Der nackte Dezember

Der Dezember bietet sich an, in Schwarzweiß zu fotografieren.

Die Natur zeigt sich nackt; Blätter und Blüten sind verschwunden. Es wirkt traurig, kahl und trostlos: Kein Blätterrauschen und Vogelgezwitscher, nix Grünes. Das Grundgerüst aber bleibt. Die toten Äste und abgestorbenen Pflanzen werden vom Wind abgeschüttelt und weggeweht. Sie zersetzen sich und dienen als Nährboden für neues Leben. Unter der Erde geben die Wurzeln Halt und die Rhizome warten auf das Signal des Frühlings.

Alles geht zurück in den Kreislauf der Natur.

Für mich ist es überhaupt nicht trostlos, durch den Dezember zu gehen. Ich stehe da in meiner Nacktheit und werde schützend umhüllt. Ich nehme die Ruhe und Dunkelheit dieses Monats als Einladung, meine toten Zweige abzuwerfen. Als Dünger können sie sogar neues Wachstum befeuern.Der Frühling wird kommen und in seinem Licht werde ich neue Möglichkeiten erkennen.

Die Knospen warten auf den Frühling. Und manche erblühen bereits im Winter.

Fotos: Monika Rauch

Heimat

Wenn ich in der Wetterau unterwegs bin, fühle ich eine tiefe Verbundenheit mit dem Land und den Menschen. Hier ist meine Heimat. Schon als Kind streifte ich durch die Lande – immer auf der Suche nach einem kleinen Abenteuer.  Im Grunde hat sich wenig verändert, unter all den Erfahrungen bin ich immer noch die Alte. Vielleicht ist manches verschütt‘ gegangen. Meine Heimat erinnert mich an mein ursprüngliches Ich. Sie mahnt mich heute, mir meine Geschichte anzuschauen und in Frieden zu bringen.

Ich lebe mittlerweile mehr als die Hälfte meines  Lebens in einem anderen schönen Ort. Es könnte meine Heimat sein, aber es fühlt sich nicht so an.

Es ist nicht das Wohnen, es ist die Prägung: Hier bin ich geboren und aufgewachsen; ich ging in den Kindergarten und zur Schule, fand Freunde und hatte meine Clique.  Das ist der äußere Rahmen. Innerlich wurde ich groß, ich fühlte und spielte, erlebte die Welt, wurde geführt und losgelassen. Ich lernte die Musik lieben und fand meinen Glauben. Ich lebte sehr gerne hier weil ich meinen festen Rahmen hatte. Trotzdem verließ ich meine Heimat – auf der Suche nach Abenteuern und neuen Wegen.

Heute führen mich verschiedene Umstände zurück und ich besuche die alten Orte. Sie berühren und beruhigen mich immer noch. Aber am meisten schätze ich die Natur dort. Die alte Landschaft, die mich bei meinen Wanderungen hält und tröstet.

Meine Heimat ist dort, wo ich meinen Ursprung habe. Beim Laufen klären sich die Gedanken, so dass ich neue Wege gehen kann.

Fotos: Monika Rauch

Zwischen Nieder-Rosbach und Rodheim vor der Höhe

Im November 2020

Ewigkeitssonntag

(Totensonntag)

Evangelischer Gedenktag an die Verstorbenen und letzter Sonntag im Kirchenjahr.

Heute bin ich über den Friedhof gelaufen und habe mir die Gräber angeschaut. Dabei fielen mir die lieben Menschen ein, die mein Leben begleiteten. Sie haben mir etwas von sich gezeigt und mir dabei verholfen, die zu werden, die ich bin.  Sie begleiteten mich – liebevoll, streng, locker, lustig und manchmal ärgernd. Heute ist Ewigkeitssonntag, einige meiner Familie und Freunde und Bekannten leben nicht mehr. Ich bin dankbar dafür,  dass sie bei mir waren. In meinem Herzen bewahre ich die Erinnerung an sie.

Ich bin traurig, dass sie nicht mehr präsent sind. Und doch: Ich glaube an die Unsterblichkeit unserer Seelen. Daher schaue ich mit Zuversicht auf das neue Kirchenjahr, das nächste Woche mit dem 1. Advent beginnt.

Der Kreis schließt sich.

Welcher Trigger beißt Dich?

Trigger sind die fiesen kleinen Monster, die Dich in Nullkommanix auf 180 bringen.

Kennst Du das? Du ärgerst Dich gewaltig und wenn einer was Falsches sagt, geht’s rund: Du wirst aktiv und machst ihn einen Kopf kürzer. Oder Du bist so verletzt, dass Du die Freundschaft aufkündigst, schreibst einen saftigen Kommentar auf Facebook oder es gibt Kloppe.

Momentan, in der Pandemie, flammen viele Aggressionen auf, besonders in den sozialen Netzwerken. Man könnte sie beinahe schon als asozial bezeichnen.

Corona, das Virus, wütet und bringt zutage, was schon lange gesehen werden will.

Es wütet nicht nur im Körper – es wütet auf der ganzen Welt und in uns drinnen.

Genauso, wie ein Virus seine Genetik in die Körperzellen einschleust und ganze DNA umbaut, bemächtigt es sich der Informationen, die wir in unserer Seele gespeichert haben und nistet sich ein. Die Seele möchte ihre „Schätze“, die alten Erlebnisse und Gefühle, nicht anrühren. Schlimme Geschichten, die wir manchmal mit uns rumschleppen. Oft ist das uns gar nicht bewusst! Man hat sich ja lange arrangiert mit dem Gefühlsmix.

Jetzt kommt dieser Schmarotzer und nagt an uns. Es geht um die negativen Emotionen, die in uns schlummern und immer mal zum Vorschein kommen, wenn wir gerade angetriggert* werden.

Das Wort Trigger* wird in der Trauma-Psychologie verwendet: Alte Gefühle von einschneidenden Erlebnissen werden durch Trigger freigesetzt. Diese lassen die Stresshormone im Körper hochfahren und es kommt zu Handlungen, die kaum beeinflussbar sind: Man gerät in Schockstarre, kann sich nicht rühren, oder man fängt an zu zittern, schreien, rennen, weinen, wüten …

Die Auslöser dafür, die Trigger, können Geräusche, Stimmungen, Gerüche, Aussehen/Stimmlage/Mimik Deines Gegenübers, bestimmte Redewendungen usw. sein.

Trigger sind Erinnerer an früher Erlebtes.

Das Virus ist in Aktion, es flasht uns. Wir haben Angst um unseren Job, vor finanziellen Einbußen und vor dem Tod. Wir sorgen uns. Das macht uns wütend, traurig, hilflos. Alte Gefühle kommen hoch und rollen über uns hinweg. Sie veranlassen uns, dass wir uns nicht mehr im Griff haben, ausrasten, austicken. Sie sind auch die Ursache für die Kommentare in den Netzwerken. Manchmal komplett unsachlich, beleidigend, sich ereifernd, nervend, foppend, lauernd, Schuld zuweisend usw. Auch die sogenannten „Hater“ und „Trolle“ sind angetriggert. Sie lassen ihren Frust ungebremst heraus.

Ein Troll kommt öfter mal hoch, vielleicht auch bei Dir? Kann es sein, dass Deine Wut ein „Flashback“ auf früher Erlebtes ist?

Das Virus polarisiert, d.h. es lockt aus der Deckung, es fordert auf, sich zu stellen. Wir sind da nicht allein, das passiert überall auf der Welt.

Könnte es sein, dass das Virus im übertragenen Sinn das Konglomerat sämtlicher unverdauter und unverarbeiteter Ängste und Traumata des gesamten Kollektives darstellt?

Sind wir gehalten, unser Verhalten zu überprüfen, Belastendes abzulegen und Vertrauen zu gewinnen? Sollen wir unterscheiden lernen, was wichtig oder unwichtig ist?

Führt uns die äußere Unfreiheit dahin, dass wir uns innerlich befreien?

Wir waren so busy, immer wichtig, auf dem Sprung, am PC, zogen uns Serien rein, shoppten, flogen durch die Welt, permanent beschäftigt. Größer, schneller, weiter… mehr und mehr.

Auf einmal stand für einen Moment die Zeit still. Wir waren locked down, out of order. Jetzt geht es wieder „normal“ weiter.

Es wird Zeit, etwas zu tun!

Schau Dir Deine Biografie an, forsche nach den Ursachen Deiner Wut, Traurigkeit und Unzufriedenheit. Schau‘ nach Deinen Beziehungen. Hast Du etwas zu verzeihen und solltest Du jemanden um Verzeihung bitten? Stelle Dich Deinen Ängsten. Überlege Dir, was Du gerne tun würdest und tu es. Lass den alten Kram bewusst los und schau‘ liebevoll auf Dich und Deine Mitmenschen.

Stell‘ Dir mal vor, die meisten Menschen dieser Erde würden positiv, mit Spaß und Liebe leben …

… dann würde eine völlig neue Zeit anbrechen.

Vielleicht können wir jetzt, mitten in „Corona“, damit anfangen?

Bleib‘ gesund und lass‘ Dich nicht beißen!

Magische Momente

Magischer Moment

Kennst Du das? Du gehst spazieren, die Sonne bestrahlt einen Baum oder Dir offenbart sich ein schönes Panorama nach dem Du einen Berg erklommen hast. Plötzlich ist alles ganz anders. Es ist wie wenn ein Schalter umgelegt wird: Du fühlst Dich gut, eins mit Dir selbst und der Natur.

Wetterau

Ein anstrengender Arbeitstag liegt hinter mir, es ist immer noch sehr warm und ich laufe durch die leuchtende Landschaft. Neugierig gehe ich Wege, die ich bisher noch nicht kannte. Hinter jedem Hügel, jeder Kurve gibt es andere Überraschungen.

Tiere
Der Himmel so weit

Was kommt als Nächstes?

Augenblicke

Manchmal muss man sich einfach nur auf den Weg machen und sich auf die Magie der kleinen Dinge einlassen.

Ausblicke
Wann habe ich das letzte mal geschaukelt, zum Himmel und zurück?

Genau die kleinen Dinge helfen Dir, wieder „runterzukommen“ und manches klarer und/oder gelassener zu sehen.

Komm‘ mit und staune!

Wenn Du durch Wiesen, Felder und Wälder streifst und Dich mit allen Sinnen der Natur hingibst, wirst Du spüren, dass sich Deine Gedanken entwirren, Du ruhiger wirst und mehr bei Dir ankommst. Du siehst klar und bist klarer.

Wohin führt der Weg?

Das nenne ich Selbstbemächtigung: Sich mit der Natur verbinden, ist ein wichtiger Aspekt, wenn Du innere Freiheit erlangen möchtest. Denn vergiss nicht, dass wir Naturwesen sind. Oft berauben wir uns selbst dieser Grundlage, indem wir uns von schnellen Autos, toller Technik, Geschäftigkeit und Wichtigkeit von unserem Wesenskern ablenken lassen.

Bei meinen Spaziergängen, meist mit Hundi, erlebe ich immer wieder neues Altbekanntes:

Hinter jeder Hecke, um jede Ecke erwarten mich Ausblicke und Einblicke. Meine Sinne schärfen sich, wenn ich dem Summen der Mücken und dem Gezwitscher der Vögel lausche oder das gärende Obst rieche. Beim Laufen durch die feuchten Wiesen halten meine Stoffschühchen nicht durch, das ist etwas gewöhnungsbedürftig. Das kann ich aber aushalten.

Mit vollem ❤ und ganz bewusst tauche ich in die Natur ein und werde reich beschenkt: mit Farben, Formen, Blumen, Wiesen, Bäumen.  Und mit innerer Ruhe.

Spätsommerrose

Leise schleicht sich der Herbst ein. Die Rose erinnert an die üppige Blühzeit zu Beginn des Sommers.

Das, was uns damals beschäftigt hat, ist vielleicht schon vergangen. Aber es hallt noch nach.

Wenn ich die Rose sehe, freue ich mich über ihre Schönheit. Sie wird irgendwann ihre Früchte zeigen und sich dann zurückziehen.

So ist es mit allem: Es lebt, blüht, bringt Früchte, wirft Samen und stirbt. Das ist der Reigen des Lebens. Wir sind dem unterworfen.

Vielleicht sollten wir genau heute darüber nachdenken, wie wir unsere eigene „Natürlichkeit“ zurückerlangen? Damit es sich gut anfühlt – unser Leben.

Foto: Monika Rauch

Rundreise 7. Etappe: Mecklenburgische Seenplatte

Mecklenburg-Vorpommern ist landschaftlich umwerfend schön. An jeder Ecke blitzt ein See. Es gibt Hügel und mit Heide bewachsene Ebenen, verschlafene Dörfchen und lebhafte Kleinstädte. Und immer wieder Wasser. Es hat viele Campingplätze in exklusiven Lagen, die meisten davon sind sehr gut ausgestattet. Ebenso hat es ein großes Angebot an Ferienwohnungen. Für unseren kurzen Aufenthalt kamen die nicht in Frage, so mussten wir uns mit Hotels mit sehr schlechtem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden geben (z.B. Billigprodukte beim Essen, Tönjes lässt grüßen). Wir sind eher keine Camper, aber mittlerweile erwägen wir ernsthaft, den nächsten Urlaub auf einem Campingplatz zu verbringen. Mal sehen …

Momentaufnahmen
Burg Stargard ist die einzige erhaltene, mittelalterliche Höhenburg in Norddeutschland und das älteste weltliche Bauwerk Mecklenburg-Vorpommerns.
Burg Stargard
Kräutergarten der Burg
Burg Penzlin: Hier wird die Hexenverfolgung von Mecklenburg-Vorpommern dokumentiert. Schon eklig, was sich unsere Vorfahren so ausgedacht haben, um Andersdenkende/Unliebsame/Frauen „auszuschalten“. Es ging um Neid, Hass, Groll, Eifersucht, Gier, Macht und Geld. Das Foto zeigt die Burgküche mit dem Kamin.
Plau am See: Sehr hübsches ruhiges Dörfchen mit Buckelpflaster.
Jabow
Malchow: Die Drehbrücke is geöffnet, die Schiffe haben freie Fahrt.
Abendausklang am Tollensesee

Nachdem wir ca. 1500 km, teilweise mit einem Schnitt vom 30 km/h, gefahren sind, beschlossen wir, die Rückreise anzutreten.

Stockrosenträume

Familie: Malvengewächse

Hier in Norddeutschland wachsen sie überall. In den Bauerngärten, aber auch am Wegesrand. Oder sie quetschen sich durch Risse im Asphalt.

Stockrosen bilden Samen und sterben ab, weil ihre Kraft in die Produktion der Samen geht. Die Pflanze trägt erst im 2. Jahr Blüten. Ein Absterben der Pflanze kann man verhindern,  indem man sie vor der Samenbildung zurückschneidet.

Setzt die Pflanze „Rost“ (eine Pilzerkrankung) an, ist es am besten, die befallenen Triebe abzuknipsen. Und noch ein Trick: Die Pflanze in den Wind stellen, dass die Blätter gut abtrocknen können.

Die Pflanzen brauchen viel Licht und einen durchlässigen Boden. Die Erde sollte trocken  sein oder leicht feucht.

Als Heilpflanze kann man sie auch nutzen: Blätter, Blüten, Samen, Wurzeln kann man für Tees oder Auszüge trocknen. Die Heilkräfte sind wie bei Eibisch, Hibuskus und Malve, da sie mit diesen Pflanzen verwandt ist.

Und ich freue mich einfach nur, wenn ich sie in ihrer vollen Größe sehe.

Fotos: M. und C. Rauch

Rundreise 6. Etappe: Potsdam bei Regen mit qualmenden Füßen

Potsdam ist mehr als 1000 Jahre alt. Sie war Residenz- und Garnisonstadt preußischer Könige, Hof-, Militär- und Behördenstadt.

Alter Markt

Potsdam hat Flair! Es muss nicht Paris sein, auch nicht Berlin. Die Stadt ist überschaubar, die meisten Sehenswürdigkeiten sind fußläufig erreichbar.

Landtag
Holländisches Viertel

Es hat viele kleine individuelle Läden und Cafés. Die Menschen sind sehr offen und freundlich. Hier pulsiert das Leben!

Regenguss abwarten in der Altstadt
Brandenburgser Tor und Eingang vom Park Sanssouci
Sanssouci diente Friedrich dem Großen als Erholungsstätte
Historische Windmühle Sanssouci: Hier ranken sich Legenden und eine wahre Geschichte über einen Streit mit dem Müller und dem Adel.

Wir verbrachten hier einige intensive Stunden. Die Socken qualmten, wir haben geschwitzt und sind nass geworden. Aber es hat sich gelohnt.