
Samhain markiert in der Nacht auf den 1. November den Beginn der dunklen Jahreszeit und den Abschluss der Erntezeit. Samhain ist ein Mondfest und fällt eigentlich auf Dunkelmond-Neumond rund um den Novemberanfang. Der Neumond ist hier wichtig, da das neue Jahr in der Dunkelheit anfängt. Das Wort Samhain beinhaltet den Wortstamm „sam“, was auf das Sammeln der Vögel für den Flug in Richtung Süden hinweisen könnte. Ebenso weist es auf das Versammeln/Zurückziehen nach innen/ins Haus. Das Wort könnte man auch mit „Vereinigung“ (nämlich der Lebenden mit den Toten) übersetzen. In der keltischen Überlieferung sind die Tage um Samhain den Ahnen und der Ungeborenen gewidmet. In christlich geprägten Gesellschaften gedenkt man ebenso im November der Toten, z.B. am 1. „Allerheiligen/Allerseelen“, am 2. „El dia del muertos“ in Mexiko oder am 24. „Ewigkeitssonntag“. Am 31. Oktober feiert die evangelische Kirche den Reformationstag. Da geht es um die Erneuerung der alten Kirchenstruktur, die Martin Luther mit dem Anschlag seiner 95 Thesen angestoßen hat. Und auch das Thema Erneuerung passt wunderbar in diese Zeit.

Es heißt, an diesen Tagen seien die Schleier zur Anderswelt besonders dünn, so dass unser Gedenken und Wünschen besser ankommt. Aber auch die guten und bösen Geister, Feen und Trolle können leichter ihr Unwesen treiben. Daher entzündeten unsere Vorfahren große Feuer, die von den Druiden gesegnet wurden. Von den Feuern konnte sich jeder etwas der Glut mit in seine Heimstatt nehmen um sicherer zu sein. Auch sollen Verkleidungen, Weissagungen und Opfergaben zu den alten Traditionen gehört haben.

In Halloween findet das Fest seine moderne Fortsetzung. Kinder vertreiben sich den Herbsttag mit der Forderung nach Süßem, sonst gibt es „Saures“ – mit den Süßigkeiten können sie sich einen Vorrat für die dunkle Jahreszeit anlegen.
Wie können wir diese mystische Zeit für uns nutzen?

Zunächst können wir unserer Vorfahren gedenken, und uns im Stillen bei Ihnen bedanken oder versuchen unseren Frieden mit Ihnen zu schließen, wenn es Streit gab.
Ich sitze gerne draußen und entfache ein kleines Feuer oder zünde eine Kerze an. Ich lasse das Jahr Revue passieren und überlege mir, was ich gerne ändern möchte und welche Ziele ich mir für die Zukunft stecke. Das, was ich in diesem Jahr erreicht, erfahren und gelernt habe, würdige ich, indem ich mich dafür bedanke.

Schön ist es auch, kleine Zettel zu schreiben mit Wünschen oder mit dem, was man loslassen möchte. Wenn man die Zettel verbrennt, kann die Wirkung sehr befreiend sein.

Es ist Zeit, Frieden zu schließen mit der Vergangenheit und zu verzeihen. Das Alte hat so keine Macht mehr über uns und wir können uns getrost in unser Sein zurückziehen – wie die Pflanzen, die Ihre Kraft jetzt in die Wurzeln stecken.

Unsere Ahnen sind unsere Wurzeln, denn sie haben uns geprägt, d.h. ihre Gene an uns weitergegeben und manche haben uns auch ein Stück auf unserem Weg begleitet. Wenn wir Ihrer gedenken, würdigen wir gleichzeitig auch unsere Geschichte.
Samhain läutet nicht nur die dunkle Zeit ein, das Fest mahnt uns, wachsam zu sein und im übertragenen Sinn die alten Geister ziehen zu lassen.
Selbstbemächtigung = die dunkle Jahreszeit als Chance sehen
Bilder: Pixabay, herzlichen Dank!

