Fokus auf Dich

Habe mich durch alle möglichen Foren durchgelesen. Es gibt ja so viele Künstler*Innen in so vielen Stilrichtungen. Und alle (!) sind talentiert und haben ihr Publikum. Jede*r hat eine Menge investiert: Zeit, Geld, Träume … für die Ausbildung, die Instrumente, das Studium … meist von klein auf.

Wenn man nicht gerade das große „Glückslos“ gezogen hat, und „berühmt“ ist, dümpelt man/frau leider oft irgendwie dahin, in der Hoffnung, dass sich noch etwas tut. Zudem kommt noch der Kollegenneid. Man hat Angst, dass die anderen einem die besten Happen wegschnappen. Ist verständlich, führt aber zu seltsamen Blüten.

Z.B. dass man seine Auftritte kostenlos anbietet, das kommt besonders häufig in der Popszene vor. Es gibt Bands, die „umsonst“ arbeiten. Leider wird aber nicht bedacht, dass man sich unter Wert verkauft. Die Mentalität ist nämlich: „Was nix kost‘ ist nix wert.“ Dadurch, dass es mittlerweile Listen gibt von kostenlosen Musikern, sehen sich die „Verbraucher“ gar nicht bemüßigt, nach Qualität und Wert zu schauen. In manchen Locations, z.B. in Köln, müssen Künstler sich einkaufen, um spielen zu dürfen.

Es spricht natürlich nichts dagegen, sich bei Akademien zu bewerben, die Künstler fördern. Oder man singt im Gottesdienst, weil es einfach Spaß macht. Oder man gibt ein Konzert und bittet am Ausgang um einen Obolus. Oder man stellt aus, um Bekanntheit zu erlangen. Der Unterschied zum „sich unter Wert verkaufen“ ist der, dass es sich nicht mehr gut anfühlt, dass man das Gefühl hat, sich verbiegen zu müssen und/oder dass man sich „ausgenommen“ fühlt. Davor einen Riegel schieben!

Was kannst Du tun? Zeige Dich selbstbewusst mit dem, was Du kannst, organisiere Deine Auftritte/Ausstellungen lieber selbst, vernetze Dich mit Gleichgesinnten. Vielleicht kannst Du in der örtlichen Kirche, Gemeindezentrum, in einem Café etc. ein Konzert geben, oder etwas ausstellen. Wenn Du Dich auf den Weg machst, werden sich Wege eröffnen, von denen Du vorher nie geträumt hättest.

„Fokus auf Dich“ bedeutet, dass Du nach Dir selbst schauen solltest, schaue nicht, nach dem was die „anderen“ machen. Schaue nach dem, was Du kannst, finde Deine Stärken heraus. Mache die Kunst um der Kunst willen, mache sie mit Leidenschaft und Feuer im Herzen. Schaue nicht auf die „anderen“, das lenkt von Dir ab; Du kommst in den Wald.

Meine Überzeugung: Wenn Du das, was Du tust, egal ob im Job, als Mutter, Vater, oder Künstler’in, mit Liebe und Leidenschaft tätigst, kommen die Erfolge von selbst. Und: Vertraue!

Meine Empfehlung zu diesem Thema: „Morgenseiten schreiben“. Julia Cameron empfiehlt, jeden Morgen einige DIN-A4-Seiten zu schreiben, mit allem, was in den Kopf kommt. Das Buch „Der Weg des Künstlers“ ist schon einige Jährchen alt und noch immer auf der Bestseller-Liste. Das zu Recht, wie ich meine. Ich lese es immer wieder mal und es hilft mir, meinen künstlerischen Weg zu gehen. Die Morgenseiten sind mittlerweile (mehr oder weniger) ein fester Bestandteil in meinem Morgen-Ritual.

Der Weg des Künstlers - Cameron, Julia
(kostenlose Buchwerbung)

Bild: Monika Rauch

Hausis

In unserem Hort bin ich wieder „dran“. Für ca. ein Vierteljahr bin ich für die Hausaufgabenbetreuung zuständig. Die Kids besuchen zum größten Teil die Grundschule, einige gehen in eine Vorklasse.

Am Anfang des Schuljahres gibt es noch sehr wenig zu tun, könnte man denken – schließlich sollen die Kinder sich langsam an Schule gewöhnen. Einige Erstklässler wirken aber jetzt schon angestrengt, obwohl die Aufgaben noch recht spielerisch sind. Bei den Kindern aus der zweiten, dritten und vierten Klasse ist das Hausaufgabenpensum sehr unterschiedlich. Manchmal ist es so hoch, dass Kinder ein bis zwei Stunden daran sitzen. Die Menge der Aufgaben, mangelnde Konzentration, Nichtverstehen, Lustlosigkeit oder eine Kombination einiger Punkte, ist die Ursache hierfür. Mir schwillt schon der Kamm, wenn Kinder seitenweise Rechenaufgaben und zudem noch Schreibübungen bekommen. Meine Gedanken sind dann nicht immer freundlich den Lehrern gegenüber. Als ob man Kindern Wissen eintrichtern könnte.

Manchmal überkommt mich die pure Verzweiflung, wenn ich merke, das Kind kann die Hausaufgaben gar nicht bewältigen, weil es schlicht nichts versteht, trotz Erklärungsversuche. Dann schreibe ich eine freundliche Notiz für die Eltern und Lehrer ins Mitteilungsheft. Leider kommt die Nachricht bei den Lehrern nicht immer an, weil Eltern sich oft noch einmal mit ihren Kindern hinsetzen und die Aufgaben vollständig erledigen, oft noch in bester Schönschrift. Das ist natürlich legitim. Es ist aber dann kontraproduktiv, wenn die Aufgaben erledigt, aber nicht verstanden werden und/oder der Abend mit Streit und Tränen endet, weil Kinder (und Eltern) einfach nicht mehr „können“.

Ich kenne das nur zu gut: Als meine Kinder zur Grundschule gingen, hatte ich den inneren Drang, dass alles perfekt sein müsse: auf Linie schreiben, die Buchstaben erkennbar, am besten noch die Rechtschreibung richtig. Beim Korrigieren hatte ich dann mit einem sich weigerenden Kind zu kämpfen, das meinte, dass die Lehrerin es so und so erklärt hätte. Und ich wurde ungeduldig und setzte mich (manchmal) durch. Danach waren meine Kids und/oder ich fix und fertig, und von einem friedlichen Tagesausklang konnte nicht die Rede sein. Dabei war ich selbst auch nicht immer mit dem Pensum der Hausaufgaben einverstanden.

Wie oben angedeutet, sehe ich ein hohes Pensum an Hausaufgaben in der Grundschule sehr kritisch. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass manche Lehrer sehr erstaunt sind, wenn wir von den Schwierigkeiten bei den Hausis berichten. So geben einige Lehrer mittlerweile vor, dass man z.B. mit den Rechenaufgaben nach einer Viertelstunde aufhören soll. Es geht ja schließlich bei den Hausaufgaben darum, den Unterrichtsstoff zu verfestigen. Insgesamt sollten Hausaufgaben in der Grundschule maximal 30 bis 45 Minuten dauern. Und die Kinder sollten in der Lage sein, diese alleine ohne Hilfe zu bewältigen.

Wenn ein Kind etwas nicht versteht oder blockiert ist, hat es überhaupt keinen Sinn, wenn es dazu gezwungen wird, diese „fleißig“ fertigzustellen. Letztendlich ist es sogar für das Kind schädlich, wenn die Hausis immer vollkommen sind, es aber wenig davon versteht. Nur wenn Lehrer sehen, wo die Schwachstellen sind, können sie im Unterricht darauf eingehen.

Was aber können wir tun, damit die Hausaufgaben möglichst reibungslos vonstatten gehen?

  • Den richtigen Zeitpunkt wählen: Ist Dein Kind gerade müde oder ausgepowert? Dann lieber einen Moment warten und für Ausgleich sorgen, d.h. Ruhe oder Bewegung. Oder ist es richtig gut im Fluß? Dann ist es sinnvoll, nur eine kleine Pause zu machen und die Hausaufgaben gleich durchzuziehen.
  • Eine gute Atmosphäre schaffen, dazu gehören wenig Ablenkung d.h. sind Arbeitsplatz und die unmittelbare Umgebung relativ reizarm?
  • Ruhe
  • Als Ansprechpartner*in zur Verfügung stehen für Erklärungen bei Nichtverstehen.
  • Einen Zeitrahmen vorher festlegen.
  • Kleinere Pausen machen, zwischendurch etwas trinken oder mal um die Ecken rennen lassen.
  • Kinder wählen lassen, mit was sie beginnen möchten; es empfiehlt sich, die einfachen Aufgaben zuerst zu machen, dann sind sie aus dem Kreuz.
  • Bei Blockaden, Konzentrationsschwierigkeiten, Nichtverstehen … mit den Lehrern Kontakt (Mitteilungsheft) aufnehmen, die Situation schildern, Lehrer mit ins Boot holen.
  • Den Kindern die Verantwortung für Ihr Tun zurückgeben. Wenn Sie bei den Hausaufgaben schummeln oder schwindeln, sind sie für die Konsequenzen verantwortlich, d.h. evtl. schlechte Noten oder Ärger mit dem/der Lehrer*in.
  • Du solltest als Mutter oder Vater informiert sein, was in der Schule läuft. Führe Dein Kind langsam dazu, dass es selbständig seine Hausaufgaben bewältigt. Halte es an, die Aufgabenstellung genau zu lesen. Gehe nicht in Vorleistung, indem Du alles erklärst, damit es schneller geht. Damit würdest Du Deinem Kind eine wichtige Lernerfahrung nehmen.
  • Überprüfe Deine innere Einstellung. Findest Du Hausis doof? Dann kommt das garantiert beim Kind an und raubt ihm die Lust.
  • Versuche, Deinen Perfektionismus im Zaun zu halten.
  • Lobe Dein Kind! Mit positiver Bestärkung für das was es kann, kann es auch schwierigere Aufgaben leichter bewältigen.
  • Lockere die Atmosphäre ein wenig auf, vielleicht mit einem Spaß, einer Umarmung.

Aber kennst Du ihn auch, den inneren Druck, der entsteht, wenn Dein Kind einfach nicht mehr will oder kann? Wir wollen ja schließlich nur das Beste für unser Kind. Wenn wir aber unseren Druck dann weitergeben, entsteht Stress beim Kind. Stress besteht aus einem Gefühls-Mix, z.B. Hilflosigkeit, Ohnmacht, Traurigkeit, sich ungeliebt fühlen, Wut, Trotz … Es kann zu Glaubenssätzen beim Kind kommen: „Ich bin nichts wert.“ „Nur wenn ich funktioniere, werde ich geliebt.“ „Ich bin schlecht.“ „Ich bin nicht brav.“ „Ich kann nicht … (malen, lesen, rechnen).“ Diese Glaubenssätze können Menschen mitunter ihr ganzes Leben begleiten und sie danach leben lassen. Und: Streß verhindert Lernen.

Daher bitte ich Dich als Mutter oder Vater: Vertraue Deinem Kind, das hilft dem Kind, sich selbst zu vertrauen. Stehe zu ihm. Verteidige es in der Schule. Rede mit den Lehrern, wenn das Pensum zu schnell, zu viel, zu schwer erscheint. Jedes Kind hat unterschiedliche Begabungen. Fördere die Begabungen. Wo steht geschrieben, dass Lesen und Schreiben wichtiger sind als Malen, Musik oder Sport? Eine gute Beziehung zu Deinem Kind in Liebe und Vertrauen hilft ihm, in seine Stärke zu kommen und seinen eigenen Weg zu gehen. Und: Vergiss Deinen Humor nicht :-).

PS: Es gibt übrigens eine Seite des hessischen Kultusministeriums, bei der alle Punkte des Schulrechts alphabetisch aufgeführt sind: https://kultusministerium.hessen.de/schulsystem/schulrecht/schulrecht-nach-stichworten

Bild: Monika Rauch