Kreativer Küchenkram

An manchen Tagen überkommt mich ein ungeheurer Schaffensdrang. Ich bereite zum Beispiel einen Brotteig vor und dabei sehe ich alles Mögliche in der Küche rumstehen. Oder ich denke mir, dass heute ein guter Tag ist, um meine Kräuter zu verarbeiten.

Vor meinem geistigen Auge entsteht ein Plan (den ich manchmal aus den Augen verliere). Ich starte und dann kommt eins zum anderen. Zwischendurch räume ich auf und spüle, damit ich den Überblick behalte.

Am Wochenende wird Brot gebacken. Zunächst wird der Sauerteig vorbereitet. Und am nächsten Tag gebacken.
Dann sehe ich die sehr reifen Bananen. Was hab‘ ich noch so alles im Vorratsschrank? Ok, ich backe ein Bananenbrot. Dabei kann ich auch die sau-bittere Schokolade verwursteln.
Bananen- und Eierschalen sind gute Gartendünger. Deshalb werden sie getrocknet und anschließend im Hochbeet verteilt.
Apropos Schalen … bei uns gibt es öfter frischen (Bio-) Orangensaft. Die Schalen kann man ebenfalls trockenen und weiterverarbeiten.
Zum Beispiel kann man einen warmen Ölauszug machen. Das Orangenöl duftete herrlich, man könnte es zum Kochen oder im Salat verwenden, theoretisch. Ich verrate Euch nicht, dass mir der Glasboden im Wasserbad gekracht ist und ich die ganze Suppe entsorgen musste.
Mit dem Schalenabrieb mixe ich einen Orangenzucker. Ich trockne ihn im Ofen und habe jetzt ein paar schöne Weihnachtsgeschenke.
Da fällt mir ein: Wenn ich schon am Mixen bin und die Reibe auch im Gebrauch ist, stelle ich noch eben ein Salz mit Rosmarin und (Bio-) Zitronenabrieb her. Wieder ein paar Geschenke.
Tomate frito: Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer anbraten und mit einem Telöffel Honig karamelisieren. Paprika und Chillies mit anbraten, Tomaten und Lorbeerblätter dazugeben. Einkochen lassen, salzen. Alles durch ein Sieb (flotte Lotte) passieren. Weiterverwenden oder heiß ins Schraubglas füllen. Hält lange.
Eigentlich hatte ich zwei Tage rumgewerkelt und keine Lust mehr … Die Tomaten waren wirklich überreif. Ok, da gibt es doch diese leckere spanische Tomatensoße ‚Tomate Frita‘. Dank Google fand ich ein passendes Rezept. Nachdem die Soße fertig war, verwandelte ich sie gleich in eine cremige Tomatensuppe. Ein kleines Gläschen der gebratenen Tomate konnte ich geradeso retten.

Habe ich Zeit für diese Küchenaktionen, verarbeite ich so ziemlich alles, was mir zwischen die Finger kommt. Die Kerne der Orangen präparierte ich übrigens zum Keimen. Ich möchte ein paar Orangenbäumchen ziehen. Davon berichte ich extra.

Ich liebe Kochrezepte! Einiges übernehme ich, und einiges wird abgewandelt. Mit der Küchenwaage arbeite ich eher selten. So wird jedes Gericht etwas anders, aber immer mit meiner unvergleichlichen ‚Moni-Note‘. Manchmal geht was schief, ich muss z.B. beim Salzen vorsichtiger werden. Ich probiere und mache meine Erfahrungen. Aus Fehlern lerne ich, das ist ja der Sinn von Fehlern.

Kürzlich sprach mich ein Arbeitskollege an, ich solle doch auch mal an mich denken, z.B. einen Schönheitstag einlegen, mit Haarkur, Gesichtsmaske, Gurken auf den Auge usw. Aber mal ehrlich, so was mache ich im Schnelldurchlauf. Darin finde ich keine Befriedigung.

Mit diesen Wurschtelaktionen komme ich so richtig in Fahrt, auch wenn mir manchmal die Zeit wegrennt. Mich erdet diese Arbeit und ich bin im Flow. Hinterher bin ich k.o., aber glücklich. Ich war kreativ und habe etwas geschaffen.

Selbstbemächtigung

Kreativküche

An freien Tagen ist die Küche mein Revier. Ich liebe es, zu schnippeln, brutzeln und zu backen. Aus den Kräutern und Blüten stelle ich Ölauszüge und Tinkturen her. Oder bereite eine Salbe vor.

Ölauszüge: Kräuter werden langsam bis maximal 70°C in Olivenöl erwärmt und noch ein paar Tage ziehen gelassen. Bei Ölauszügen werden die fettlöslichen Bestandteile der Pflanze ausgezogen, dann abgeseiht. Tinkturen: Weiche Kräuter werden mit ca. 40%igen Alkohol im Schraubglas angesetzt und über 4-6 Wochen ausgezogen, dann abgeseiht. Bei Tinkturen werden die wasserlöslichen Bestandteile aus der Pflanze gezogen.
Natron oder Bittersalz feinmörsern und die getrockneten Löwenzahnblüten dazugeben und so lange zerstoßen, bis alles pulverisiert ist. Später wird es ins warme Cremegemisch eingerührt – ergibt eine Creme gegen rissige Hände.
Beim Brot nehme ich gerne eine Mischung aus verschiedenen Vollkornmehlen, Wasser, Salz und Sauerteig. Seinen guten Geschmack erhält das Brot vom liebevollen Falten, von Wärme und von Kälte und natürlich den Zutaten. Ein gutes Brot braucht einen ganzen Tag.
Für unser Familienessen gibt’s ein ofenwarmes Brot mit Butter, Salat aus Spitzkohlstreifen, Romana und einer Dressing mit Creme fraiche. Dazu Ofen-Paprika-Gemüse mit Olivenöl und Fleur de Sel. 😋 Und weils ein besonderer Tag ist, werden Lammspieße vom Grill serviert.

Angeregt durch meine Kräuterfrau-Ausbildung, laufe ich mit offenen Augen durch die Natur und sammele Kräuter, Blüten und Blätter von verschiedenen Bäumen. Meist trockne ich ich erstmal meine Beute und verarbeite sie an diesen besonderen Tagen.

Wenn’s ums Kochen und Backen geht, hab‘ ich meistens verschiedenen Mehl- und Gemüsesorten und andere Zutaten vorrätig. So kann ich nach neuen Rezepten schauen oder mir selbst was ausdenken.

Ich liebe diese Tage. Ich starte erst, wenn die Küche „ordentlich“ ist. Zwischendurch spüle ich, so dass meine Männer keine Krise bekommen, wenn sie nach der Mahlzeit aufräumen dürfen. 🙄

Selbstbemächtigung