Kurzurlaub in Memmingen

Seit ich erfuhr, dass Wolf-Dieter Storl einen Vortrag in Memmingen hält, hatte ich den Wunsch, dabei zu sein. „Aber es ist ja so weit weg, also kann ich nicht hin!“ Aber, aber, aber … Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich ja trotzdem hingehen kann. Ich musste mich nur dazu entscheiden. Zunächst bestellte ich mir eine Eintrittskarte, dann organisierte ich eine kleine Pension (Pension Erb, mit richtig schönen Zimmern) und zum Schluss die Anreise mit der Bahn und die Abreise mit Blablacar. Die Anreise hat schon mal super geklappt.

Zunächst besichtigte ich die Stadt. Dazu gibt es von der eine kleine Faltkarte mit verschiedenen Rundgängen.

Eines der vielen Stadttore, das Westertor
Die evangelische St. Martins Kirche

Dr. Christoph Schappeler, wirkte zur Reformationszeit in der heutigen St. Martinskirche. Hier wurde reformiert, für Menschenrechte gekämpft und das führte zu den Bauernaufständen um 1525, die blutig niedergemetzelt wurden.

Bayrisches Kleinstadtflair

Der Raum Memmingen ist bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt. Erste Bauten wurden aus der römischen Zeit nachgewiesen. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt fand 1128 statt. Bis 1191 war sie in welfischen, danach in staufischem Besitz, von 1268 bis 1803 Freie Reichsstadt. …“ (Wikipedia)

Immer am Bach entlang z.B. Sankt Martinskirche und das bemalte Steuerhaus.

Memmingen war eine Stadt des Handels, der Zünfte und der Räte. Besonders die feine Memminger Webware war über die Landesgrenzen hinaus begehrt. Im 16. Jahrhundert nahm der Einfluss der katholischen Kirche ab als Folge der Reformation, aber auch als Folge der Weltoffenheit, die der freie Handel mit sich bringt.

Oben links das Rathaus, mittig das Siebendächerhaus der Gerberzunft – hier konnten die Gerbware gut lüften, rechts das Weber-Zunfthaus. Unten mittig der Hexenturm.

Ich bin so froh, dass ich mich zu diesem Minitripp entschied: 1. Ich werde einen Vortrag über die Seele der Pflanzen hören. 2. Ich lasse mich auf öffentliche Verkehrsmittel ein. 3. Ich lerne Memmingen kennen. 4. Ich war/bin auf mich gestellt in Vertrauen auf mich selbst, z.B. beim Kartenlesen was nicht unbedingt meine Stärke ist.

Es ist ein Stück Freiheit, die ich mir erringe.

Selbstbemächtigung = alleine verreisen

Reformation = Erneuerung

Am 31. Oktober ist Reformationstag.

Die evangelische Kirche gedenkt der Reformation der „alten“ Kirche durch Martin Luther. Am 31. Oktober 1517 schlägt Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an die Tür der Wittenberger Schlosskirche.

Damit setzte Luther die Reformation der bisherigen Kirche in Gang. Dieser Prozess hatte Einfluß auf die gesamte weltpolitische Entwicklung bis heute. Reformation hört nie auf.

Auch wenn wir mit Kirchens nix am Hut haben, betrifft dieser Prozess unser (Er-)Leben. Denn wir tragen  die Geschichte(n) unserer Vorfahren in uns.

Wir sind zwar „neu“, haben aber die Erfahrungen und das Wissen unserer Ahnen als Grundstock in uns angelegt.

By the way: Wenn manche heute Halloween oder Samhain feiern, werden die alten Geister herausgelassen und mit Leckerlis besänftigt.

Selbstbemächtigung = Reformation in uns zulassen

Mystisch am Main

Ich musste noch mal an die frische Luft, auch wenn’s fast dunkel war.

Mir gefällt diese Zeit, wenn es kalt und rauh wird. Es ist Zeit für innere Einkehr und Rückzug.

In der Nacht vom 31.10. zum 1.11. ist Samhain, ein Fest unserer keltischen Ahnen. Es wird das Ende der Erntezeit und der Beginn des Winters gefeiert. Das Vieh wurde von den Weiden in die Ställe getrieben und teilweise geschlachtet.

In dieser Nacht soll das Tor zur Anderswelt offen sein, so dass Tote, Geister und andere magische Wesen leichter in unsere Welt kommen können. Daher werden Lagerfeuer entzündet um den Weg zu weisen und als Wärmespender für die Feiernden. Essen wurde bereit gestellt, um die Wesen gnädig für die kommenden dunklen Tage zu stimmen.

Das katholische Fest Allerheiligen ist am 1. November. Hier wird der Heiligen (also den Menschen, die ihr Leben zur „Vollendung“ gebracht haben) gedacht über Gebete, Fürbitten und Rituale. Am 2. November ist Allerseelen, an diesem Tag gedenkt man der Toten.

Halloween ist wahrscheinlich ein Fest mit Einflüssen aus Samhain, Allerheiligen und Allerseelen. Eine These besagt, dass irische Einwanderer einstmals das Fest nach Amerika brachten.

Der enangelische Reformationstag passt auch gut, denn wenn das Alte sich verabschiedet, entsteht etwas Neues. Und trägt ein Stück vom Alten in sich.

Vielleicht werde ich morgen Abend ein Feuer entzünden, um mich vom Herbst zu verabschieden, um nachzudenken und das alte Neue (oder neue Alte) zu begrüßen.

Bei mir waren es eine Menge. Dafür bin ich dankbar.

Selbstbemächtigung