Wilde Früchte und Kräuter sind klein, manchmal dornig, giftig, oft sauer oder bitter und manchmal wohlschmeckend und betörend. Sie haben viel zu bieten: Vitalstoffe und Ursprünglichkeit. Die wilde Natur schenkt uns und unserer Umgebung Gesundheit.
Schneeball, Hollunder, Feuerdorn, Hagebutte
Wilde Pflanzen haben so einiges, was wir unseren Kulturpflanzen weggezüchtet haben: Bitterstoffe fördern eine gesunde Darmtätigkeit. Sie machen das Essen verträglicher, fördern den Speichelfluss und die Sekretion von Verdauungssäften. Pflanzenfarbstoffe, z.B. das Chlorophyll bei grünen Pflanzen, sind für die Photosynthese, also für die Sauerstoffproduktion verantwortlich. Die Wirkung ist reinigend, entgiftend, antioxidantisch und die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff. Alkaloide/Gifte schützen Pflanzen vor Fraßfeinden und Schädlingen. Gifte sind nicht immer tödlich, z.B. wirkt das Digitalis vom Fingerhut in einer geringen Konzentration bei Herzproblemen. Die Dosis macht das Gift. Dornen und Stacheln schützen Pflanzen vor Fraßfeinden und bieten gleichzeitig anderen Tieren und Pflanzen Schutz. Daher werden Dornenhecken gerne für die Umweidung genutzt. Schleimstoffe kühlen, lindern und schützen bei Entzündungsprozessen z.B. im Mund und Darm.
Es gibt noch viele andere Stoffe, z.B. Gerb-, Duftstoffe und Pflanzenhormone, reinigende Pflanzen, die Boden, Luft und Wasser von Schadstoffen befreien.
Pflanzen wirken im Ganzen, ihre Stoffe spielen ausgeklügelt zusammen. Pflanzen haben Ihre „Schwerpunkte“, daher wachsen sie genau dort, wo sie gebraucht werden.
Leinkraut (Löwenmäulchen, Johanniskraut, Mirabellen, Jakob-Greiskraut) GelbfarbenenPflanzenfarbstoffe/Carotinoide sind für die Orange- und Gelbfärbung verantwortlich. Sie stimulieren Immunsystem, Verdauung und Stoffwechsel und sind krebsvorbeugend.
Wann lassen wir unsere Wildheit heraus? Wenn wir die komplexe Natur betrachten, dann stellen sich irgendwann zwangsläufig Fragen.
Wann verlassen wir die Äußerlichkeiten und Konventionen, die uns verhindern? Haben wir alles weggezüchtet, was uns nicht „schmeckt“?Wann sind wir wohlschmeckend, wann bitter, dornig, schleimig oder giftig? Stehen wir auf unserem „richtigen“ Platz und wirken?
Sie ziehen bereits 4 bis 6 Wochen aus, meine Kräutlein. Täglich werden sie geschüttelt, damit sich die Wirkstoffe herauslösen. Als Trägerstoff verwende ich Olivenöl und Wodka. Sobald Zeit ist, werde ich sie absieben und weiterverarbeiten. Die Ölauszüge dienen als Grundlage für Cremes und Salben und die Alkoholauszüge als Tinktur, die noch weiterverarbeitet werden kann, z.B. in Cremes und für Umschläge oder als Zugabe zum Tee.
Das sind die Pflanzen: Meerrettichblätter, Wiesenlabkraut, Ringelblumenblüten, Kamilleblüten, Holunderblüten, Spitzwegerichblätter, Tannenspitzen mit Wacholder (Franzbrandwein).
Liebe und Geduld brauchst Du, wenn Du mit Kräutern arbeitest. Laufen, entdecken, ernten, verarbeiten. Gläser, Tigel, Pipetten, Öl, Wodka, Bienenwachs, Emulgatoren … besorgen, abwiegen und abwägen, erwärmen, rühren, abfüllen.
Es sind viele kleine Schritte, bis das „Endprodukt“ endlich fertig ist.
Wenn Du mit Hingabe und Dankbarkeit Deine Arbeit verrichtest, erfährst Du schon beim Tun innere Heilung. So wirken bei mir die Kräuter, bevor ich sie äußerlich angewendet habe.
Aus unterschiedlichen Kräutern kann man ein ein hochdosiertes Mazerat bereiten: Ringelblumen, Kamille, Salbei, Malve, Minze, Melisse, Schafgarbe, Ingwer werden mit kochendem Wasser übergossen und 15 Minuten ziehen gelassen. Hochdosiert bedeutet in meinem Fall, dass ich ungefähr das doppelte an frischen Kräuter in einen Papierteebeutel stopfte als üblich. (Fragt mich nicht nach Mengen, das geht so aus der Hand heraus). Den Aufguss und die Kräuter verwandte ich unterschiedlich:
1. als Tee 2. als Mundwasser: ein Teil des Aufgusses wurde mit Spitzwegerichtinktur versetzt (hilft gut bei Zahnfleisch- und Zahnentzündungen) 3. als Duftsträußchen fürs Wohlbefinden 4. zur Hautberuhigung: mit dem warmen Teebeutel tupfte ich Gesicht und Dekolleté ab und 5. Die Reste wurden zum Düngen im Kräuterbeet verteilt – ja, manchmal übertreibe ich etwas 😊.
Nachtrag: Von der Mischung trank ich zwei Kannen Tee über den Tag verteilt. Normalerweise brauche ich nicht viel Schlaf. Aber am Nachmittag war ich mit einer Unterbrechung insgesamt drei Stunden im Tiefschlaf. Nach dem „Tatort“ fiel ich dann wieder total erschöpft ins Bett und schlief bis zum Weckerklingeln tief und fest mit intensiven Träumen. Ich denke, das lag hauptsächlich am Tee aus frischen Kräutern. Daher schaue ich mir diese mal ganz genau auf deren beruhigenden Wirkweise hin an:
Ingwer: entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, schmerzlindernd, krampflösend, beruhigend, belebend, kurbelt den Stoffwechsel an. Wirkt bei Magenbeschwerden, Reisekrankheit, Erkältungen, Kopfschmerzen, Rheuma, Arteriosklerose. Trägt zur seelischen Gesundheit bei, hilft Blockaden abzubauen, lässt die Lebensenergie fließen.Kamille: entzündungshemmend krampflösend, beruhigend auf den Magen, ausgleichend.Malve: schleimlösend, adstringierend, entzündungshemmend. Die Schleimstoffe der Malve helfen vor allem bei Erkältungskrankheiten und Magen/Darmbeschwerden. Die Schleimstoffe ummanteln sozusagen die gereizten Stellen im Körper und lassen sie so heilen. Vielleicht tun sie das auch bei einer gereizten Psyche?Pfefferminze: krampflösend, gallenflussfördernd, antimikrobiell, antiviral und harntreibend. Wirkt beruhigend bei Spannungskopfschmerzen und Migräne sowie bei Erkältungskrankheiten, Schnupfen und bei Muskel- und Nervenschmerzen, Reizdarm und Magenverstimmungen. Minze beruhigt und belebt und hat eine kühlende Wirkung. Der Hauptwirkstoff ist Menthol.Ringelblumen: antibakteriell, desinfizierend, heilend, beruhigend, krampflösend.Salbei: bakteriostatisch, fungistatisch,virustatisch, adstringierend, entzündungshemmend, antioxidativ, schweißhemmend, blutstillend. Salbei stärkt das Nervensystem, mildert Stress und löst Verkrampfungen. Er verhilft zu Ausgeglichenheit und Entspannung und behebt chronische Ermüdungserscheinungen.Schafgarbe: Durch ihre entkrampfenden Eigenschaften hat sie eine beruhigende Wirkung und kann, durch die Durchblutungsförderung gleichzeitig aber auch anregend wirken. Zudem hat Schafgarbe Einfluss auf die Seele. Sie beruhigt und hilft Ungleichgewicht zu beseitigen.Zitronenmelisse: krampflösend und hilft bei Magen-Darm- und Menstruationsbeschwerden. Sie verringert die Auswirkungen von chronischem Stress wie Ängstlichkeit, Anspannung und Schlaflosigkeit. Die beruhigende Wirkung beruht auf der vermehrten Bildung des Neurotransmitters GABA im Gehirn, welches die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn senkt. Seine hemmende und beruhigende Wirkung auf die Synapsen im Gehirn sorgt dafür, dass Stress- und Angst-Signale nur noch abgeschwächt verarbeitet werden. Gaba in konzentrierter Form ist tatsächlich ein Bestandteil von KO-Tropfen. Und die sorgen wiederum für Knockouts und Willenlosigkeit.
Fast alle wilden Kräuter besitzen beruhigende Eigenschaften. Jede Pflanze hat einen eigenen Wirkstoffkomplex. In meinem Fall hat wahrscheinlich die Zitronenmelisse in Kombination mit den anderen Kräutern für die Müdigkeit und den tiefen Schlaf gesorgt. Zudem haben die Pflanzen jetzt im Frühling ihre höchste Heilkraft und frisch zubereitet sowieso.
Ich hatte die Tage abends einen ähnlichen Tee bereitet und habe daraufhin so tief wie selten geschlafen.
Bei der Zubereitung von Tees, Salben, Mundwasser etc. mit frischen Kräutern ist die Dosierung genauso wichtig wie bei anderen Medikamenten. So einen Schlaftee z.B. kann man als Kur gerne verwenden. Ich rate davon ab, diese Drogen täglich innerlich zu konsumieren.
Selbstbemächtigung bedeutet hier das sorgsame Abwägen, welche Substanzen wir für uns wählen. Was tut gut? Was ist zuviel? Was hilft? Wo ist’s zuviel? Was sollten wir lassen?
Fotos: Monika Rauch und Pixabay – herzlichen Dank!
Bäume vermitteln uns, allein durch ihre Präsenz, Ruhe, Kraft und Frieden. Wenn Ihr Euch traut, einen Baum zu umarmen, könnt Ihr seinen langsamen Puls spüren und ja, Euch sogar beruhigen lassen. Wir kennen und lieben die süßen Baumfrüchte wie Äpfel, Pflaumen, Kirschen.
Aber auch Blätter, Blüten und Rinden haben große Heilkräfte. Bitte schaut Euch die Bäume genau an und informiert Euch, wozu Ihr was verwenden könnt. In manchen Bäumen stecken nämlich auch giftige Substanzen. Also: sehr umsichtig sammeln!
Bei uns findet man hauptsächlich die Silber- und die Korbweide. Weiden wachsen gerne an Bachläufen und auf Feuchtwiesen.
Ich habe Weidenzweige, Blätter und Kätzchen getrocknet und klein geschnippelt. Hauptsächlich ist in der Rinde, neben Gerbstoffen, Salicin enthalten, was im Körper in Salicylsäure umgewandelt wird. Das ist der Bestandteil von Aspirin und wirkt gegen Fieber und Schmerzen. Als Mazerat kalt ansetzen und später länger köcheln lassen. Als Tee trinken oder Umschläge daraus machen. Nur bei Beschwerden anwenden, nicht als Wellnessmittel.
Konntet Ihr bereits Erfahrungen mit der Heilkraft der Weide sammeln?
Kürzlich hatte ich mein erstes Modul zur Kräuter-Fach-Hexe. Es ist einfach unglaublich, welche Vielfalt die Natur bereit hält. Es gibt so viele Heilpflanzen und Kräutchen, die man essen kann. Doch bitte nur die bekannten Kräuter pflücken und verarbeiten. Es besteht häufig Verwechslungsgefahr mit Giftpflanzen. Beim Sammeln immer nur ein wenig pflücken und einen Rest stehen lassen für den Fortbestand. Nicht an Acker- oder Straßenrändern sammeln (sonst 🤢).
Hier eine kleine Übersicht der Pflanzen, die ich auf Wiesen in der Wetterau fand. (Ich gestalte gerade eine Kräuterseite. Da werden die Pflanzen genauer erklärt.):
oder Riesenbärenklau?
Im Kräuterkurs stellen wir u.a. Cremes, Mazerate, Salben und Tinkturen her. Wenn ich unterwegs bin, sammele ich zunächst Fotos und recherchiere mittels einer Bestimmungs-App.
Selbstbemächtigung bedeutet für mich, mit Neugier und Dankbarkeit die Vielfalt der Natur zu erforschen, meinen Nutzen daraus zu ziehen und mit anderen zu teilen.