Regelmäßig pendele ich zwischen Maintal und Rodheim. In Rodheim lebt meine Mutter mit ihrem Hund Rusty. Wenn ich sie besuche, gehe ich so oft wie möglich mit ihm Gassi. Jedes Mal, wenn ich durch die Wetterau fahre, geht mein Herz auf. Ich sauge die Landschaft in mich ein und und wenn ich in unsere Straße biege, steht Rusty bereits am Tor. Was für ein Freudentanz, wenn ich angekommen bin! Er kriecht förmlich in mich rein und lässt mir wenig Gelegenheit, meine Mutter zu begrüßen. Dieses Tier ist eine Seele, er schenkt so viel Liebe! Ich bin froh, dass meine Mutter diesen treuen Gefährten hat.
Mein LieblingsgartenhäuschenDie Blätter der Pappeln rascheln im Wind und erzählen mir alte Geschichten. Dieser Ort ist für mich magisch.
Tiefe Vertrautheit und ein Hauch von Glück überflutet mich, wenn ich durch das Land streife. Je älter ich werde, umso intensiver fühle ich das. Vielleicht ist das so, weil ich hier geboren wurde und aufwuchs. Hier sind meine Wurzeln und die meiner Vorfahren väterlicherseits. Die Bande sind stark, auch wenn ich nur manchmal hier wohne.
Rusty sitzt Modell und die Pferdchen kommen zutraulich an. Der Gockel läuft gaggernd auf uns zu, er ist bestimmt irgendwo ausgebüchst. Rusty juckt das nicht weiter. Er kläfft den Hahn an, bis er endlich abhaut.Stoppelfelder und WolkenbergeOb die Feder dem Milan da oben gehört?Nach einem guten Abendessen bei meiner Schwester geht es zurück durch’s Dorf. Man wohnt hier recht unterschiedlich.
Heimatliebe ist eigentlich ein altmodisches Wort, wo wir doch alle schrecklich wichtig überall auf der Welt unterwegs sind, cosmopolitanlike. Ich glaube jedoch, dass unsere Wurzeln uns zu uns selbst führen. Meine Heimat ist der physische Ort, wo „alles“ begann, er hat sich in meine Seele gegraben. Wenn ich dort bin, kann ich gut runterfahren und habe dadurch einen besseren Zugang zu mir selbst. Der Hund unterstützt mich dabei, weil er absolut im Jetzt lebt.
Heimat bedeutet jedem Menschen etwas anderes – wenn man sie denn gefunden hat.
Im August ist ihre Hsuptblütezeit. Sie blühen in Bauern- und Klostergärten, aber auch am Wegesrand. Oder sie quetschen sich durch Risse im Asphalt.
Stockrosen bilden Samen und sterben ab, weil ihre Kraft in die Produktion der Samen geht. Die Pflanze trägt erst im 2. Jahr Blüten. Ein Absterben der Pflanze kann man verhindern, indem man sie vor der Samenbildung zurückschneidet.
Setzt die Pflanze „Rost“ (eine Pilzerkrankung) an, ist es am besten, die befallenen Triebe abzuknipsen. Und noch ein Trick: Die Pflanze in den Wind stellen, dass die Blätter gut abtrocknen können.
Die Pflanzen brauchen viel Licht und einen durchlässigen Boden. Die Erde sollte trocken sein oder leicht feucht.
Als Heilpflanze kann man sie auch nutzen: Blätter, Blüten, Samen, Wurzeln kann man für Tees oder Auszüge trocknen. Die Heilkräfte sind wie bei Eibisch, Hibuskus und Malve, da sie mit diesen Pflanzen verwandt ist. Die Droge enthält hauptsächlich Schleimstoffe. Sie wirkt schleimlösend bei Entzündungen der Schleimhäute, bei Husten und Asthma, zur Heilung chronischer Magen- und Darmentzündungen und bei Verstopfungen.
Und ich freue mich einfach nur, wenn ich sie in ihrer vollen Größe sehe.
Egal, welches Wetter es ist, der Hund braucht Bewegung (ich übrigens auch). Also wird Rusty geschnappt und raus geht’s. Wenn es so richtig schüttet, setze ich bestimmt keinen Fuß vor die Tür. Allerdings warte ich nicht jede Wolke ab, sonst würde ich bei der momentanen Wetterlage nie wegkommen.
Streifzüge durch Rodheims Gärten. Der Baum oben links trug letztes Jahr noch Laub und Früchte. Ich hielt den Stamm mit beiden Händen und hatte das Gefühl, dass noch Leben in ihm steckt. Gassigehen mit Rusty eröffnet mir die Möglichkeit, in der Natur zu sein.Noch ’ne schnelle Abendrunde, bevor es wieder schauert: Richtung Alter Berg und im Westen der Winterstein in Wolken. An einem Tag liefen Rusty, meine Freundin und ich zum Beinatz-Wald … Zunächst genossen wir den Weitblick in die Wetterau … Es tröpfelte erst ganz seicht … wir stellten uns am Waldrand unter und warteten … ich hatte in meinem Gottvertrauen weder eine Jacke noch einen Schirm dabei … Meine Freundin war mit ihrer rosa Regenjacke besser ausgerüstet …Die Rettung: Es regnete stärker und wir suchten Schutz im Wald. Rodheim im Dampf Wir liefen durch feuchte Wiesen und hohes Gras und versuchten, den besten Weg zurückzufinden. Es zog sich etwas und war etwas „abenteuerlich“. Zum Schluss kam sogar die Sonne heraus. 🌞
Am Ende des Spaziergangs war ich gut durchweicht. Rusty ebenso, zumal er sich noch im nassen Gras wälzen musste. Ich konnte mich gerade noch beherrschen, es ihm nachzutun. Ich beschloss, das Beste aus der Situation zu machen frei nach dem Motto: „Bevor ich mich aufrege, ist es mir lieber egal.“ Ganz bewusst nahm ich wahr, wie das Wasser langsam meine Kleidung durchsickerte. Etwas frisch war es schon. Ändern konnte ich aber nichts. Als ich das verstand und akzeptierte, war es gar nicht mehr so schlimm. Im Gegenteil: Ich fühlte mich mehr denn je als ein Teil der Natur. Tatsächlich konnte ich den Spaziergang genießen und entspannt und gut gelaunt zurückkehren.
Wir haben die Wahl, wie wir mit den Gegebenheiten umgehen. Selbstbemächtigung bedeutet: Überdenke die Situation, in der Du gerade steckst. Kannst Du etwas im außen ändern? Ist das überhaupt notwendig? Bevor Du handelst, könntest Du zunächst Deine Haltung dazu überprüfen und korrigieren. Das ist innere Freiheit.
Bei meinen Wanderungen, aber auch im Garten, schaue ich mir die Pflanzen genau an und recherchiere ihre Besonderheiten. Je mehr ich in die Pflanzenwelt eintauche, umso faszierter bin ich von der Vielfalt.
Echter Roseneibisch
Hibiskus/Eibisch – Wusstet Ihr, dass er (wie die Stockrose) ein Malvengewächs ist? Als Tee- und Heilpflanze wird aber ausschließlich „Hibiscus sabdariffa“ verwendet. Den hab ich leider nicht im Garten. Totzdem sind meine beiden Hibiski eine echte Augen- und Bienenweide.😍
Echter RoseneibischDie roten und gelben Mirabellen wachsen im/am Riedgraben in Rodheim und werden von mir demnächst geerntet und zu Marmelade verarbeitet (wenn sie dann noch da sind). Die Brombeeren sind schon weich, aber ziemlich sauer. Da brauchts noch etwas Sonne.Auf der Wiese und am Feldrand: Rechts unten seht Ihr die Wegwarte. Sie ist ein echter Allrounder, alles von der Pflanze ist verwertbar. Die Zichorienwurzeln geröstet ergeben einen leckeren Kaffeeersatz – „Caro-Kaffee“ lässt grüßen.Kreuzblättrige Wolfsmilch „Der Milchsaft reizt die Haut und darf nicht eingenommen werden. … Deshalb gilt: Wolfsmilch darf nur in Fertigpräparaten, homöopathisch oder ganz gezielt äußerlich angewandt werden. Aber: Das Auftragen des Milchsafts kann durch seine ätzende Wirkung gegen Warzen oder Hühneraugen wirken, auch zur Enthaarung an unerwünschten Stellen soll die Flüssigkeit geeignet sein. Die Homöopathie setzt Wolfsmilch zum Beispiel in Mitteln gegen Heuschnupfen ein.“ Quelle: t-online.deStarke Leistung – der Vogelknöterich ist eine Pflanze, die fast auf der ganzen Welt zu finden ist. Ursprünglich stammt er aus China und ist in der TCM eine wichtige Heilpflanze. Blutweiderich/Ähren-/ Rosen-Weiderich) Eigenschaften: antibakteriell, adstringierend, blutstillend, Blutzucker senkend. Wächst in Feuchtgebieten und sieht klasse aus.Brennesselsamen sind ein „Superfood“ weil sie reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen sind. Zudem beeinhalten Sie die Heilstoffe der gesamten Pflanze. Die Samen bilden sich im Juli/August. Ab da kann man sie sammeln und trocknen. Dabei haben die weiblichen Samensträge weit mehr Inhaltsstoffe. Man kann sie ins Müsli geben, aber auch über Salat und Gemüse streuen. Weibliche Samen sind grün, kantig und hängen wie in Trauben herab. Später verfärben sie sich braun. Männliche Samen sind rund und weiß und stehen seitlich weg.
Vielfältig, prachtvoll, duftend, betörend, giftig … für/gegen alles ist ein Kraut gewachsen.
Es ist spannend, das alte Wissen unserer Vorfahren wieder zum Leben zu erwecken. Zugleich verbinden wir uns mit Natur – weil wir uns mit ihr befassen und weil wir die Pflanzen anwenden – und heilen unsere Wunden.
Große Runde zwischen Nieder-Rosbach, Rodheim und Ober-Wöllstadt
Momentan ist das Wetter arg unbeständig, und man weiß nie, ob man nicht einen kräftigen Regenguß abbekommt. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so sind wir losmarschiert mit Rusty im Schlepptau.
Schöne Kombination – die sanften Bodenwellen der Wetterau und die Wolkengebirge.
Das Korn ist reif. Die Bauern müssen sich beeilen, wenn sie die Ernte trocken einfahren wollen. Blick auf Rodheim vor der Höhe.Entlang der Rosbach – Rusty erfrischt sich gerne im Wasser.Höhe SeemühleWeitblick und oben am Himmel herrscht reger Flugverkehr.
Die Runde dauerte etwa 2,5 Stunden. Etwas durstig, ausgepowert, dafür mit schönen, erhebenden Eindrücken, sind wir nach Hause gekommen. Wir sind längst erholt und der Durst ist gelöscht – aber die Erhabenheit der Natur bleibt im Herzen.
Wie schnell das Jahr vergeht! Es ist doch noch gar nicht lange her, da haben wir den Frühling gefeiert. Viele Getreidesorten, Fürchte, Kräuter, Gemüse sind reif für die Ernte.
Ist schon etwas länger her, dass ich unten am Main war.
Das alte Dorf mit der evangelischen Kirche.Versteckte EckenEine Schwanenfamilie beim Grasfressen
Ich war ziemlich kaputt und konnte mich nur schwer aufraffen, eine Runde zu laufen. Gut, dass ich mich überwunden habe. So konnte ich ein paar Fotos schießen und mich über die Schwanenfamilie freuen … und … das Abschlußeis vom Costa genießen!
Wenn ich Rusty, den Hund meiner Mami, abhole, streifen wir durchs Dorf, über Wiesen und an Gärten vorbei. So entdecke ich manchmal neue Perspektiven von altbekannten Motiven. Und manchmal ist auch ein Stück Vergangenheitsbewältigung mit dabei.
Die Schule, zum Beispiel, macht mir immer noch ein komisches Gefühl, wenn ich sie sehe. Vielleicht, weil mich Menschen bewertet haben, indem sie Noten verteilten. Die Kopfnoten waren auch nicht immer so prickelnd: „Betragen“, „Aufmerksamkeit“, „Ordnung“. Ja, Kinder mussten „gestutzt“ werden, damit sie gut durchs Leben kommen. Ist das so? Bin ich gut durchs Leben gekommen? Ich bin der Meinung, dass man Kinder/Menschen unterstützen sollte. Na ja, Herausforderungen/Ungerechtigkeiten/Bewertungen gehören zum Leben dazu und prägen uns. Wir haben aber die Freiheit, über uns nachzudenken und Sichtweisen und Verhaltensweisen anzupassen.
Rodheim: Alter Kirchturmund„neue“, kleine evangelische Kirche. In dieEKS ging ich einige Jahre – nicht besonders ambitioniert. Das war in den 70ern. Einige Lehrer waren noch vom alten Schlag und machten ihren „Stiefel“. Die jüngeren Lehrer versuchten, etwas frischen Wind in die Bude zu bringen. Manche resignierten. Leider hat sich noch gar nicht viel an diesem System geändert. Das geht zu Lasten der Lernfreude bei Kindern und auf die Freude am Unterrichten bei Erwachsenen.
So streife ich gerne durch die Natur und dabei komme ich ganz schnell bei mir an.
Die letzten Jahre habe ich viel über mich und meine Prägungen nachgedacht. Manchmal hat’s wehgetan, aber immer waren die Erkenntnisse so, dass sich etwas zum Positiven geändert hat.
Üppige Natur: Weiden, Hecken und ein toter Birnbaum. Aber wer weiß? Vielleicht ist noch etwas Leben in ihm? Letztes Jahr trug er noch Blätter und Früchte.
Mittlerweile weiß ich, was mir gut tut und das ist eindeutig die Natur. Ich fühle mich frei, sobald ich raus gehe. Komisch, vor der Pandemie war ich so selten draußen. Es gab Tage, da bin ich nur zur Arbeit und zurück geradelt, insgesamt 10 Minuten! Ich war so „busy“, hatte immer was zu tun und war selten bei mir.
Jeder Baum ist anders, manche sind krumm, mit toten Zweigen oder wenigen Blättern und Früchten oder überladen. Aber immer im Gesamtbild schön und perfekt. Wie bei uns.
Die vielen Pflanzen, die alle für was gut sind, lassen mich ehrfürchtig und dankbar sein. Die Natur ist so perfekt! Ich erkenne, dass ich dazugehöre und in einem großen Ganzen eingebunden bin.
Echte Kamille (Matricaria chamomilla L.) entzündungshemmend, krampflösend, beruhigend, desodorierend, bakterienhemmend. Innerlich und äußerlich bei Magen- darmproblemen, Hauterkrankungen. Klatschmohn, Wicken, KornblumenHundsrose (Wildrose), bienenfreundlich, Blätter, Blüten und Hagebutten verwendbar, gegen Erkältung, Durchfall und Hautleiden. Ackerdistel, Büschelschön, Storchschnabel, wilde Pastinake (die kann man sogar essen)
Tiere sind mir viel wichtiger als früher. Begrüßt mich Rusty, ist das ein richtiges Freudenfeuer: Er kriegt sich fast nicht mehr ein, gauzt wie verrückt, saust durchs Haus, holt das Bällchen und braucht viiiele Schmuseeinheiten. Und die tun mir genauso gut! Sehe ich Weidetiere, bleibe ich stehen und „unterhalte“ mich mit ihnen. Meist kommen sie an, lassen sich streicheln und erzählen mir was, so wie die Gänse unten im Bild. Sie schnattern und ich schnattere zurück. Für Außenstehende wirkt das vielleicht etwas befremdlich …
Tierisch was los: Eins von diesen Dingen gehört nicht zu den andern.
Wir alle sind in irgendeiner Weise geprägt: Durch unser Elternhaus, unsere Freunde, die Umgebung, Schulerfahrungen und letztendlich durch unsere „Gesellschaft“. Je nachdem, wie gehalten wir waren und wie geliebt, konnten wir uns mehr oder weniger frei entwickeln. Es ist so und jammern darüber, wie schrecklich das alles ist/war, bringt nix. Es ist auch fatal, sich als Opfer der Umstände zu empfinden. Denn damit gibt man unbewusst die Verantwortung für sein Leben an die „Täter“. Und die haben dann immer noch die Macht, obwohl vielleicht schon Jahrzehnte vergangen sind. Man bleibt in der kindlichen Hilflosigkeit hängen. Heute können wir aber selbständig entscheiden. Wir sollten uns das bewusst machen. So ist es schon gut, sich der unschönen Erfahrungen zu erinnern, darüber nachzudenken und diese zu verabschieden. (Bitte nicht im Leid suhlen, das wäre wieder Opfertum.) Manchmal ist der Prozess etwas schmerzhaft. Aber immer befreiend!
Für diesen „Befreiungsprozess“ ist rausgehen die erste Wahl, ebenso, sich mit Tieren zu umgeben. Das ist für mich die ursprünglichste Art, bei mir selbst zu landen. Es sind heilsame Energien, die jederzeit verfügbar sind. Meditationen, Bücher, Gespräche mit Freunden oder professionelle Hilfen können noch unterstützen. Ziele sind innere Freiheit erwerben, Selbstwertgefühle steigern und zufrieden zu sein.
Gassirunde zwischen Nieder-Rosbach und Ober-Wöllstadt
Die „goldene Wetterau“ hat einen äußerst fruchtbaren Boden, man nennt sie auch die Kornkammer Hessens. Auf den Feldern wachsen alle möglichen Getreidesorten, Raps, Mais, Zuckerrüben, Kartoffeln und Kohl. Da die Wetterau ein flaches, in sanften Bögen geschwungenes Land ist, hat die Sonne genügend Raum, alles wunderbar in Szene zu setzen. Bei Sonnenschein strahlt das ganze Land, golden eben.
Der Mix aus Wolkentürmen, Sonne und Raps macht’s!Der RosbachRusty, der WasserhundRosbach, Wöllstadt und dazwischenliegendStreuobstwiesen und Taunusblick
Diese Strecke bin ich vorher nie gelaufen. Wie überraschend ist es doch, wenn man nur ein ganz klein wenig anders läuft, als man es kennt. Erstaunlich, welche Perspektiven sich aufgetan haben, obwohl ich doch die Gegend seit Kindheit kenne.
Im echten Leben ist es ganz genauso: Wir können uns nicht immer vorstellen, was eine kleine Kurskorrektur bewirken kann.