Alleine raus

Niemand lenkt ab, Du bist mit Dir allein. Gedanken schweifen, die Sinne schärfen sich. Abenteuerlust stellt sich ein. Du gehst andere Wege, nämlich die, die Dich reizen, auch wenn sie vielleicht uneben oder glitschig sind. Neugierig schaust Du dort hin, wo Du vorher unzählige Male vorbei gelaufen bist:

Hochstädter Ansichten

Selbstbemächtigung = alte Pfade verlassen

Was bedeutet eigentlich „booste(r)n“?

To boost“ ist ein englisches Verb und bedeutet „(ver)stärken“, „erhöhen“, man benutzt es im Sinne von „jemanden fördern“ oder „eine Sache ankurbeln“.

Momentan ist das Wort in aller Munde, weil man sich von einer dritten C-Impfung erhofft, dass das Immunsystem des Geimpften angekurbelt wird.

Backen macht voll kreativ.🚀

Mein Brotteig heute, geht ab wie die Post, ich hab‘ ihn nämlich auch „geboostet“ (neudeutsch) bzw. „geboostert“ (althessisch).

Diesmal rührte ich einen „Vorteig“ aus Mehl und Wasser, welchen ich ca. 1,5 Stunden warm gestellt habe, bevor Salz und Anstellgut dazu kamen. Jetzt bläht er so vor sich hin, der Teig.

Selbstbemächtigung  = wider den tierischen Ernst.

Schinkennudeln

Schnelles Resteessen

Mein Papa „erbte“ das Grundrezept von seiner Mutter und hat es immer mehr verfeinert. Meine Kinder und ich essen diesen Auflauf sehr gerne, wir passen es oft dem an, was gerade im Haus ist. Es gibt wenig Maßangaben, wir kochen intuitiv.

Quark-Käse-Masse: Quark, geriebenen Käse (z.B. Gouda), Schmand (oder Creme Fraiche, Saure Sahne), 1 Ei oder zwei, etwas Sahne oder Olivenöl, viel Oregano, viel Knoblauch, wenig Salz oder Sojasoße, etwas Schärfe (z.B. Chillies).

Gekochte Nudeln, Bauchspeckwürfel (oder geräucherten Schinken), Quark-Käse-Masse ca. 30 Minuten abgedeckt bei 180°C backen, ohne Deckel noch mal ca. 15 Minuten bräunen. Mit Salat sevieren.😋

Selbstbemächtigung = (Koch-)Traditionen wahren

Ein Abend in der Oper Frankfurt

„Carmen“ von Georges Bizet (1838 – 1875)

Opéra comique in drei Akten, Text von Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée (1845).

Aufführung am 27.11.2021 – Dauer 3,5 Stunden mit einer Pause, in französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln. Aufgrund der Pandemie konnten nur Geimpfte und Genesene mit tagesaktuellem Antigentest (G2+) ins Theater. Auf den Sitzplätzen durfte der Mund-Nasen-Schutz abgesetzt werden, wir hielten uns an die Empfehlung, diesen zu tragen.

Normalerweise sind wir sehr selten in der Oper. Ich singe zwar selbst manchmal in einem Opernchor, aber irgendwie steht Oper nicht vorne auf meiner Prioritätenliste. Das Angebot unseres Chorleiters, günstig an Karten zu kommen, war dann doch zu verführerisch. Selbst mein Partner meinte, dass man ja rausgehen könne, wenn die Oper „nix“ ist.😊

Das Bühnenbild bestand aus einer riesigen Treppe. Dank des Lichtes, der gesprochenen Erklärungen in Französisch und der Überschriften in Deutsch und Englisch, konnte man das Geschehen gut imaginieren.

Die Treppe war Marktplatz, Arena und Gebirge. Hier tummelten sich Volk, Gaukler, Soldaten und natürlich Carmen mit ihren Freunden. Das Stück, die Musik, die Tänze … alles leicht, in atemberaubendem Tempo, witzig und spannend insziniert.

Die Mezzosopranistin Paula Murrihy als freiheitsliebende Zigeunerin „Carmen“ tanzte und sang sich sympathisch, souverän und mit viel Witz in die Herzen der Zuschauer. Tenor AJ Glueckert spielte „Don José„, den glühenden Liebhaber, der Carmen mit Haut und Haar verfallen war. Entzückend sang und spielte Adriana González die „Micaëla“ mit feinem Sopran und dennoch ausdrucksstark. Micaëla wollte Don José aus den Fängen der Carmen retten. Matardor „Escamillo„, glühender Carmen-Verehrer, wurde von Andreas Bauer Kanabas dargestellt. Mit durchgedrücktem Rücken mimte er den stolzen und eitlen Spanier, dessen Aufgabe es sei, dem Stier den Stich ins Herz zu verpassen. Als Lohn erwarte ihn die Liebe (natürlich hoffte er auf Carmen).

Die Choreografie (Leitung Otto Pichler) des Tanzensembles war rasant, teilweise grotesk, dennoch im Gesamtbild passend. Die Tänzer mimten Volk, Zigeuner, Schmuggler – je nachdem, was gerade anstand. Der Opernchor war mit viel Spielfreude präsent, mal aus der Ferne, mal aus der Nähe, teilweise mit Unterstützung einiger älteren Chorkinder.

Immer wieder kam es zu spontanem Zwischenapplaus, die Stimmung der meisten Zuschauer war amüsiert, gespannt, wohlwollend.

Insziniert wurde das Stück von Barrie Kosky, die Musikalische Leitung hatte Simone Di Felice inne.

Für uns war das ganze Stück ein Erlebnis, es war keine Minute langweilig, immer spannend und wir sind bis zum Schluss dageblieben! Die Musik hat uns mitgenommen und berührt.

So macht Oper Spaß! Ein herzliches Dankeschön an das gesamte Opernensemble.

Essig selber machen

Wusstet Ihr, wie einfach es ist, einen bekömmlichen, vitaminreichen Essig selbst herzustellen?

Wir kennen meist den Apfelessig, der ein wahres Wunderelexier sein soll. Er sorgt für straffe Haut, glänzendes Haar, soll beim Abnehmen helfen und die Immunabwehr unterstützen. Zudem ist Essig eine gute Salat- und Gemüsewürze. Und es gibt eine Kultur der Trinkessige. Ich schätze, dass jeder Fruchtessig diese positiven Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten hat.

Für einen guten Essig braucht man tatsächlich nur Bio-Obst und Wasser. Um die alkoholische Gärung voranzutreiben, kann man etwas Zucker hinzugeben.

Mein erster Essig! Ich nutze unsere „Orangen-Abfälle“, da wir die Bio-Früchte direkt aus Spanien beziehen für unseren täglichen Saft. Vom Obst kann man fast alles verwerten: Schale, Frucht, Gehäuse. Die Früchte müssen ungespritzt und gewaschen sein.

Früchte klein schneiden und in saubere Gläser füllen. Mein „O-Saft-Auspresser“ lässt aus Kraftgründen meistens noch genügend Fruchtfleisch in der Schale. Das kommt hoffentlich dem Essig zugute

Anstatt mit Orangen, kann man den Essig mit anderen Früchten, z.B. mit Äpfeln, Gemüse, Getreide oder mit Alkoholresten (klassisch ist Wein oder Weinbrand) ansetzen.

Einen kleinen Eßlöffel Zucker untermischen und das Glas etwa 2/3 mit Wasser auffüllen. Ein sauberes Küchentuch darüber spannen. Das hält Schmutzpartikel fern und lässt Sauerstoff ins Glas. Kühl stellen. Der Ansatz sollte regelmäßig sanft gerührt oder geschüttelt werden.

1. Schritt: Nach ein bis zwei Wochen beginnt die alkoholische Gärung, d.h. Schaum bildet sich auf der Oberfläche. Alkohol (Ethanol) ist ein Nebenprodukt bei der Zersetzung von Kohlenhydraten mittels Hefen. Die Hefen befinden sich auf der Außenhülle der Frucht oder in der Luft. Der Abbauprozess geschieht anaerob (ohne Sauerstoff). Daher sollten die Feststoffe unter dem Wasser liegen (z.B. Früchte mit einem Teller beschweren). Der Ansatz riecht nach Alkohol. Theoretisch könnte man ab jetzt das Ansatzgut abfiltern.

Im 2. Schritt zersetzt sich der Alkohol mithilfe der Essigsäure-Bakterien und „kippt“. Der Essig ist nach ca. 4 – 6 Wochen fertig und kann abgesiebt und abgefüllt werden. Der Essig riecht säuerlich ohne Alkoholgeruch. Essig ist unangebrochen über ein Jahr haltbar. Bei längerer Lagerung reift der Essig nach, d.h. die sauren Spitzen verschwinden und er gewinnt an Qualität.

Der Alkoholgehalt bei fertigem Essig liegt bei 0,2–1,5 %/Vol. Zum Vergleich: Der Alkoholanteil bei Früchten, Fruchtsäften und Brot liegt durchschnittlich bei 0,3 Volumenprozent, sehr reife Früchte (z.B. Bananen) können bis 0.6 Vol. erreichen.

Was ist eine Essigmutter? „Die Essigmutter ist eine gallertartige, Fäden ziehende Masse aus Essigsäurebakterien, die sich bilden kann, wenn Wein oder andere leicht alkoholhaltige Flüssigkeiten längere Zeit offen stehen gelassen werden. Sie fermentiert Alkohol mit Hilfe von Sauerstoff aus der Luft zu Essigsäure.“ Das schreibt Wikipedia. Die Essigmutter kann bei der Essigherstellung als Beschleuniger eingesetzt werden. Daher macht es Sinn, die Mutter aufzubewahren. Beim Ansatz von Essig bildet sich nicht immer eine Mutter.

Selbst „gemachter“ Essig ist vitaminreicher, inhaltsstoffreicher und schadstoffarmer als industriell hergestellter. Reste werden verwertet, lange Wege vermieden und möglichst Glasbehälter eingesetzt, so werden Umwelt und Portemonnaie geschont. Und natürlich steckt ein Stück Liebe und Leidenschaft dahinter – ich bin mir sicher, dass man das schmeckt.

Selbstbemächtigung = mit einfachen Mitteln viel erreichen

Update1

Tja … nix war’s mit dem Orangenessig! Die Orangenschalen schwammen oben und die Gläser standen in einem wenig beheiztem Zimmer … leider schimmelten einige Schalen. So musste ich alles entsorgen.

Aber ich gebe nicht auf!

Orangenessig: Erneut setzte ich Orangenschalen an mit Wasser, etwas Saft, Zucker und Fruchtfleisch. Ich beschwerte diese mit zwei Schnapsgläschen und der Behälter kam in den Kühlschrank! Momentan ist der Geschmack leicht bizzelig und es riecht nach Alkohol. Update2: Ein kleines Stück Orange ist nach oben gedriftet und geschimmelt … Jetzt habe ich erst mal keinen Nerv mehr auf O-Essig.😬
Apfelessig: Zusätzlich setzte ich Apfelschalen, Kerngehäuse, Fruchtstücke und etwas Zucker mit Wasser an. Die kamen in den Kühlschrank und der Inhalt wurde regelmäßig gerührt. Nach ein paar Tagen roch es gärig, die Mutter bildete sich und nach ca. 4 Wochen wurde alles recht sauer. Beide Essige haben die Farben der Apfelschalen, einmal gelber und einmal roter Apfelessig. Demnächst fülle ich die Essige in Flaschen. Sie halten dann etwa ein Jahr.
Update2: Frisch abgefüllt nach 5 Wochen: Der Apfelessig schmeckt fein und mild. Auf dem mittleren Bild rechts seht Ihr die Apfelmutter. Damit setze ich gleich einen neuen Essig an.
Update2: Frisch angesetzte Apfelstücke mit Wasser, Zucker und Essigmutter. Ich lasse den Schraubdeckel erst mal drauf und werde ihn später durch ein Tuch ersetzen.

Fazit: Apfelessig reift schneller und unkomplizierter als Essig aus Zitrusfrüchten. Ich würde daher mit dem Apfelessig starten. Ich mach’s halt gerne etwas komplzierter.

Selbstbemächtigung = Fehler machen und wiederholen = lernen

Alte Fasanerie in Hanau

Einfach mal hinfahren, es lohnt sich. Schön für Kinder, weil sie frei herumrennen können und weil es viele Spielmöglichkeiten hat. Schön für uns, weil wir dort die Weitläufigkeit mögen.

Lageplan

Selbstbemächtigung = rausgehen und sich wie die Kinder freuen

Apfel-Reste verwerten

Was kann man mit Garten-Äpfeln so alles anfangen? Sie sind schön sauer und etwas mürbe. Und ungespritzt. Fragt mich nicht, wie die Sorte heißt. Es ist eine alte Apfelsorte, vom Geschmack ähnlich wie ein Boskopf.

Also: Die Äpfel werden gewaschen und die faulen Stellen entfernt. Die Schale wird auf der Heizung oder im Dörrautomat getrocknet. Unter der Schale sitzen die meisten Vitamine, daher konserviere ich sie. Später geben sie zudem meinen Kräutertees eine säuerliche Note. Die Äpfel selbst sind im Brotkuchen „gelandet“ (siehe vorherigen Beitrag). Ach ja, da es sich hier um eine alte Apfelsorte handelt, hebe ich die Kerne auf. Vielleicht ziehe ich daraus ein paar Bäumchen. Wer weiß?

Selbstbemächtigung = das, was da ist, verwerten

Brotkuchen mit Äpfeln

Letzte Woche kaufte ich viel zu viel Brot beim Bäcker ein. Jetzt schmeckt es schon nicht mehr und ich backe eh lieber selbst. Brot wegwerfen galt schon im Mittelalter als Frevel. Wie bereichernd sind doch das Internet und die guten alten Kochbücher! Hab‘ das Wort „Brotkuchen“ eingegeben und wurde fündig. Es gibt sehr viele traditionelle Rezepte, die ich meinen Bedarfen anpasse. Da ich eh Apfelkuchen backen wollte, gibt es einen Brot-Apfel-Kuchen (mit in Rum eingelegten Rosinen). Meine angebrochenen Nüsse kann ich auch noch verwursteln. Die Äpfel sind eine alte säuerliche Sorte. Bin gepannt:

Zutaten: Ca. 600 g altbackenes Brot, 600 ml Milch (alternativ: Pflanzenmilch), 2-3 Eier (alternativ: Apfelmus), 3 Eßl. Zucker (alternativ: Birkenzucker, Honig, Agavendicksaft …), Äpfel, auf Wunsch: Nüsse/Mandeln (in Rum eingeweichte) Rosinen
Brot zerkleinern und in der Milch ca. 30 Minuten (oder länger, je nach Trockenheit) einweichen, Rosinen in Rum einlegen, Äpfel schälen und achteln, mit Zitronensaft beträufeln.
Teig fertig stellen: Zucker, Eier, Nüsse hinzugeben, verrühren. Der Teig sollte nicht zu dünnflüssig sein. Springform fetten und Teig + Äpfel mit Rosinen + Teig schichten. Bei 180°C Umluft 50 – 60 Minuten backen.
Puderzucker (oder Glasur) drauf und warm oder kalt servieren! Toppings: Apfelmus, Vanillesoße, Sahne oder nur so.

Reste verwerten kann echt spannend sein! Aus trockenem Brot kann man auch Semmelknödel, einen süßen oder herzhaften Brotauflauf, Brotsalat, Brotpudding, Paniermehl, Croutons etc. machen. Man muss also nix wegwerfen und schont Ressourcen. Außerdem macht es Spaß!

Selbstbemächtigung = das, was da ist, verwerten