wert verkauft. Die Mentalität ist nämlich: „Was nix kost‘ ist nix wert.“ Dadurch, dass es mittlerweile Listen gibt von kostenlosen Musikern, sehen sich die „Verbraucher“ gar nicht bemüßigt, nach Qualität und Wert zu schauen. In manchen Locations, z.B. in Köln, müssen Künstler sich einkaufen, um spielen zu dürfen.

Es spricht natürlich nichts dagegen, sich bei Akademien zu bewerben, die Künstler fördern. Oder man singt im Gottesdienst, weil es einfach Spaß macht. Oder man gibt ein Konzert und bittet am Ausgang um einen Obolus. Oder man stellt aus, um Bekanntheit zu erlangen. Der Unterschied zum „sich unter Wert verkaufen“ ist der, dass es sich nicht mehr gut anfühlt, dass man das Gefühl hat, sich verbiegen zu müssen und/oder dass man sich „ausgenommen“ fühlt. Davor einen Riegel schieben!

Was kannst Du tun? Zeige Dich selbstbewusst mit dem, was Du kannst, organisiere Deine Auftritte/Ausstellungen lieber selbst, vernetze Dich mit Gleichgesinnten. Vielleicht kannst Du in der örtlichen Kirche, Gemeindezentrum, in einem Café etc. ein Konzert geben, oder etwas ausstellen. Wenn Du Dich auf den Weg machst, werden sich Wege eröffnen, von denen Du vorher nie geträumt hättest.

„Fokus auf Dich“ bedeutet, dass Du nach Dir selbst schauen solltest, schaue nicht, nach dem was die „anderen“ machen. Schaue nach dem, was Du kannst, finde Deine Stärken heraus. Mache die Kunst um der Kunst willen, mache sie mit Leidenschaft und Feuer im Herzen. Schaue nicht auf die „anderen“, das lenkt von Dir ab; Du kommst in den Wald.

Meine Überzeugung: Wenn Du das, was Du tust, egal ob im Job, als Mutter, Vater, oder Künstler’in, mit Liebe und Leidenschaft tätigst, kommen die Erfolge von selbst. Und: Vertraue!

Meine Empfehlung zu diesem Thema: „Morgenseiten schreiben“. Julia Cameron empfiehlt, jeden Morgen einige DIN-A4-Seiten zu schreiben, mit allem, was in den Kopf kommt. Das Buch „Der Weg des Künstlers“ ist schon einige Jährchen alt und noch immer auf der Bestseller-Liste. Das zu Recht, wie ich meine. Ich lese es immer wieder mal und es hilft mir, meinen künstlerischen Weg zu gehen. Die Morgenseiten sind mittlerweile (mehr oder weniger) ein fester Bestandteil in meinem Morgen-Ritual.

Der Weg des Künstlers - Cameron, Julia
(kostenlose Buchwerbung)

Bild: Monika Rauch

Als ich vom Fahrrad fiel

Ich reagierte nur noch. Blind. Das Essen musste auf den Tisch kommen, der Haushalt gemacht, die Kids bedient werden: Schule, Elternabende, Logopäden, Ergotherapie, Handballtraining, Turniere. Mein Mann wollte eine schlanke, adrette Frau und ich rechtfertigte mich, wenn etwas nicht klappte. Im Job fand ich es gar nicht gut, dass mir andere sagten, wie ich was zu tun hätte. Ich fühlte mich von allen Seiten attackiert, ich war im Verteidigungsmodus. „Du bist ja nur noch gestresst!“, war eine Aussage, die ich manchmal hörte. Das stimmte, aber ich kam da nicht so einfach raus. Ich war erschöpft.

So auch an einem Novemberabend vor sechs Jahren; ich raffte mich auf, stieg auf’s Fahrrad und wollte zum Sprachkurs, obwohl ich dazu überhaupt keine Lust hatte. Draußen war es regnerisch und ich dachte während der Fahrt über das, was gerade schief lief, nach. Als ich auf die Bürgersteigkante hochfahren wollte, passierte es, ich kippte – wie in Zeitlupe – mit dem Fahrrad zur Seite. Meine Schuhe blieben am Pedal hängen, so dass ich mich nicht rechtzeitig abfangen konnte. Es knackte und ratschte in mir. Ich lag wortwörtlich am Boden,weinte und dachte: „Na endlich!“ In mir zerriss etwas. Offiziell hatte ich einen Bänderriss und einen gebrochenen Mittelfußknochen. Das hatte eine OP zur Folge und eine Krankschreibung von zwei Monaten.

In dieser Zeit durfte ich den linken Fuß überhaupt nicht belasten. Ich war aber zu Hause und hatte die ersehnte Pause. Ich kam zur Ruhe. Meine Kinder wurden bekocht und betüttelt. Meine Familie half im Haushalt, Freunde beim Einkauf usw.

Plötzlich hatte ich Zeit für mich. Ich schaute mich um, was der Büchermarkt an Ratgebern bot und fand das Buch „Krankheit als Weg“ von Dahlke und Detlefsen. Ich las das Buch und verstand: Krankheiten und auch Unfälle passieren und geben Hinweise, was schief läuft. Bei mir lief ja auch einiges schief.

Seit dieser Geschichte hat sich sehr viel in meinem Leben getan. Die wichtigste Erkenntnis, war, dass ich selbst die Verantwortung für mein Leben in die Hand nehmen musste. Allein diese Erkenntnis half mir, mich innerlich neu aufzustellen, d.h. mich unabhängig zu machen von dem was andere von mir erwarten. Ich ging auf Forschungsreise: Was will ich? Was tut mir gut? Wie kann ich mich entlasten? Wie bringe ich Spaß in mein Muttersein? Frausein? Kolleginsein? In mein Leben? Es ist gar nicht immer notwendig, den Mann zu verlassen oder den Job zu wechseln.

Ich fand eine Freundin, die mich coachte. Gleichzeitig arbeitete ich mit einer Coachin mit der Emotioncode-Methode. Hier geht es darum, eingelagerte Emotionen, die das Leben belasten, zu finden und aufzulösen. Ich habe unglaublich viele alte Geschichten für mich bearbeitet und bin dadurch innerlich frei geworden.

Heute arbeite ich mit der Sea-Balance-Methode, die wesentlich schneller wirkt. Ich arbeite immer noch im gleichen Kinderhort; aber es ist vom Arbeiten her kein Vergleich zu früher. Mittlerweile bin ich als Sängerin unterwegs, schreibe Blogs, male und habe dieses Jahr eine Coaching-Praxis eröffnet. Ich bilde mich beruflich und künstlerisch weiter und liebe das, was ich tue.

Es hat übrigens etwas gedauert, bis ich mich wieder aufs Fahrrad traute. Ich habe es immer noch. Es konnte ja auch nix dafür, dass es mir schlecht ging. Es war nur Mittel zum Zweck. 🙂

Hausis

In unserem Hort bin ich wieder „dran“. Für ca. ein Vierteljahr bin ich für die Hausaufgabenbetreuung zuständig. Die Kids besuchen zum größten Teil die Grundschule, einige gehen in eine Vorklasse.

Am Anfang des Schuljahres gibt es noch sehr wenig zu tun, könnte man denken – schließlich sollen die Kinder sich langsam an Schule gewöhnen. Einige Erstklässler wirken aber jetzt schon angestrengt, obwohl die Aufgaben noch recht spielerisch sind. Bei den Kindern aus der zweiten, dritten und vierten Klasse ist das Hausaufgabenpensum sehr unterschiedlich. Manchmal ist es so hoch, dass Kinder ein bis zwei Stunden daran sitzen. Die Menge der Aufgaben, mangelnde Konzentration, Nichtverstehen, Lustlosigkeit oder eine Kombination einiger Punkte, ist die Ursache hierfür. Mir schwillt schon der Kamm, wenn Kinder seitenweise Rechenaufgaben und zudem noch Schreibübungen bekommen. Meine Gedanken sind dann nicht immer freundlich den Lehrern gegenüber. Als ob man Kindern Wissen eintrichtern könnte.

Manchmal überkommt mich die pure Verzweiflung, wenn ich merke, das Kind kann die Hausaufgaben gar nicht bewältigen, weil es schlicht nichts versteht, trotz Erklärungsversuche. Dann schreibe ich eine freundliche Notiz für die Eltern und Lehrer ins Mitteilungsheft. Leider kommt die Nachricht bei den Lehrern nicht immer an, weil Eltern sich oft noch einmal mit ihren Kindern hinsetzen und die Aufgaben vollständig erledigen, oft noch in bester Schönschrift. Das ist natürlich legitim. Es ist aber dann kontraproduktiv, wenn die Aufgaben erledigt, aber nicht verstanden werden und/oder der Abend mit Streit und Tränen endet, weil Kinder (und Eltern) einfach nicht mehr „können“.

Ich kenne das nur zu gut: Als meine Kinder zur Grundschule gingen, hatte ich den inneren Drang, dass alles perfekt sein müsse: auf Linie schreiben, die Buchstaben erkennbar, am besten noch die Rechtschreibung richtig. Beim Korrigieren hatte ich dann mit einem sich weigerenden Kind zu kämpfen, das meinte, dass die Lehrerin es so und so erklärt hätte. Und ich wurde ungeduldig und setzte mich (manchmal) durch. Danach waren meine Kids und/oder ich fix und fertig, und von einem friedlichen Tagesausklang konnte nicht die Rede sein. Dabei war ich selbst auch nicht immer mit dem Pensum der Hausaufgaben einverstanden.

Wie oben angedeutet, sehe ich ein hohes Pensum an Hausaufgaben in der Grundschule sehr kritisch. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche Lehrer sehr erstaunt sind, wenn wir von den Schwierigkeiten bei den Hausis berichten. So geben einige Lehrer mittlerweile vor, dass man z.B. mit den Rechenaufgaben nach einer Viertelstunde aufhören soll. Es geht ja schließlich bei den Hausaufgaben darum, den Unterrichtsstoff zu verfestigen. Insgesamt sollten Hausaufgaben in der Grundschule maximal 30 bis 45 Minuten dauern. Und die Kinder sollten in der Lage sein, diese alleine ohne Hilfe zu bewältigen.

Wenn ein Kind etwas nicht versteht oder blockiert ist, hat es überhaupt keinen Sinn, wenn es dazu gezwungen wird, diese „fleißig“ fertigzustellen. Letztendlich ist es sogar für das Kind schädlich, wenn die Hausis immer vollkommen sind, es aber wenig davon versteht. Nur wenn Lehrer sehen, wo die Schwachstellen sind, können sie im Unterricht darauf eingehen.

Was aber können wir tun, damit die Hausaufgaben möglichst reibungslos vonstatten gehen?

  • Den richtigen Zeitpunkt wählen: Ist Dein Kind gerade müde oder ausgepowert? Dann lieber einen Moment warten und für Ausgleich sorgen, d.h. Ruhe oder Bewegung. Oder ist es richtig gut im Fluß? Dann ist es sinnvoll, nur eine kleine Pause zu machen und die Hausaufgaben gleich durchzuziehen.
  • Eine gute Atmosphäre schaffen, dazu gehören wenig Ablenkung d.h. sind Arbeitsplatz und die unmittelbare Umgebung relativ reizarm?
  • Ruhe
  • Als Ansprechpartner*in zur Verfügung stehen für Erklärungen bei Nichtverstehen.
  • Einen Zeitrahmen vorher festlegen.
  • Kleinere Pausen machen, zwischendurch etwas trinken oder mal um die Ecken rennen lassen.
  • Kinder wählen lassen, mit was sie beginnen möchten; es empfiehlt sich, die einfachen Aufgaben zuerst zu machen, dann sind sie aus dem Kreuz.
  • Bei Blockaden, Konzentrationsschwierigkeiten, Nichtverstehen … mit den Lehrern Kontakt (Mitteilungsheft) aufnehmen, die Situation schildern, Lehrer mit ins Boot holen.
  • Den Kindern die Verantwortung für Ihr Tun zurückgeben. Wenn Sie bei den Hausaufgaben schummeln oder schwindeln, sind sie für die Konsequenzen verantwortlich, d.h. evtl. schlechte Noten oder Ärger mit dem/der Lehrer*in.
  • Du solltest als Mutter oder Vater informiert sein, was in der Schule läuft. Führe Dein Kind langsam dazu, dass es selbständig seine Hausaufgaben bewältigt. Halte es an, die Aufgabenstellung genau zu lesen. Gehe nicht in Vorleistung, indem Du alles erklärst, damit es schneller geht. Damit würdest Du Deinem Kind eine wichtige Lernerfahrung nehmen.
  • Überprüfe Deine innere Einstellung. Findest Du Hausis doof? Dann kommt das garantiert beim Kind an und raubt ihm die Lust.
  • Versuche, Deinen Perfektionismus im Zaun zu halten.
  • Lobe Dein Kind! Mit positiver Bestärkung für das was es kann, kann es auch schwierigere Aufgaben leichter bewältigen.
  • Lockere die Atmosphäre ein wenig auf, vielleicht mit einem Spaß, einer Umarmung.

Aber kennst Du ihn auch, den inneren Druck, der entsteht, wenn Dein Kind einfach nicht mehr will oder kann? Wir wollen ja schließlich nur das Beste für unser Kind. Wenn wir aber unseren Druck dann weitergeben, entsteht Stress beim Kind. Stress besteht aus einem Gefühls-Mix, z.B. Hilflosigkeit, Ohnmacht, Traurigkeit, sich ungeliebt fühlen, Wut, Trotz … Es kann zu Glaubenssätzen beim Kind kommen: „Ich bin nichts wert.“ „Nur wenn ich funktioniere, werde ich geliebt.“ „Ich bin schlecht.“ „Ich bin nicht brav.“ „Ich kann nicht … (malen, lesen, rechnen).“ Diese Glaubenssätze können Menschen mitunter ihr ganzes Leben begleiten und sie danach leben lassen. Und: Streß verhindert Lernen.

Daher bitte ich Dich als Mutter oder Vater: Vertraue Deinem Kind, das hilft dem Kind, sich selbst zu vertrauen. Stehe zu ihm. Verteidige es in der Schule. Rede mit den Lehrern, wenn das Pensum zu schnell, zu viel, zu schwer erscheint. Jedes Kind hat unterschiedliche Begabungen. Fördere die Begabungen. Wo steht geschrieben, dass Lesen und Schreiben wichtiger sind als Malen, Musik oder Sport? Eine gute Beziehung zu Deinem Kind in Liebe und Vertrauen hilft ihm, in seine Stärke zu kommen und seinen eigenen Weg zu gehen. Und: Vergiss Deinen Humor nicht :-).

PS: Es gibt übrigens eine Seite des hessischen Kultusministeriums, bei der alle Punkte des Schulrechts alphabetisch aufgeführt sind: https://kultusministerium.hessen.de/schulsystem/schulrecht/schulrecht-nach-stichworten

Bild: Monika Rauch

Drachen

Wenn Du jemals den Hauch des Drachens gespürt hast, bist Du infiziert; denn Du hast die Erkenntnis, dass alles möglich ist!

In vielen Kulturen und in der spirituellen Welt gilt der Drache als mächtiger Beschützer und als Glücksbringer.

Drachen sind in allen Elementen zuhause, sie schwimmen, fliegen, hausen auf der Erde, und Feuer ist ihr Atem. So einen sie die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. Drachen gelten als Hüter des Wissens, sie sind weise. In den alten Mythologien wurden Drachen einerseits verehrt und andererseits gefürchtet, bekämpft und getötet. Könnte das im übertragenen Sinne heißen, dass man die Weisheit bekämpfte und sogar tötete? Aus Angst vor der Macht, die sich dahinter verbarg? Es gab aber auch die Drachenreiter, die wussten, was zu tun war. Sie lenkten ihre Drachen und profitierten von deren Weisheit, Klugheit und Stärke.

Klar, das sind Geschichten, Märchen, Sagen. Aber einen wahren Kern haben sie bestimmt.

Beruflich habe ich mit Kindern, Eltern und Künstlern zu tun. Ich kenne einige Menschen, die unbeirrbar ihr Ding machen, sie vertrauen auf Ihre eigene Stärke und hören auf ihr Bauchgefühl. Es scheint, als falle ihnen alles so einfach in den Schoß. Sie riskieren viel und sind erfolgreich – oder sie verlieren alles. Nicht selten fangen sie dann wieder von vorne an. Und es gibt die Menschen, die vorsichtig sind und sich nach allen Seiten absichern, bevor sie einen Schritt tun. Sie schauen nicht nach links und nach rechts, sind auf der Hut, etwas falsch zu machen. Sie vertrauen auf das, was andere ihnen sagen und halten sich in geregelten Bahnen auf. Weil auf der Welt weder alles schwarz noch weiß ist, gibt es eine ganze Reihe „Mischtypen“, die von allem etwas leben.

Als ich anfing, über das Leben im Allgemeinen nachzudenken und über mein Leben im Speziellen, fielen mir so manche Erkenntnisse in den Schoß. Wenn ich es schaffe, darauf zu vertrauen, dass es Wege zu meinen Zielen gibt, werde ich diese auch erreichen. Dazu braucht es Tatkraft und Mut. Früher war ich manchmal verunsichert und konnte mich nicht entschließen, in welche Richtung ich gehen sollte. Ich verlangsamte meine Schritte und wenig änderte sich. Es änderte sich erst etwas, als ich loslief.

Leider sind Drachen weitestgehend „ausgestorben“. Allerdings bin ich mir dessen sicher: Tief in der Erde gibt es eine ganze Menge Dracheneier, die darauf warten, ausgebrütet zu werden. Du kannst nach ihnen graben. Die Suche danach ist nicht ganz ungefährlich, Du solltest mutig sein und auf Deine Intuition hören. Wenn Du es schaffst, einen Drachen zum Leben zu erwecken, wirst Du wissen, was wirklich wichtig ist und wie Du Deine Macht über Dich behalten kannst. Das ist es, was den „Systemen“ Angst macht: Menschen, die unabhängig ihre Enscheidungen treffen und dadurch schwer zu manipulieren sind. Dann schwingst Du Dich auf den Drachen und reitest den Rittern, die ausziehen das Fürchten zu lehren, davon.

Bild: Monika Rauch (Urheberrecht)