Kräuterküche

Die letzten Wochen habe ich eine Menge Pflanzen geerntet. Überall lagen (und liegen/hängen immer noch) Kräuter zum Trocknen aus. Bevor ich den Überblick verliere, kurbelte ich die Schnelltrocknung mittels Ofen an: Die Kräuter wurden bei 40°C mit leicht geöffneter Tür getrocknet. Zum Schluss bleibt nur noch ein kleines Häuflein Pflanzendroge übrig.

Und im Haus duftet es ganz wunderbar.

Borretsch, Malven, Verbenenkraut, Salbei
Vom Ofen ins Glas: Brennnesselsamen, Hopfen, Salbei, Johanniskraut. Im Kräuterschrank muss ich bald anbauen.

Kräuter sammeln und verwerten bedeutet einem hohen Zeit- und Arbeitsaufwand. Das macht mir gar nix – im Gegenteil! Ich bin glücklich, wenn ich: spazieren gehe, Pflanzen finde (ein Geschenk), sie fotografiere, bestimme und sammele. Wenn ich die Kräuter bündele, trockne, rebele, Tinkturen, Öle, Salze, Zucker herstelle. Wenn ich die Bilder beschreibe und poste.

Die ganze Arbeit erfüllt mich und ich erweitere meinen Erfahrungsschatz. Und ich bin bei dieser Arbeit ganz bei mir.

Selbstbemächtigung

Spätsommergedanken

Bunt, leuchtend, reif … Der Spätsommer bietet uns an, das alles zu genießen. Wir sind eingeladen, unsere Sinne zu schärfen: greifen, fühlen, sehen, hören, riechen, schmecken … die Frucht, den Wind, den Boden unter den Füßen, die Blumen, das Rauschen der Blätter, aber auch den Regen und den Sturm. Rausgehen können wir jederzeit. Auch bei „schlechtem“ Wetter. Nachweislich füllen wir mit Sonnenlicht das Vitamin D im Körper auf, wir steigern unsere Abwehr und bauen Stress ab. In der Natur regenerieren Geist, Seele und Körper. Wir „erden“ uns und kommen uns selbst näher.

Nur keine Langeweile!Wir haben viel zu tun: Die alltäglichen Arbeiten, das Hetzen von einer Veranstaltung zur anderen – privat, im Job Und das letzte bisschen Freizeit verkonsumieren wir am PC, Handy oder TV. Dadurch verlieren wir die Beziehung zu uns selbst und merken es oft nicht einmal. Dann gibt’s halt einen kleinen Burnout, eine Depression oder dieses Gefühl, das etwas fehlt.

Langsam und mit Bedacht leben, sich von Krankmachern trennen, Langweile aushalten und eben rausgehen, das sind Mittel, um gesund und stark zu sein.

Rose, Sommerflieder und Sonnenhut. Der Schmetterling ist ein Admiral. Er ist ein Wanderfalter, der in Mitteleuropa und in Nordamerika vorkommt. Bei Einsetzen des ersten Frostes sterben die meisten Falter. In wärmeren Gefilden können die Falter überwintern.

Als Kind gingen wir neugierig und unbefangen mit großen Augen durch die Welt. Heute dürfen wir das gerne wieder auspacken und dabei uns spüren. Es ist spannend, was es alles zu entdecken gibt: Pflanzen, Insekten, Vögel und heimische Haus- und Wildtiere. Wenn man sich drauf einlässt, also die Augen öffnet und die Ohren spitzt, kann ein Spaziergang zu einem kleinen Abenteuer werden.

Kapuzinerkresse –  reich an Vitamin C und Senfölen, bakterien-, viren- und pilzeabtötend. Wirkt wie ein leichtes Antibiotikum. Die Pfirsiche sind noch nicht ganz reif. Auch der Holunder braucht noch etwas Zeit. Den Brennesselsamen der weiblichen Pflanze konnte ich (behandschut) gut ernten.

Kurz bevor die Pandemie mit ihrem ersten Lockdown startete, las ich einen Bericht darüber, wie wir Menschen uns immer mehr von unserer eigentlichen Natur entfernen. Ich war sehr erschrocken, denn ich stellte fest, dass ich in den Wintermonaten an manchen Tagen höchtens 20 Minuten draußen war. Die Lockdowns schenkten mir dann tatsächlich die Zeit, rauszugehen. Und by the way: Rausgehen stärkt das Immunsystem.

Selbstbemächtigung

Heimatliebe

Regelmäßig pendele ich zwischen Maintal und Rodheim. In Rodheim lebt meine Mutter mit ihrem Hund Rusty. Wenn ich sie besuche, gehe ich so oft wie möglich mit ihm Gassi. Jedes Mal, wenn ich durch die Wetterau fahre, geht mein Herz auf. Ich sauge die Landschaft in mich ein und und wenn ich in unsere Straße biege, steht Rusty bereits am Tor. Was für ein Freudentanz, wenn ich angekommen bin! Er kriecht förmlich in mich rein und lässt mir wenig Gelegenheit, meine Mutter zu begrüßen. Dieses Tier ist eine Seele, er schenkt so viel Liebe! Ich bin froh, dass meine Mutter diesen treuen Gefährten hat.

Mein Lieblingsgartenhäuschen
Die Blätter der Pappeln rascheln im Wind und erzählen mir alte Geschichten. Dieser Ort ist für mich magisch.

Tiefe Vertrautheit und ein Hauch von Glück überflutet mich, wenn ich durch das Land streife. Je älter ich werde, umso intensiver fühle ich das. Vielleicht ist das so, weil ich hier geboren wurde und aufwuchs. Hier sind meine Wurzeln und die meiner Vorfahren väterlicherseits. Die Bande sind stark, auch wenn ich nur manchmal hier wohne.

Rusty sitzt Modell und die Pferdchen kommen zutraulich an. Der Gockel läuft gaggernd auf uns zu, er ist bestimmt irgendwo ausgebüchst. Rusty juckt das nicht weiter. Er kläfft den Hahn an, bis er endlich abhaut.
Stoppelfelder und Wolkenberge
Ob die Feder dem Milan da oben gehört?
Nach einem guten Abendessen bei meiner Schwester geht es zurück durch’s Dorf. Man wohnt hier recht unterschiedlich.

Heimatliebe ist eigentlich ein altmodisches Wort, wo wir doch alle schrecklich wichtig überall auf der Welt unterwegs sind, cosmopolitanlike. Ich glaube jedoch, dass unsere Wurzeln uns zu uns selbst führen. Meine Heimat ist der physische Ort, wo „alles“ begann, er hat sich in meine Seele gegraben. Wenn ich dort bin, kann ich gut runterfahren und habe dadurch einen besseren Zugang zu mir selbst. Der Hund unterstützt mich dabei, weil er absolut im Jetzt lebt.

Heimat bedeutet jedem Menschen etwas anderes – wenn man sie denn gefunden hat.

Selbstbemächtigung

Stockrosenträume

Familie: Malvengewächse

Im August ist ihre Hsuptblütezeit. Sie blühen in Bauern- und Klostergärten, aber auch am Wegesrand. Oder sie quetschen sich durch Risse im Asphalt.

Stockrosen bilden Samen und sterben ab, weil ihre Kraft in die Produktion der Samen geht. Die Pflanze trägt erst im 2. Jahr Blüten. Ein Absterben der Pflanze kann man verhindern,  indem man sie vor der Samenbildung zurückschneidet.

Setzt die Pflanze „Rost“ (eine Pilzerkrankung) an, ist es am besten, die befallenen Triebe abzuknipsen. Und noch ein Trick: Die Pflanze in den Wind stellen, dass die Blätter gut abtrocknen können.

Die Pflanzen brauchen viel Licht und einen durchlässigen Boden. Die Erde sollte trocken  sein oder leicht feucht.

Als Heilpflanze kann man sie auch nutzen: Blätter, Blüten, Samen, Wurzeln kann man für Tees oder Auszüge trocknen. Die Heilkräfte sind wie bei Eibisch, Hibuskus und Malve, da sie mit diesen Pflanzen verwandt ist. Die Droge enthält hauptsächlich Schleimstoffe. Sie wirkt schleimlösend bei Entzündungen der Schleimhäute, bei Husten und Asthma, zur Heilung chronischer Magen- und Darmentzündungen und bei Verstopfungen.

Und ich freue mich einfach nur, wenn ich sie in ihrer vollen Größe sehe.

Fotos: M. und C. Rauch

Wildheit

Wilde Früchte und Kräuter sind klein, manchmal dornig, giftig, oft sauer oder bitter und manchmal wohlschmeckend und betörend. Sie haben viel zu bieten: Vitalstoffe und Ursprünglichkeit. Die wilde Natur schenkt uns und unserer Umgebung Gesundheit.

Schneeball, Hollunder, Feuerdorn, Hagebutte

Wilde Pflanzen haben so einiges, was wir unseren Kulturpflanzen weggezüchtet haben: Bitterstoffe fördern eine gesunde Darmtätigkeit. Sie machen das Essen verträglicher, fördern den Speichelfluss und die Sekretion von Verdauungssäften. Pflanzenfarbstoffe, z.B. das Chlorophyll bei grünen Pflanzen, sind für die Photosynthese, also für die Sauerstoffproduktion verantwortlich. Die Wirkung ist reinigend, entgiftend, antioxidantisch und die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff. Alkaloide/Gifte schützen Pflanzen vor Fraßfeinden und Schädlingen. Gifte sind nicht immer tödlich, z.B. wirkt das Digitalis vom Fingerhut in einer geringen Konzentration bei Herzproblemen. Die Dosis macht das Gift. Dornen und Stacheln schützen Pflanzen vor Fraßfeinden und bieten gleichzeitig anderen Tieren und Pflanzen Schutz. Daher werden Dornenhecken gerne für die Umweidung genutzt. Schleimstoffe kühlen, lindern und schützen bei Entzündungsprozessen z.B. im Mund und Darm.

Es gibt noch viele andere Stoffe, z.B. Gerb-, Duftstoffe und Pflanzenhormone, reinigende Pflanzen, die Boden, Luft und Wasser von Schadstoffen befreien.

Pflanzen wirken im Ganzen, ihre Stoffe spielen ausgeklügelt zusammen. Pflanzen haben Ihre „Schwerpunkte“, daher wachsen sie genau dort, wo sie gebraucht werden.

Leinkraut (Löwenmäulchen, Johanniskraut, Mirabellen, Jakob-Greiskraut) Gelbfarbenen Pflanzenfarbstoffe/Carotinoide sind für die Orange- und Gelbfärbung verantwortlich. Sie stimulieren Immunsystem, Verdauung und Stoffwechsel und sind krebsvorbeugend.

Wann lassen wir unsere Wildheit heraus? Wenn wir die komplexe Natur betrachten, dann stellen sich irgendwann zwangsläufig Fragen.

Wann verlassen wir die Äußerlichkeiten und Konventionen, die uns  verhindern? Haben wir alles weggezüchtet, was uns nicht „schmeckt“?Wann sind wir wohlschmeckend, wann bitter, dornig, schleimig oder giftig? Stehen wir auf unserem „richtigen“ Platz und wirken?

Selbstbemächtigung

Im Abendlicht

Abends war ich mit Rusty für ein Stündchen unterwegs. Es war noch sehr warm und das milde Abendlicht tauchte das Land in zauberhafte Farben.

Wetterauer Idyll
Licht und Schatten

Woher kommt es, dass das Licht am Abend und auch am Morgen so besonders ist? Im Netz (bambolino-magazin.de) fand ich diese Erklärung verständlich:

„Wenn man die Farbe des Himmels beschreiben soll, würden sich wohl die meisten für Blau entscheiden. Doch in Wirklichkeit wechselt der Himmel seine Farbe je nach Tageszeit. Tagsüber erscheint er oft hellblau, nachts dunkelblau bis schwarz und in der Abend- und Morgendämmerung rötlich-orange.

Das Sonnenlicht beeinflusst die Farbe des Himmels. Für die verschiedenen Farben des Himmels sind der Stand der Sonne, das Sonnenlicht und kleine Teilchen in der Atmosphäre der Erde verantwortlich. Die Atmosphäre ist die Hülle um unseren Planeten, in der viele kleine Luft- und Gas-Teilchen schweben. Wenn das Sonnenlicht auf die Erde fällt, muss es zuerst die Atmosphäre durchdringen. Sonnenlicht sieht zwar weiß aus, besteht aber eigentlich aus vielen verschiedenen Farben. Diese einzelnen Farben bewegen sich dabei in unterschiedlich schnellen Wellen durch die Atmosphäre.“

Wusstet Ihr das? Mähdrescher sind „nachtaktiv“. Das Getreide ist reif und muss vor den nächsten Regengüssen eingefahren werden. Dieses Jahr ist viel Getreide für die Mehlverarbeitung unbrauchbar geworden. Der Starkregen hat das Korn auf den Boden gedrückt. Dort kann es anfangen zu faulen und/oder zu keimen. Man kann es dann bestenfalls noch als Viehfutter verwerten. D.h. dass dieses Jahr wahrscheinlich die Getreidepreise steigen werden.

Selbstbemächtigung bedeutet lernen (auch wenn man, wie ich, von Physik nur eine Ahnung hat).