Von Mittertal zur Berger Alm

Unser letzter Urlaubstag (und mein Geburtstag) zeigte sich von seiner schönsten Seite: Nach vielen Regenstunden klarte es auf und wir konnten am frühen Mittag losmaschieren. In der Natur der Berge liegt es, dass man hoch- und runterlaufen muss – dafür gibt es hinter jeder Biegung einen neuen Ausblick und das ist einfach nur schön. Zudem fühle ich mich in den Bergen sicher und fest verbunden mit Mutter Erde.

Die Natur, die sich im Herbst langsam zurückzieht, hat ihre Wirkung auf mich; ich bin jetzt 60 Jahre alt und ich merke das körperlich schon. Hier fühle ich mich der Natur sehr nahe und merke, wie sehr mich der Alltag zu Hause immer mehr entfremdet von der Natur und von mir. In unserem Urlaub konnte ich mich mit Energie aufladen und weiß, dass ich einiges in meiner Lebensführung ändern muss, um körperlich, geistig und seelisch zu gesunden. Ich habe einen Plan im Herzen und hoffe, dass ich ihn auch einhalten kann. Vielleicht schreibe ich irgendwann einen Blog darüber.

Selbstbemächtigung = Energie tanken für neue Vorhaben

Nach Niedertal zur Hofstätter Alm

Zwei Tage nach unserer letzten Wanderung verlangte unser schon fast gestählter Körper nach Sauerstoff und Bewegung. Also ging es diesmal von Mittertal nach Niedertal, um dann hoch zur Hofstätter Alm zu laufen. Ich muss sagen: Wir kamen gut voran, wesentlich besser als bei unserer letzten Wanderung. Allerdings schnauften wir auf dem Weg hoch zur Alm doch ganz gehörig. Das klappbare Sauerstoffzelt kam aber wesentlich seltener zum Einsatz. Wir freuten uns auf die leckeren Schmankerl, die die Hütte bereithält und natürlich lechzten wir nach einem kühlen Almbier.

Antholz lebt vom Tourismus, der Land- und der Holzwirtschaft. Die Stromversorgung im Antholzer Tal ist autark, d.h. die Wasserkraft des Rios Anterselva wird für die Stromerzeugung genutzt. Man benötigt keinen Strom von außen.

Leider war die Alm geschlossen. Zum Mittagssnack gibt’s halt Gummibärchen mit Sprudelwasser – wir haben es verkraftet. Und sind dann munter runter maschiert. Die letzten Kilometer nach Mittertal fuhren wir mit dem Bus. Bei der Wanderung sind wir 16.000 Schritte gelaufen und haben insgesamt ca. 400 Höhenmeter überwunden. Für die Südtiroler ein Spaziergang …

An der Haltestelle unterhielt ich mich mit einer netten älteren Dorfbewohnerin – ich strengte mich mächtig an, den Dialekt zu verstehen. Sie erzählte mir, dass sie jetzt zum Seniorentreff führe, dort gäbe es „Törggelen“. „Sie wisset doch, was Törggelen sind?“ Ich schaute wohl etwas belämmert, dass ich das Wort erst nach drei Wiederholungen Ihrerseits verstand, aber ich wusste immer noch nix damit anzufangen. Ich meinte höflich, dass ich leichte Schwierigkeiten mit dem Dialekt hätte. Sie erwiderte, dass sie doch hochdeutsch spräche. Ok, ich spreche auch hochdeutsch allerdings hessisches, gelle? Die Dame war hart im Nehmen – trotz meines begriffstutzigen Gesichtsausdruckes erzählte sie einfach weiter. Was ich herausgefunden habe: Jetzt ist Maronen (=Törggelen)- bzw. Esskastanienzeit. Besonders dort, wo die Bäume stehen, wird zur Erntezeit gefeiert mit Schlachtessen und den süßen Herzteilchen aus Maronenbrei. Und stellt Euch vor, was wir in der Mittertaler Bäckerei sahen und bestellen mussten: die süßen Maronenherzen!

Rezept: Die Törggelen werden gekocht und aus der Schale gequetscht. Die Masse wird mit etwas Süße und Sahne vermixt, in eine Herzform gepresst und kühlgestellt. Danach kommt ein Schokoguss drüber und etwas Schlagsahne zur Verzierung – sehr lecker, ein halbes Stück hat aber gereicht.

Selbstbemächtigung = Laufen trotz schnaufen und sich zwischendurch mit Törggelen-Herzen versorgen