Apfel-Reste verwerten

Was kann man mit Garten-Äpfeln so alles anfangen? Sie sind schön sauer und etwas mürbe. Und ungespritzt. Fragt mich nicht, wie die Sorte heißt. Es ist eine alte Apfelsorte, vom Geschmack ähnlich wie ein Boskopf.

Also: Die Äpfel werden gewaschen und die faulen Stellen entfernt. Die Schale wird auf der Heizung oder im Dörrautomat getrocknet. Unter der Schale sitzen die meisten Vitamine, daher konserviere ich sie. Später geben sie zudem meinen Kräutertees eine säuerliche Note. Die Äpfel selbst sind im Brotkuchen „gelandet“ (siehe vorherigen Beitrag). Ach ja, da es sich hier um eine alte Apfelsorte handelt, hebe ich die Kerne auf. Vielleicht ziehe ich daraus ein paar Bäumchen. Wer weiß?

Selbstbemächtigung = das, was da ist, verwerten

Holundriö

Es holundert mächtig!

Gerade ist Erntezeit für die schwarzen Holunderbeeren. Man kann sie trocknen, zu Saft, Gelee, Likör oder zu Sirup verarbeiten. Ihre Anthocyane, die wasserlöslichen Farbstoffe, sind für die intensive Färbung der Beeren verantwortlich – und darüber hinaus sehr gesund. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, welche vor alterungs- und krankheitsbedingten Zellschäden schützen.

Inhaltsstoffe Vitamine (C, B) Mineralien (Magnesium, Kalium, Eisen), Schleim- und Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate ätherische Öle. Anwendung Erkältungen, Entzündungen, Eisenmangel, Nieren-/Blasenproblemen, Stress, Hautinfektionen, Insektenstichen, Geschwüren.

Frau Holle

Dort wo der Hollerbusch wächst, ist Frau Holle, die Erdmutter, nicht weit. Der Baum ist der Sitz der Patronin der Spinner*innen und Kinder. Sie ist die  Schutzgöttin der Unterwelt. Früher hat man Opfergaben für Frau Holle unter einen Holunderbusch gelegt. Ein Holunderstrauch birgt den Zugang zur Unterwelt. Manchmal verschwinden Menschen (besonders Kinder, die Schutz benötigen) in der Nähe … Das Märchen „Frau Holle“ bekommt mit diesem Wissen eine tiefere Bedeutung. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Wort Holuntar (Holun = hohl, heilig, günstig, gnädig) ab. Der Holunderbaum gilt als Bauernapotheke, da Blätter, Blüten und Früchte große Heilkräfte (entwässernd, entzündungshemmend, gegen Rheuma, Infektionen …) haben und als Nahrungsmittel dienen. Hat man einen Holunder im Garten, gilt das als Segen. Fällt man ihn jedoch, muss man mit dem Zorn von Frau Holle rechnen. https://monika-rauch.com/2021/05/23/pflanzen-am-fluss/

Verarbeitung

Eigentlich hätte ich auch einen Direktsaft herstellen können, also die Beeren entsaften. Das war mir aber dann doch zu viel Arbeit und der Direktsaft ist nicht so lange haltbar.

Ein Jahr später

Dieses Jahr habe ich den Dampfentsafter meiner Mutter getestet. Wir haben den Holunder ziemlich stark stutzen müssen und daher den Baum zu 90% abgeerntet. Das bedeutete viel Arbeit. Der Vorteil beim Dampfentsaften ist, dass die Stiele dabei sein dürfen. Also muss man nix mit der Gabel abfisseln – Gott sei Dank!

Diesmal wurde der Holunder verarbeitet zu Gelee, als Saft/Sirup (Zucker und Zitronensaft) und als Likör light = Saft + ein ca. 1/4 Wodka
Holundergelee mit „Schuss“: Holunderdirektsaft mit Zitronensaft und etwas Apfelsaft mit Gelierzucker (1:3) kochen und ein Schuss Obstler oder Kirschwasser mitköcheln lassen.
Die restlichen Holunderbeeren wurden/werden im Ofen kurz über 100°C erhitzt und anschließend bei 50°C mit leicht geöffneter Tür getrocknet. Jetzt könnte ich einen Dörrautomatem gebrauchen.

Selbstbemächtigung = dankbar für die Geschenke der Natur (Frau Holle) sein

Wintersonnenwende – die längste Nacht und der kürzeste Tag im Jahr

Ab dem 21./22. Dezember werden auf der nördlichen Halbkugel die Tage wieder länger. Zeitgleich mit der Sonnenwende ist der astronomische Winteranfang. Die Sonne wird neu „geboren“ und steht für den Neubeginn allen Lebens. Der Jahresreigen beginnt von vorne. Das Licht besiegt die Dunkelheit. Unsere Vorfahren nannten die tiefste Nacht des Jahres Mutternacht (althochdeutsch Modranecht) aus dem Glauben heraus, dass die Erdmutter das Licht gebiert. In vielen Kulturen gab es ähnliche Feste zu dieser Zeit, z.B. gab es in den nordischen Ländern das Julfest. Noch heute wünscht man sich in Skandinavien zu Weihnachten „God Jul“.

Weihnachten wurde übrigens genau in diese Zeit gelegt, um die heidnischen Sitten auszumerzen. Lichter in den Tannen symbolisieren den Sieg des Lichtes über die Nacht – genau wie die Geburt Christi Licht in die Welt bringt und das Versprechen der Wiedergeburt. So bleibt uns doch noch etwas Kultur unserer Ahnen erhalten – trotz Christianisierung.

Es kommt Licht ins Dunkel, obwohl der Winter erst im Anmarsch ist. Es wird sicherlich kälter und stürmischer. Aber wir wissen, dass das nur eine Periode ist, die vorüber geht. Die Tage werden länger und die Sonne gewinnt an Kraft.

Zwischen dem 25.12. bis 6.1. liegen zudem die Rauhnächte, in denen sich die Grenzen zwischen unserer und der Geisterwe lt verwischen sollen. Blog: https://monika-rauch.com/2021/12/27/rauhnaechte/

Die Wintermonate bringen Kälte und Dunkelheit mit sich. Wir haben das Bedürfnis, uns auszuruhen. Ist ja auch klar: Im Sommer haben wir maximal 16 Stunden Tageslicht und im Winter um die 8 Stunden. Die Sonne als Stimmungsaufheller fehlt, unser Körper produziert z.B. weniger Vitamin D.

Die Dunkelheit lädt zum Verweilen, Ausruhen, Nachdenken an. Wir können die Zeit nutzen für Treffen mit der Familie oder Freunden, dabei wird erzählt, gelacht und nachgedacht. Wir mögen das vielleicht nervig finden – nachmittags ab 16.00 Uhr dämmert es bereits – aber diese Zeit hat durchaus ihre Qualität:

Arbeiten, die im Sommer liegen geblieben sind, werden jetzt erledigt. Ich rebele meine getrockneten Kräuter und mache daraus Tees, Auszüge, Tinkturen oder Salben. Oder ich reinige unsere Möbel gründlich. Manchmal überkommt es mich und ich flicke Wäschestücke oder nähe Knöpfe an. Gerne gehe ich raus und versuche etwas Tageslicht abzubekommen und ich liebe es zu saunieren, was eine Option ist, Altes rauszuschwitzen und Energie zu laden.

Jetzt haben wir Zeit und Muße für kreative Arbeiten. Denn alles, was Spaß macht, lässt Glückshormone im Körper kreiseln und das ist doch so ähnlich wie mit Sonnenlicht.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich mich darüber aufgeregt hatte, dass ich so wenig Tageslicht abbekomme. Doch mittlerweile ist die Dunkelzeit mein Freund geworden. Ich nehme sie als Geschenk an für das ich dankbar bin.

Wann habt Ihr Euch das letzte Mal Zeit genommen zum: Märchen und Geschichten erzählen, Kochen, Backen, Handarbeiten, Malen, Musizieren, Schnitzen, Werkeln …?

Und könnt Ihr es aushalten, stille zu werden und das Zeitenrad anzuhalten, einfach nichts tun und nichts denken?

Tatsächlich nennt sich der kürzeste Tag im Jahr „Thomastag“. Das Zeitenrad wird angehalten und nimmt nach der Sonnenwende wieder Schwung auf. In Norddeutschland gibt es seit Jahrhunderten die Sitte, dass alles, was Räder hat, weggestellt oder angehalten wird. Falls etwas mit Rädern draußen steht, wird es kurzerhand versteckt (oder gestohlen).

Habt eine gute Dunkelzeit und macht das, was Euch Spaß macht.

Monika