Flash Cooking

Es gibt Tage, da wird meine Küche zum Labor. Da wird gebacken, gebruzzelt, eingekocht und ausprobiert. So ein Tag war gestern: Zunächst setzte ich den Brotteig an und das Hagebuttemus entstand. Danach buk ich mal schnell zwei Kuchen. Zwischendurch räumte ich auf, duschte mich, machte den Haushalt, traf mich mit einem Freund, kaufte ein, ging essen und trank einen Verdauungsespresso am Abend – mit dem Ergebnis, dass ich bis 3.00 Uhr nachts noch fit war. Also machte ich in der Küche weiter:

Brot backen

Wenn der Sauerteigansatz blubbert, wird er mit Mehl, Wasser und Salz zu einem Teig verrührt. Dieser wird alle paar Stunden gefaltet und durchläuft eine Wärmephase sowie eine Kaltphase. Dieses Mal buk ich 4 Brote: Mit Koriander &Kümmel, Leinsamen, Salz&Pfeffer und Haferflocken. Ein gutes Brot braucht einen Tag. Gegen 2.30 Uhr stellte ich es zum Abkühlen auf’s Rost.

Hagebuttenmus

Die gewaschenen Hagebutten werden mit Wasser so lange geköchelt, bis sie weich sind. Danach werden sie gestampft und mit dem Kochwasser passiert. Ich musste das 2x wiederholen, damit alle Kerne draußen waren. Was für eine Arbeit! Die Kerne werden gewaschen und getrocknet für Kernletee. Das Mus wird zu Chutney und Konfitüre verarbeitet. Ich nehme dazu gerne Gelierzucker im Verhältnis 1:3.

Pflaumenmus

Aus den Zwetschgen wird Pflaumenmus. Dazu wird das kleingeschnittene Obst mit etwas Wasser und Gelierzucker so lange geköchelt, bis ein Mus entstanden ist.

Chutney

Mein erstes Chutney aus Zwiebeln, Paprika, Zwetschgen, Hagebuttenmus, Chilis, Salz, Zucker, Essig. Durch die Zugabe von Essig, Chilis und Zucker ist ein Chutney sehr lange haltbar, auch wenn das Glas bereits geöffnet wurde. Chutney schmeckt hervorragend zu Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse.

Irgendwann stellte ich erschrocken fest, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist. Ich entschloss mich dazu, die Arbeit zuende zu bringen und jeden Arbeitsschritt zu genießen – auch das Aufräumen. Ich räume das meiste direkt im Anschluss auf und zwischendurch, wenn es passt. Für die Marmeladen und das Chutney nutzte ich das gleiche Geschirr, das dann halt gespült wird. Überhaupt … Hygiene ist beim Einmachen besonders wichtig. Die Ware soll schließlich haltbar sein.

Die sauberen Gläser werden ausgekocht, die Flächen „entbabbt“, das Geschirr gespült und der Sekt sorgt für die innere Desinfektion.

Was passiert eigentlich bei solchen Aktionen? Ich bin neugierig, will unbedingt testen, wie das Rezept umgesetzt wird. Es geht hauptsächlich ums Tun und zweitrangig um das Ergebnis. Ich bin voll und ganz bei der Sache, ich fokussiere mich. Gedanken kommen und gehen, nichts ist wichtiger als meine derzeitige Arbeit. Ich wirke und bin dabei vollkommen bei mir. Ich bin im „Flow“ und ruhe in mir. Und ich bin „geflasht“, will heißen ich bin inspiriert und dabei vollkommen motiviert. Die Zeit ist egal und ich lasse mich von ihr nicht einschränken. Das ist Glück.

Selbstbemächtigung = Glück finden

Gemüsebrühe aus Gemüseabfällen

Als ich mein Gemüsechilie zubereitete, ist einiges an Gemüseabfällen angefallen. Diese habe ich gewaschen, grob zerkleinert und mit je einem Büschel Bohnenkraut und Isop, Salz, Muskatnuss und etwas Sonnenblumenöl gewürzt. Dann ließ ich alles für gut eine Stunde köcheln, siebte und füllte es ab. Eine Flasche steht im Kühlschrank und ist einige Tage haltbar. Die Gläser mit Brühe habe ich eingefroren.

Gemüseabfälle aus: Mangoldblättern, Isop, Bohnenkraut, Schalen, Grünes und Strünke von Karotten und Sellerie, Lauchzwiebeln, Porree, weichen Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln, Paprikaresten … ergeben einen aromatischen Sud. Damit habe ich z.B. Bulgur gekocht. Nach dem Kochen wandert das ausgekochte Gemüse in den Kompost.

In unserer Sommerküche lebt es sich natürlicher als in der normalen Küche im Haus. Einiges vom Gemüse kommt direkt aus dem Garten, die meisten organischen Abfälle landen im Kompost und das Waschwasser wird in die Blumenkübel gegossen. Insgesamt produzieren wir ungefähr 1/3 des sonstigen Mülls. Das ist schon ein guter Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Und wir sind kreativer beim Kochen, so entstand die Idee, die Gemüseabfälle sinnvoll zu verwerten, nämlich als Gemüsebrühe.

Selbstbemächtigung = nachhaltig wirtschaften

Sommerküche: „Veganes Chili“

nach Sebastian Copien

Im Sommer wohnen wir fast ausschließlich im Garten. Das macht richtig Spaß, weil das Leben „draußen“ einfach erdet und Erholung bringt. In unserer Gartenküche kochen wir mit Gas und Eisenpfannen. Damit kann man schön kross anbraten, was diesem Gericht gut bekommt.

Eigentlich esse ich sehr gerne Fleisch und uneigentlich habe ich ein schlechtes Gewissen, weil Tiere eine Seele haben. Wer Haustiere zuhause hat, weiß, was ich meine. Also schau‘ ich mich nach schmackhaften Rezepten um und habe den YouTubeKanal von Sebastian Copien entdeckt. Er freut sich bestimmt über neue Abonnenten, falls Ihr seinen Kanal mal besuchen mögt: https://youtu.be/F-nIy4mCm2E

Als Fleischersatz schlägt Sebastian kleingeschnittene/geraspelte Austernpilze vor, weil die eine fleischige Textur haben. Diese werden in Olivenöl so lange gebraten, bis sie eine schöne Röstung haben. Danach kommen geraspelte Karotten und Sellerie hinzu – dies wird gebraten, bis alles leicht braun ist. Um einen noch markanteren Geschmack zu bekommen, kann man einige getrocknete kleingeschnittene Shitakepilze hinzufügen. Ich habe aber keine gefunden beim Supermarkt meines Vertrauens.
Nach und nach kommen grob geschnittene Zwiebeln, Paprika, die restlichen Karotten, Selleriegrün, Lauch, Knoblauch, Mais, Kidneybohnen (inclusive Kochwasser!) und stückige Tomaten hinzu.
Würze bringen: Salz, Oregano, Kreuzkümmel, frischer Koriander
(wer’s mag), verschiedene Chilisorten, Tomatenmark + Saft einer halben Orange und eine kleine Tasse Espresso. Zum Abrunden des Geschmacks werden 3 bis 4 Stücke geraspelte Bitterschokolade untergehoben. Ich hätte nicht gedacht, daß Schokolade dem Ganzen den entscheidenden „Pfiff“ gibt.

Ich hab‘ mich nicht ganz ans Rezept gehalten, bin aber überrascht von dem super leckeren Ergebnis. Meinen Männern zuhause hat’s auch geschmeckt. Also ist fleischlos essen gar nicht so schwer, ich werde bestimmt öfter was nachkochen. Meinen Dank geht an Sebastian Copien, für den Kanal mache ich gerne Werbung ohne Auftrag.

Selbstbemächtigung = sich auf Neues einlassen

Nachtrag: Und wer räumt jetzt auf?

Hexenküche: Bratlinge

Schnell gemacht mit natürlichen Zutaten

Zutaten: Kidneybohnen, Haferflocken, Lupinenschrot, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie (oder andere Kräuter), (Ei), Senf, Salz, Pfeffer, Paprika – verkneten, formen und in Olivenöl ausgebacken. Bei den Zutaten und Mengen kann man seiner Phantasie freien Lauf lassen. Saftig und lecker!

Ich liebe es, mit Lebensmitteln zu experimentieren. Es kommen zwar weder Spinnenbeine noch Krötengift ins Essen, doch solche gefährlichen Lebensmittel wie Kräuter und Gemüse sind durchaus dabei. Meine Männer beäugen mein Kochen schon etwas misstrauisch, aber meistens schmeckt’s ihnen dann doch. Manchmal gibt’s auch Schelte, naja nicht alles gelingt immer.

Ich gebe es zu: Ich mag gerne Fleisch essen. Ich weiß aber, dass es nicht überlebenswichtig ist und dass Umwelt und Tiere wegen des übertriebenen Konsums in den Industrieländern leiden. Wir sind direkt mit Fleisch gemästet worden und haben uns, wie in anderen Lebensbereichen auch, abhängig gemacht. Glücklicherweise setzt gerade eine Trendwende ein, die zu einem bewussteren Konsum oder Verzicht führt. Ich finde es gar nicht so leicht, auf fleischlos umzusteigen und hoffe, dass ich so nach und nach meine „Sucht“ überwinde. Die Klopse kommen schon mal gut an, auch bei meinen Männern.

Selbstbemächtigung = sich bewusst gesund ernähren

Fermentiertes Rotkraut

Fementation – eine alte Methode, mit Hilfe von Milchsäurebakterien, Lebensmittel haltbar zu machen.

Wir kennen die Fermentation aus vielen Bereichen: Joghurt und Käse, Sauerteig, Sauerkraut, Essig, Alkohol … Das alles sind Lebensmittel, die sich durch Milchsärebakterien verändern und dadurch länger haltbar sind. Die Milchsäurebakterien befinden sich in der Luft oder „sitzen“ bereits auf/in den Lebensmitteln. Durch günstige Lebensbedingungen, wie z.B. Salz, Zucker, Wärme, Kälte vermehren die sich rasch und tun ihr Werk.

Fermentiertes ist gesund, weil durch das Verfahren Vitamine erhalten bleiben und die Speisen leichter verdaulich sind, was mit dem sauren Milieu zu tun hat.

Hier habe ich Rotkraut gesalzen und gestampft, so dass Zellwasser austreten konnte. Das Gemüse muss vollständig mit Salzlake bedeckt sein, damit nichts schimmelt. Daher halte ich das Gemüse mit einem Glasgewicht unten. Jetzt gärt es für eine Woche bei Zimmertemperatur, später wird es kühl gestellt.

Wann ist das eingelgte Gemüse fertig? Der Umwandlungsprozess dauert ungefähr 10 bis 20 Tage. Je länger es aufbewahrt wird, umso mehr säuert es nach. Nach einiger Zeit ist aber der Gärungsprozess abgeschlossen. Verzehrfertig ist das Gemüse, sobald es uns schmeckt! Das kann nach einigen Tagen oder nach Wochen der Fall sein. Je länger der Prozess dauert, umso weicher und verdaulicher wird die Rohkost.

Zubereitung von fermentiertem Gemüse: Damit die wertvollen Inhaltsstoffe und die Milchsäurebakterien erhalten bleiben, ist es ratsam, das Gemüse kalt zu essen oder nur leicht zu erwärmen. Es gibt allerdings Gemüse, das erhitzt werden muss, weil es roh leicht giftig ist – dazu zählen Bohnen (!) und evtl. Auberginen. Es passt gut zu allen Mahlzeiten, wo eine leichte Säure erwünscht ist. Z.B. zu Gegrilltem, in Suppen oder im Salat. Bei dem Rotkohl kann man z.B. einen Salat zubereiten aus je einem Teil rohem und fermentiertem Gemüse.

Haltbarkeit: Je nach Gemüseart ist Fermentiertes mindestens ein halbes Jahr genießbar, meistens aber wesentlich länger.

Dies ist mein erster Versuch!

Selbstbemächtigung = von unseren Vorfahren lernen

Winterkräuter: Pesto und Butter

Einige zarte und junge Blättchen der Wildkräuter kann man bereits im Januar in den Speiseplan mit einbauen. Besonders gut geht das mit der Vogelmiere, sie duftet frisch und schmeckt sehr fein. Die anderen Kräutlein dosiere ich eher sparsam, sie haben eine leicht bittere Note, was ja gut für Leber und Galle ist.

Für das Wildkräuter-Pesto schreddere ich zunächst Mandeln, Haselnüsse mit Olivenöl. Dann kommen Knoblauch, Kräuter, Hartkäse und etwas Salz hinzu – mixen und fertig. Zum Aufbewahren gibt man das Pesto in ein Schraubglas, oben muss eine Schicht Öl schwimmen, das schützt vor Schimmel. Das Pesto schmeckt sehr lecker zu Nudeln und Reis. Es passt auch gut als Marinade für Fisch und Fleisch. 😋
Die Butter wird mit Vogelmiere, Knoblauch, einer kleinen Menge der anderen Kräuter und Salz verknetet. Kräuterbutter passt gut zu frischem (warmem) Brot, Kartoffeln, Grillgemüse, Fisch, Fleisch.

Bitte achtet darauf, beim Sammeln von Wildkräutern nur das zu nehmen, was Ihr zu 100 % kennt. Bitte nicht auf Vermutung sammeln oder verarbeiten. Es gibt viele eßbare Kräuter, oder welche, die man zur Heilunterstützung verwenden kann. Und im Gegensatz dazu gibt es die Giftpflanzen, die man auch kennen sollte. Wie im echten Leben überall, gilt es, verantwortungsvoll mit Pflanzen umzugehen.

Selbstbemächtigung = Geschenke der Natur annehmen

Ein Adventswochenende: Einkaufen – Backen – Kochen

Während der kalten Jahreszeit bin ich oft in der Küche anzutreffen. Und dafür kaufe ich möglichst regional ein. Ich liebe es, frische Zutaten zu verwenden.

Ausbeute – Seit langer Zeit waren wir mal wieder auf dem Hanauer Wochenmarkt. Alkohol gibt es am Weinstand, dort kann man auch an Stehtischen einen Sekt oder Wein verkosten – sehr fein. Da der Marktplatz mit dem Weihnachtsmarkt besetzt ist, findet der Wochenmarkt rund um den Freiheitsplatz statt. Die Sonne schien, es waren einige Menschen unterwegs, aber nirgends war es überfüllt.
Abendessen mit frisch gebackenem Brot und Kräuterbutter (Schnittlauch, Isop, Bohnenkraut, Knoblauch) mit einem Gläschen Wein dazu … 😋 Unten rechts seht Ihr eine Steckrübe, das ist eine alte Gemüsesorte. Wir nannten es früher „unterirdische Kohlrabi“. Dazu gab es schlabberiges Wellfleisch. Ich hasste es. Aber jetzt werde ich versuchen, es nach meinem Geschmack zu kochen. Mal sehen, welche Ideen der „Chefkoch“ hat …
Feldsalat mit Zwiebeln und Balsamicodressing, darüber werden warme gebratene Pilze gegeben. Meinen Feldsalat beziehe ich beim Gärtner Lapp bei uns um die Ecke. Der Salat ist schon gut vorgeputzt und sehr frisch.😋
Brötchen für den Sonntag: 600g Weizenmehl, 7g Trockenhefe (die Trockenhefe rühre ich mit warmem Wasser, etwas Mehl und 1 Teel. Zucker an und warte ca. eine halbe Stunde bis es blubbert),
1 Teel. Sauerteigansatz, 1 Eßl. Salz, Wasser, 1 Schuss Olivenöl – alles verrühren und mehrere Stunden warm stellen, zwischendurch kneten, über Nacht kalt stellen, Brötchen formen, etwas gehen lassen und insgesamt ca. 25 Minuten backen (5 Minuten ca. 250 °C + 20 Min. 180 – 200 °C in Dampfschwaden). Die Brötchen wurden sehr fest, aber aromatisch und saftig.
Schnelles Bananenbrot Meine liebe Arbeitskollegin gab mir das Rezept, nachdem ich von ihr eine Scheibe dieses leckeren, saftigen Brotes abstauben durfte. Hinzu kommen Studentenfutter und Zimt nach gusto. Ich hatte weniger Zucker, aber mehr Eier im Rezept. Sabines Brot war eindeutig saftiger. Beim nächsten Mal halte ich mich genau an die Vorgaben.

Mein Wochenende beginnt immer mit einer Tasse Kaffee. Dann setze ich mich neben die Heizung und döse in den Morgen.

Auch wenn der Küchenkram manchmal recht viel ist, ist mir fast jeder Handgriff ein Vergnügen. Das könnte daran liegen, dass ich gerne Neues ausprobiere und dann gespannt bin, ob es was wird. Es ging schon einiges daneben, das verbuche ich dann als „Lernen“ bzw. als „Erfahrungen sammeln“.😊

Selbstbemächtigung = kreatives Lernen

Was bedeutet eigentlich „booste(r)n“?

To boost“ ist ein englisches Verb und bedeutet „(ver)stärken“, „erhöhen“, man benutzt es im Sinne von „jemanden fördern“ oder „eine Sache ankurbeln“.

Momentan ist das Wort in aller Munde, weil man sich von einer dritten C-Impfung erhofft, dass das Immunsystem des Geimpften angekurbelt wird.

Backen macht voll kreativ.🚀

Mein Brotteig heute, geht ab wie die Post, ich hab‘ ihn nämlich auch „geboostet“ (neudeutsch) bzw. „geboostert“ (althessisch).

Diesmal rührte ich einen „Vorteig“ aus Mehl und Wasser, welchen ich ca. 1,5 Stunden warm gestellt habe, bevor Salz und Anstellgut dazu kamen. Jetzt bläht er so vor sich hin, der Teig.

Selbstbemächtigung  = wider den tierischen Ernst.

Schinkennudeln

Schnelles Resteessen

Mein Papa „erbte“ das Grundrezept von seiner Mutter und hat es immer mehr verfeinert. Meine Kinder und ich essen diesen Auflauf sehr gerne, wir passen es oft dem an, was gerade im Haus ist. Es gibt wenig Maßangaben, wir kochen intuitiv.

Quark-Käse-Masse: Quark, geriebenen Käse (z.B. Gouda), Schmand (oder Creme Fraiche, Saure Sahne), 1 Ei oder zwei, etwas Sahne oder Olivenöl, viel Oregano, viel Knoblauch, wenig Salz oder Sojasoße, etwas Schärfe (z.B. Chillies).

Gekochte Nudeln, Bauchspeckwürfel (oder geräucherten Schinken), Quark-Käse-Masse ca. 30 Minuten abgedeckt bei 180°C backen, ohne Deckel noch mal ca. 15 Minuten bräunen. Mit Salat sevieren.😋

Selbstbemächtigung = (Koch-)Traditionen wahren

Essig selber machen

Wusstet Ihr, wie einfach es ist, einen bekömmlichen, vitaminreichen Essig selbst herzustellen?

Wir kennen meist den Apfelessig, der ein wahres Wunderelexier sein soll. Er sorgt für straffe Haut, glänzendes Haar, soll beim Abnehmen helfen und die Immunabwehr unterstützen. Zudem ist Essig eine gute Salat- und Gemüsewürze. Und es gibt eine Kultur der Trinkessige. Ich schätze, dass jeder Fruchtessig diese positiven Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten hat.

Für einen guten Essig braucht man tatsächlich nur Bio-Obst und Wasser. Um die alkoholische Gärung voranzutreiben, kann man etwas Zucker hinzugeben.

Mein erster Essig! Ich nutze unsere „Orangen-Abfälle“, da wir die Bio-Früchte direkt aus Spanien beziehen für unseren täglichen Saft. Vom Obst kann man fast alles verwerten: Schale, Frucht, Gehäuse. Die Früchte müssen ungespritzt und gewaschen sein.

Früchte klein schneiden und in saubere Gläser füllen. Mein „O-Saft-Auspresser“ lässt aus Kraftgründen meistens noch genügend Fruchtfleisch in der Schale. Das kommt hoffentlich dem Essig zugute

Anstatt mit Orangen, kann man den Essig mit anderen Früchten, z.B. mit Äpfeln, Gemüse, Getreide oder mit Alkoholresten (klassisch ist Wein oder Weinbrand) ansetzen.

Einen kleinen Eßlöffel Zucker untermischen und das Glas etwa 2/3 mit Wasser auffüllen. Ein sauberes Küchentuch darüber spannen. Das hält Schmutzpartikel fern und lässt Sauerstoff ins Glas. Kühl stellen. Der Ansatz sollte regelmäßig sanft gerührt oder geschüttelt werden.

1. Schritt: Nach ein bis zwei Wochen beginnt die alkoholische Gärung, d.h. Schaum bildet sich auf der Oberfläche. Alkohol (Ethanol) ist ein Nebenprodukt bei der Zersetzung von Kohlenhydraten mittels Hefen. Die Hefen befinden sich auf der Außenhülle der Frucht oder in der Luft. Der Abbauprozess geschieht anaerob (ohne Sauerstoff). Daher sollten die Feststoffe unter dem Wasser liegen (z.B. Früchte mit einem Teller beschweren). Der Ansatz riecht nach Alkohol. Theoretisch könnte man ab jetzt das Ansatzgut abfiltern.

Im 2. Schritt zersetzt sich der Alkohol mithilfe der Essigsäure-Bakterien und „kippt“. Der Essig ist nach ca. 4 – 6 Wochen fertig und kann abgesiebt und abgefüllt werden. Der Essig riecht säuerlich ohne Alkoholgeruch. Essig ist unangebrochen über ein Jahr haltbar. Bei längerer Lagerung reift der Essig nach, d.h. die sauren Spitzen verschwinden und er gewinnt an Qualität.

Der Alkoholgehalt bei fertigem Essig liegt bei 0,2–1,5 %/Vol. Zum Vergleich: Der Alkoholanteil bei Früchten, Fruchtsäften und Brot liegt durchschnittlich bei 0,3 Volumenprozent, sehr reife Früchte (z.B. Bananen) können bis 0.6 Vol. erreichen.

Was ist eine Essigmutter? „Die Essigmutter ist eine gallertartige, Fäden ziehende Masse aus Essigsäurebakterien, die sich bilden kann, wenn Wein oder andere leicht alkoholhaltige Flüssigkeiten längere Zeit offen stehen gelassen werden. Sie fermentiert Alkohol mit Hilfe von Sauerstoff aus der Luft zu Essigsäure.“ Das schreibt Wikipedia. Die Essigmutter kann bei der Essigherstellung als Beschleuniger eingesetzt werden. Daher macht es Sinn, die Mutter aufzubewahren. Beim Ansatz von Essig bildet sich nicht immer eine Mutter.

Selbst „gemachter“ Essig ist vitaminreicher, inhaltsstoffreicher und schadstoffarmer als industriell hergestellter. Reste werden verwertet, lange Wege vermieden und möglichst Glasbehälter eingesetzt, so werden Umwelt und Portemonnaie geschont. Und natürlich steckt ein Stück Liebe und Leidenschaft dahinter – ich bin mir sicher, dass man das schmeckt.

Selbstbemächtigung = mit einfachen Mitteln viel erreichen

Update1

Tja … nix war’s mit dem Orangenessig! Die Orangenschalen schwammen oben und die Gläser standen in einem wenig beheiztem Zimmer … leider schimmelten einige Schalen. So musste ich alles entsorgen.

Aber ich gebe nicht auf!

Orangenessig: Erneut setzte ich Orangenschalen an mit Wasser, etwas Saft, Zucker und Fruchtfleisch. Ich beschwerte diese mit zwei Schnapsgläschen und der Behälter kam in den Kühlschrank! Momentan ist der Geschmack leicht bizzelig und es riecht nach Alkohol. Update2: Ein kleines Stück Orange ist nach oben gedriftet und geschimmelt … Jetzt habe ich erst mal keinen Nerv mehr auf O-Essig.😬
Apfelessig: Zusätzlich setzte ich Apfelschalen, Kerngehäuse, Fruchtstücke und etwas Zucker mit Wasser an. Die kamen in den Kühlschrank und der Inhalt wurde regelmäßig gerührt. Nach ein paar Tagen roch es gärig, die Mutter bildete sich und nach ca. 4 Wochen wurde alles recht sauer. Beide Essige haben die Farben der Apfelschalen, einmal gelber und einmal roter Apfelessig. Demnächst fülle ich die Essige in Flaschen. Sie halten dann etwa ein Jahr.
Update2: Frisch abgefüllt nach 5 Wochen: Der Apfelessig schmeckt fein und mild. Auf dem mittleren Bild rechts seht Ihr die Apfelmutter. Damit setze ich gleich einen neuen Essig an.
Update2: Frisch angesetzte Apfelstücke mit Wasser, Zucker und Essigmutter. Ich lasse den Schraubdeckel erst mal drauf und werde ihn später durch ein Tuch ersetzen.

Fazit: Apfelessig reift schneller und unkomplizierter als Essig aus Zitrusfrüchten. Ich würde daher mit dem Apfelessig starten. Ich mach’s halt gerne etwas komplzierter.

Selbstbemächtigung = Fehler machen und wiederholen = lernen