Mein Kräuterjahr 2024

Eigentlich wollte ich nur mal schnell auf ein paar nützliche Kräutlein hinweisen.  Uneigentlich ist mittlerweile ein Jahr vergangen und daher wird’s Zeit, den Blog zu veröffentlichen. Ich war viel unterwegs und habe daher nach Jahreszeiten, Regionen,  Kochrezepten und Heilsamen unterschieden:

Hinterwinter und Vorvorfrühling

Haselkätzchen liefern erste Pollen-Nahrung für Bienen und Insekten. Wir können uns ebenso bedienen. Denn aus den Kätzchen lässt sich z.B. ein Frühjahrs-Kur-Tee bereiten, der den Stoffwechsel in Gang bringt. Bitte achtsam pflücken, um den Lebewesen nicht die Nahrung zu stehlen. Auch die Gänseblümchen liefern erste Vitamine als erstes Grün im Essen oder als Tee.  Zwiebelblüher und Winterjasmin erfreuen das Herz.

Frühling und Sommer

Wachstumswetter! In 2024 war es nicht zu heiß und trocken – das sind ideale Bedingungen für unsere Wildkräuter. Sie gedeihen üppig und vertreiben mit ihren Vitaminen, Bitter- und Mineralstoffen den Winter aus den Knochen. Ich richtete mein Augenmerk auf die saftigen jungen Pflanzen, die man auch verspeisen kann. Nebenbei sammelte ich auch Pflänzchen zum Verarbeiten.

Für die Weiterverarbeitung von Kräutern sollten nur junge, zarte und unbeschadete Blätter verwendet werden.

Heilsames mit Kräutern im Frühjahr

Oxymel mit Löwenzahn und frischen Fichtenspitzen

Löwenzahnblüten und die jungen Triebe der Fichte werden kleingeschnitten und mit Essig und Honig (1:3) zu einem Oxymel verarbeitet. Das steht jetzt zum Ausziehen für mindestens eine Woche im Kühlschrank. Es kann als Elexier zur Stärkung und gegen Erkältungen eingenommen werden oder als  Bestandteil eines Salatdressings.

Löwenzahnwürze

Gewürzmischung aus getrockneten Löwenzahnblüten mit Salz und Pfeffer – alles fein gemörsert. Passt gut zu Fleisch, Fisch, Gemüse mit feiner Bitternote.

Improvisieren mit Kräutern

Während meiner sechswöchigen Reha am Starnberger See sammelte und trocknete ich eine Menge an Kräutern. Als Erinnerung  konnte ich mir ein großes Glas  „Voralpentee“ mit nach Hause nehmen.

Für die Spitzwegerichtinktur gegen Mückenstiche stibitzte ich etwas Essig aus dem Speisesaal. Die Behältnisse kaufte ich günstig im nahegelegenen Kik.
Die antivirale kleine Braunelle ließ ich in Öl ausziehen, das Öl ist in Kombiation mit Teebaumöl ein hervorragendes Heilmittel gegen Herpes.

Kochen mit Wildkräutern

Am besten schmecken die Kräuter im Frühling,  wenn sie noch weich und klein sind. Später im Jahr muss man schauen, ob sie nicht zu  trocken oder bitter sind.

Salat

Wildkräuter sortieren, reinigen und klein schneiden, hier sind es u.a.: junger Spinat (aus dem Garten), Brennnesseln, Schafgarbe, Nelkenwurz, Portulak
Einen Teil der Wildkräuter friere ich in Schraubgläsern ein.

Gemüse

Pastinaken und wilder Meerrettich – da musste ich gleich mal graben und hab‘ mir dabei mein Schippchen verbogen. Wurzeln soll man nur in den Monaten ausgraben, die ein „R“ im Wort haben. Für den Meerrettich war es schon zu spät – er war so faserig, dass ich ihn an den Kompost verfüttert habe.
Möhrenstampf: Möhren, Kartoffeln, Lauch, Zwiebeln, wilde Pastinaken, Petersilie werden angebraten und mit etwas Wasser geköchelt, gestampft  mit selbstgemachter Gemüsebrühe abgeschmeckt – himmlisch! Dazu kann man vegane Bratlinge oder Bratwürste essen.

Grüne Soße

Grüne Soße: Wildkräuter fein klein schneiden, mit Quark, Sahne, Joghurt, Senf, Salz, Pfeffer verrühren. Dazu passen Eier und Salzkartoffeln. Ich schnippele die Eier in die Soße. Mehr über grüne Soße steht hier: https://monika-rauch.com/2021/09/16/gruene-sosse/
Wildkräuter und alles,  was sonst der Kühlschrank hergibt

Bärlauchpesto

Bärlauch zerkleinern und mit Olivenöl pürieren, dazu kommen etwas Salz, Nüsse und/oder Samen und italienischen Hartkäse. Die Masse wird in ein Glas gefüllt und mit Öl bedeckt. Hält einige Wochen im Kühlschrank und passt zu Pasta, Fleisch, Fisch …

Wichtiger Hinweis: Um Vergiftungen zu vermeiden,  bitte nur pflücken und konsumieren, was man zu 100 % kennt.

Quer durch Deutschland

Wir waren viel unterwegs und es ist spannend, welche regionalen Unterschiede es gibt. Das liegt an der Bodenbeschaffenheit (lehmig, sandig, mit Ton ohne …), dem Klima, der Höhe und der Umweltfaktoren. Auffälig ist, dass belastete Böden sich mittels Kräutern regenerieren können. Es gibt Kräuter, die besondere „Reinigungsfunktionen“ haben. Z.B. sind Binsen wasserreinigend. Es gibt viele Kräuter, die in unserem gesamten europäischen Raum zu finden sind in unterschiedlichen Ausprägungen.

Rhön in Hessen und Thüringen

Diese Pflänzchen entdeckte ich in der thüringischen Rhön – hier gibt es eine  größere Vielfalt als bei uns im Rhein-Main-Gebiet.
Im Schwarzen Moor in der Rhön ist – bedingt durch den sauren Boden und dem rauen Klima – das Wachstum sehr beschränkt.

Alpen/Allgäu/Oberbayern

Bei unserer Kurztour durch die Berge fand ich diese Pflänzchen.
Diese Pflänzchen fand ich im Allgäu.

Herbst und Winter = ernten + verarbeiten

Kräuter aufbewahren

Der Lavendel wird in dekorative Bündel gebunden. Blätter und lose Samen werden in Schraubgläser gefüllt. 
Getrocknete Kräuter werden von den Stengeln gestreift, gerebelt und in Gläser gefüllt. Im Oxymel werden Kräuter zu ca. 1/4, Essig zu 1/4 und Honig zu 2/4 ausgezogen. Ich habe hier Tannenspitzen vom Frühjahr beigefügt. Sie wirken schleimlösend, gegen Husten und Erkältungen und stärkend.

Die Heilwirkung der Rosskastanie nutzen

Die Rosskastanie enthält so viele Saponine (Seifenstoffe),  dass man mit ihr eine „Rosskur“ machen kann. Der Name Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) verweist auf ihre heilende Wirkung. Früher wurden mit Rosskastanienextrakten Pferde gegen Husten und Würmer behandelt. Heute nutzt man ihre Heilkraft auf Blutgefäße: Sie hemmt den Austritt von Flüssigkeit aus den Gefäßen, dichtet die Gefäßwände ab und erhöht die Spannkraft der Venen. Sie kommt bei Wadenkrämpfen, ziehenden Schmerzen in den Beinen, Schwere- und Spannungsgefühlen und auch bei Hämorrhoiden zum Einsatz. Die Frucht der Rosskastanie kann zerkleinert (in einem Säckchen) als Waschmittel dienen.
Eine Tinktur aus überfahrenen Kastanien – nach dem Waschen wurden sie noch etwas mehr zerkleinert und mit Wodka angesetzt – bereits nach kurzer Zeit lösten sich die Saponine. Die Tinktur (äußerlich angewendet) hilft bei Venenleiden und schweren Beinen.
Hier habe ich u.a. eine Venensalbe mit Auszügen von Rosskastanienblüten und Pappelknospen gemacht.

Beeren, Haselnüsse und Früchte

Liköre für Weihnachten

Wildbeeren- und Nusslikör

Weißdorn und Feuerdorn habe ich mit Zucker und Wodka angesetzt. Die klein gehackten Nüsse setzte ich mit braunem Rum und Rohrzucker an. Ich habe es ca. 7 Wochen ausziehen lassen. Danach wurde es abgesiebt und in Flaschen gefüllt. Beim Likör sollten es ca. 100 g Zucker je Liter Flüssigkeit sein.

Mandarinenlikör

Hier habe ich Mandarinen mit etwas Schale und Zucker aufgekocht, abgesiebt, Wodka dazugegeben und in Flaschengefüllt. Und ich ich habe mit dem Rest vom Wodka getrocknete (gekaufte) Schwedenkräuter zu einer Tinktur angesetzt. Die hilft für gegen alles.

Wissen erweitern

Kräuter für die Seele

Mindestens zweimal im Jahr erweitere ich mein Wissen. Diesmal ging es um Kräuter für die Seele. Da war ich bei meiner Ausbilderin Hildegard Kita im Vogelsberg.

Beruhigende und sedierende Kräuter
Beruhigendes Oxymel = Auszug aus Kalifornischem Mohn, Honig und Essig
Literatur

Traditionelles Räuchern

In einem Kurs zum Ende des Jahres lernte ich einiges über das Räuchern mit Kräutern wie Beifuß und Salbei. Es geht dabei um Reinigung und Schutz.

Jahresende

In der dunklen Zeit des Jahres hab‘ ich mich zurückgezogen, Salben gekocht,  Tees gemixt und getrunken – ab und an auch ein Glas Rotwein. Kerzenlicht und Kräuter verräuchern gehörten ebenso dazu.

Und gerade beginnt der Jahresreigen von vorne … Ich bin gespannt auf das, was das neue Jahr bereit hält. Wir bekommen eine neue Regierung und werden vom amerikanischen Präsidenten gut auf die Probe gestellt. Ich versuche, mich nicht von Angst leiten zu lassen. Eher will ich schauen, welche Chancen sich ergeben – für mich und auch für unser Land. Am Ende ist es der Kreislauf der Natur vom Geborenwerden, Wachstum und Vergehen, der uns trägt.

Selbstbemächtigung = auf die Natur vertrauen

Alles Gute, Eure Monika im März 2025

Powermittel gegen Verspannungen, Augenringe und Cellulite

Salben und Öle

Ein Freund wünschte sich etwas gegen seine starken Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Also recherchierte ich, was da hilfreich sein könnte und passte es dem an, was ich im Kräuterschrank vorrätig hatte. Zudem fiel als „Nebenprodukt“ ein Öl und eine Salbe gegen müde Augen und Augenringe dabei ab.

Ölauszüge

Ich habe die Form des Warmauszuges gewählt. Dafür verwende ich ein unbelastetes, kaltgepresstes Trägeröl (z.B. Oliven-, Mandel-, Sonnenblumenöl) und Pflanzen meiner Wahl. Die Pflanzen sollten nicht zu feucht sein, damit sich kein Schimmel bilden kann. Die Pflanzen werden für 2 – 3 Stunden in ungefähr 70°C warmem Öl ausgezogen. Danach wird das Öl abgegesiebt und in dunkle Flaschen gefüllt (ich gebe noch einige Tropfen Vitamin E hinzu für die Haltbarkeit). Oder das Öl wird weiter verarbeitet zu Salben oder Cremes.

Die sauberen Gläser werden mit heißem Wasser sterilisiert.

Äußerliche Wirkweisen

Fichtenzapfen Die Fichtenzapfen sammelte ich bei meinem letzten Urlaub in Südtirol. Sie waren verschlossen und teilweise noch grün. Das Harz der Fichte, der sog. „Waldweihrauch“, wird traditionell im Alpenraum seit Jahrhunderten verwendet. Mittlerweile gibt es auch Studien, die die Wirksamkeit bestätigen. Die Hauptinhaltsstoffe des Harzes sind ätherische Öle, Vitamine und Gerbstoffe. Sie wirkten durchblutungsfördernd wärmend und astringierend bei Gelenkschmerzen, Muskelverspannungen, kalten Füßen, Rheuma, Krampfadern und Hautkrankheiten, sogar Frostbeulen, können damit behandelt werden.

Hagebutten enthalten u.a. Alpha-Linolensäure, die bei Entzündungen der Haut wirkt. Außerdem sind die Vitamine A, C, E enthalten, die die Haut und das Bindegewebe stützen.

Mandelöl enthält einige ungesättigte Fettsäuren, die tief in die Haut gelangen und sie weich machen. Dadurch wird sie widerstandsfähiger und vor UV-Strahlen geschützt und mit Feuchtigkeit versorgt.

Olivenöl wird sehr gut von der Haut aufgenommen und wird daher gerne zur Hautpflege verwendet. Das Öl spendet Feuchtigkeit, wirkt gegen Falten, schützt vor hautschädlicher UV-Strahlung. Das liegt an den vielen Vitaminen und Enzymen, besonders dem Zellschutz Vitamin E. Es verhindert, dass freie Radikale die Zellmembrane zerstören. Daher wird der Hautalterung vorgebeugt.

Kaffee Koffein ist ein hochwirksamer Bestandteil des Kaffees. Äußerlich angewendet sorgt es für das Zusammenziehen von Zellen, fördert die Durchblutung, wirkt abschwellend, Gewebe wird entwässert und entschlackt und die Zellregeneration angekurbelt. Antioxidantien wirken gut gegen Faltenbildung und Hautalterung und die Poren verfeinern sich. Kaffee hat zudem eine Menge Vitamine, die auch der Haut zugute kommen. kommen. Kaffeepulver/-satz kann als Peeling direkt angewendet werden oder als Öl bzw. Salbe angewendet werden.

Im Wasserbad ziehen Hagebutten, Zapfen, Rosmarin und Kaffeepulver aus. Die Weidenrinden und -ästchen ziehen in einem Topf etwas heißer, bei ca. 95 °C, aus (rechts oben).

Rosmarin Äußerlich angewendet lindert Rosmarin Rheuma und Geschwüre, es wirkt krampflösend, haut- und kreislaufstimulierend, durchblutungsfördernd und gegen Viren und Mikroorganismen. Die Blätter von Rosmarin enthalten u.a. ätherische Öle, (Campher und Terpineol), Gerbstoffe (Rosmarinsäure) und Flavonoide (Blütenfarbstoffe).

Rotöl hat ungefähr die gleiche Wirkung wie die Schafgarbe, sie wird äußerlich in der Wundheilung eingesetzt, besonders bei Verbrennungen, Sonnenbrand, Nervenentzündungen und Muskelschmerzen. Hauptsächlich wirken Gerbstoffe, ätherische Öle und Flavonoide (die roten Farbstoffe). [Die Stoffe Hyperforin und Hypericin hemmen die Aufnahme von Neurotransmittern und binden Enzyme, was bei der inneren Anwendung eine depressive Stimmungslage aufhellen kann.]

Schafgarbe  enthält Gerb- und Bitterstoffe und ätherische Öle. Sie wirkt zündungshemmend, antibakteriell, krampflösend, blutreinigend und beruhigend und hilft bei Hautentzündungen/problemen, Geschwüren, Wunden, Abschürfungen und Sonnenbrand. Sie wirkt antibakteriell, blutreinigend und beruhigend.

Weiderinden und -ästchen Die Hauptstoffe sind Salicylate, die, ähnlich wie Aspirin, schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend wirken. Sie können bei Muskel- und Gliederschmerzen, entzündlichen rheumatischen Erkrankungen und Arthrose helfen.

Nach einigen Stunden wird das Öl abgesiebt und fein gefiltert. Zum Auskühlen lege ich ein Küchenkrepp unter die Deckel. So kann das Kondenswasser aufgesaugt werden und gelangt nicht ins Öl.

Zeit für Kräuterkram

Längst sind die Pflanzen ausgezogen in Öl, Essig oder Wodka. Heute hatte ich Zeit, die Mazerate abzusieben.

Leider stellte ich während meiner Arbeit fest, dass der Kräuterschrank dringend aufgeräumt und sortiert werden müsste.

Also kochte ich mir erstmal einen Tee aus einer Alantblüte, Minze und Salbei. Brrr … zu bitter, wie gut, dass ich noch etwas Holunderblütensirup zur Hand hatte. In Ruhe dachte ich darüber nach, dass das Aufräumen auch gerne verschoben werden darf. Jetzt muss ich nur schauen, wie ich meine neuen „Schätze“ sinnvoll reinstopfe …

Selbstbemächtigung