Winterwuchs

Ende Januar ist die Kraft der meisten Pflanzen noch im Boden, also in den Wurzeln. Und trotzdem, wenn man genau schaut, wagen sich schon einige Triebe von Kräutern heraus. Salat, Dipp, Pesto oder Kräuterbutter können mit den jungen zarten Blättchen aufgepimpt werden. Dafür sollten wir nur die von innen wachsenden Blättchen verwenden. Die gröberen Kräuter sind vielleicht zu faserig oder bitter, diese kann man eher für Tee verwenden.

Hinweis: Vorsicht vor Doldenblütlern! Diese (und alle anderen Kräuter auch) bitte nur verwenden, wenn man sich 100% sicher ist. Es gibt ein paar sehr giftige Kräutlein darunter. Siehe dazu meinen Bericht über den Schierling: https://monika-rauch.com/2021/04/10/schierling/

Von Löwenzahn, Karde und Distel kann man die Wurzeln ausgraben und verwenden als Kaffee, Tee und Gemüse – sie sind oft oft bitter, was wiederum gut für die Leber und Galle ist.
Außer der Goldnessel und die Samen der Wilden Möhre (geht gut als Gewürz) und ggf. dem Hungerblümchen, bitte nichts(!) davon essen oder trinken. Vergiftungsgefahr!
Diese Pflanzen sind eßbar und liefern bereits in der kalten Jahreszeit Vitamine und Mineralstoffe.
Grünkohl ist ein typisches Wintergemüse. Das Kräutlein in der Mitte ist zu 97 % Kerbel. Das sagen die App und mein Geruchssinn. Trotzdem, ich nehme nix davon, die 3% könnten auch giftige Verwechsler sein.

Als ich wieder unterwegs war, habe ich ein wenig gesammelt für ein Widkräuterpesto und Kräuterbutter. Dazu gibt’s einen Blog: https://monika-rauch.com/2022/01/25/winterkraeuter-pesto-und-butter/

Update/Anfang Februar

Haselstrauch: Haselkätzchen, die männlichen Samenstände der Haselnuss, sind ideal als Reinigungskur in der Vorfrühlingszeit: Als Tee wirken sie schweißtreibend, entschlackend und kreislaufanregend. Das liegt an den Inhaltsstoffen, die reich an Flavonoiden, β-Sitosterin, organischen Säuren, Enzymen, Mineralstoffen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen sind. Die Hasel ist ein Birkengewächs.

Der Haselstrauch – ein Birkengewächs

Ein Tee aus den männlichen Haselkätzchen dient der innerlichen Reinigung und passt jetzt wunderbar in die Zeit des Vorfrühlings.

Die Birke ist ein Pioniergewächs. Sie siedelt sich aufgrund ihrer Beschaffenheit und ihres schnellen Wachstums auf Brachland an und bereitet es für nachfolgende Pflanzen vor. Die Hasel hat ähnliche Eigenschaften und bietet zudem noch Nahrung für Mensch und Tier. Die Birke ist also das erste, was da ist und bereitet das Leben vor. Daher verdankt die Birke wahrscheinlich ihren Namen der keltisch-irischen Muttergöttin Briget – ebenso die Namen Birgit, Brigitte, Burgund, Bregenz …

Die ersten Monate des Jahres dienen der inneren und äußeren Reinigung. Die Frühlingswinde rütteln am Geäst und alter Balast wird weggefegt.

In der Mythologie war Brigid die mächtigste und beliebteste Göttin der irischen Kelten (ähnlich wie unsere Frau Holle/Holda/Hulda/Perchta/Freya/Frigga). Als Muttergöttin war sie Schutzherrin von Vieh und Ernte und hat den Menschen alles beigebracht, was sie zum Leben brauchten.

So können wir davon ausgehen, dass für uns gesorgt ist. Die Natur stellt tatsächlich alles bereit, was wir im Moment brauchen.

Der Löwenzahn setzt schon Blüten an. Die Korallenbeere ist mit dem Schneeball verwandt. Beide sind Geißblattgewächse.
Korallenbeere: Forscher haben herausgefunden, dass diese Pflanze Atemnot bei Asthmatikern verhindern könnte.  Man geht davon aus, dass Wirkstoffe der Blätter Asthma-Anfälle und die Entstehung von Krebs verhindern. Die Forschung ist dabei, Bakterien zu kultivieren, die in der Korallenbeere bestimmte Proteine produzieren. Aber bitte nicht die Beere einfach konsumieren, sie ist giftig: Die Saponine und die in sehr geringen Mengen enthaltenen Solanine können Magen- und Darmbeschwerden hervorrufen.
Scharbockskraut ist gut gegen Skorbut (siehe unten). Der kriechende Hahnenfuß ist bekannt als gelbes Butterblümchen und ist giftig. Der sumpfblättrige Ampfer ist mit unserem Sauerampfer verwandt und leicht giftig.
Scharbockskraut: Es hilft aufgrund seines hohen Vitamin-C-Gehaltes gegen Skorbut, Scharbock = Skorbut. Die jungen Blätter peppen die Frühjahrsküche auf, z.B. in Kräuterbutter, Pesto, Quark und Salaten. Ältere Scharbockskrautblätter bekommen einen unangenehm stechend-scharfen Geschmack. Das liegt daran, dass sich ab der Blütezeit (ca. Ende März) der schwach giftige Stoff Protoanemonin bildet. Dieser kann zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Ab Mitte März bilden sich die gelben sternchenförmig angeordneten Blüten. Ab da die Finger weg vom Kraut lassen! Die Blütenfotos sind von Pixabay – herzlichen Dank!

Update/Anfang März

Langsam geht der Spätwinter in den Vorfrühling über. Die Sonne gewinnt an Kraft und viele Zwiebelblumen und Frühblüher wagen sich aus der Erde. Allerdings ist es nachts noch empfindlich kalt.

Da die Bäume noch unbelaubt sind und die Erde noch recht „blank“ ist, kann man Kräuter viel leichter finden. Ich weiß jetzt endlich, wo ich Giersch finde. Den will ich nicht im Garten ansiedeln, aber ab und zu verspeisen.

Selbstbemächtigung = die Schätze der Natur entdecken.

Wunderbares Hagebuttenöl

Hagebutten sind die (Schein-)Früchte aller Rosenarten. Am gehaltsvollsten sind die Früchte der Wildrose (Hundsrose), die als Hecken Felder und Gärten begrenzen oder an Waldrändern auftreten.

Schalen und Kerne der Hagebutten beinhalten viel Vitamin C sowie andere Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Durch ihre besondere Zusammensetzung ist die Hagebutte bei Arthrose und Rheuma und bei Hauterkrankungen wie z.B. bei Neurodermitis und bei Narben wirksam. Die Frucht wirkt innerlich und äußerlich angewendet.

Dieses Jahr gab es eine reiche Ernte an Hagebutten. Einen Teil davon trocknete ich für Pulver oder Tee (siehe Blog: https://monika-rauch.com/2021/12/30/puelverchen/). Einen anderen Teil verarbeitete ich frisch zu Öl und Salbe.

Ölherstellung

1. Die gesäuberten Hagebutten im Mixer mit Mandelöl (oder einem anderen hochwertigen Öl) pürieren. Möglichst auch die Kerne zerkleinern. Darauf achten, dass das Öl nicht heißläuft. 2. Die Masse im Topf erwärmen bei ca. 70°C (nicht frittieren!). Für ca. 1 Stunde und ggf. einem Tag abgedeckt ausziehen lassen. 3. Abfiltern Mit einem Metallsieb das Grobe und anschließend nochmals durch ein Baumwolltuch fein abfiltern. Das Baumwolltuch nutzen, um das gesamte Öl auszupressen. 4. Das Öl in dunkle Flaschen füllen, die Haltbarkeit kann mit einigen Tropfen Vitamin E-Öl verlängert werden.

Salbenherstellung

Das Hagebuttenöl erwärmen, Bienenwachs und etwas Sheabutter einrühren. Als Faustformel gilt: etwas ein Zehntel bis ein Fünfzehntel der Flüssigkeit an Bienenwachs plus 1 – 2 Teelöffel Sheabutter. D.h. bei 100ml Öl, sollte man 10 bis 15 g Bienenwachs verwenden.
Dann in Behälter einfüllen und für den Duft einige Tropfen ätherisches Öl einrühren. Ich wählte „Rose“, weil die Hagebutte die Frucht der Rose ist.

Was bei pflanzlichen Ölen unbedingt beachtet werden soll

Die Verschlüsse der Tigel und Fläschchen sollten erst nach vollständiger Abkühlung geschraubt werden. Bis alles kalt ist, lege ich ein Küchenpapier auf die Behälter. Wenn man die Behälter warm zuschraubt, besteht die Gefahr, dass Kondenswasser auf das Öl bzw. die Salbe geht und das könnte dazu führen, dass das Fett schneller verdirbt. Die Salbe ist ziemlich lange haltbar, weil Bienenwachs ein gutes Konservierungsmittel ist. Das Öl kann schneller verderben. Wichtig bei Ölen und Salben ist die Verwendung von sauberen und trockenen Gerätschaften. Zum Schluss werden die Tigel und Behälter beschriftet mit Inhaltsstoffen und Datum.

Meine Erfahrung

Das Öl ist mein Zaubermittel! Ich tupfe es auf meine neurodermitischen Stellen, die werden gut in Schach gehalten und verschwinden, tagelang – bis zum nächsten Schub. Der Juckreitz ist weg! Und das Beste: Ich verteilte die Ölreste regelmäßig auf Hals und Dekolleté. Nach einiger Zeit verblassten meine braunen (Alters-)Flecke am Hals. Meine Hoffnung ist, dass die Flecke eines Tages vollständig verschwinden. Mittlerweile hole ich das Öl bei jedem Hautproblem. Auch Narben werden dadurch weicher.

Selbstbemächtigung = herausfinden, was heilt

Pülverchen

Was mache ich nur mit den vielen Orangenschalen und Hagebutten?

Orange macht glücklich

Trocknen Am besten geht das im Ofen oder auf der Heizung. Oder im Dörrautomat. Wenn die Schalen noch weich sind, können sie auch aufgefädelt und an einem trockenen Platz aufgehängt werden.

Zerbröseln und zerkleinern Was für eine Heidenarbeit!

Die Hagebutten wurden zunächst gemörsert. Dabei versuchte ich, die kleinen „Juckhäarchen“ rauszufiltern. Anschließend kamen Kerne und Schalen in die Mühle. Ich musste gut darauf achten, dass die Mühle nicht heißlief. Es hat lange gedauert, bis ich mit der Körnung zufrieden war.

Bereits unsere Vorfahren wussten seit Jahrtausenden um die Haltbarmachung von Naturprodukten durch Trocknung und Pulverisierung. Ist die mühsame Prozedur abgeschlossen, kann man das Pulver schnell nutzen.

Die Orangenschalen ließen sich nicht gut auseinanderbrechen, das anschließende Zermahlen ging dann aber einfacher.

Wo kann man die Pülverchen einsetzen? Zum Verfeinern von Dressings und Soßen oder als Vitaminspender übers Müsli, in Smoothies und in den Tee. Auch möchte ich demnächst Kräuterbonbons herstellen … Ich werde es ausprobieren.

Die Schalen der Orangen und der Hagebutten enthalten die Farbstoffe Carotinoide. Diese sorgen für die Orange- und Gelbfärbung von Nahrungsmitteln. Immunsystem, Verdauung und Stoffwechsel werden durch sie stimuliert. Auch sagt man ihnen eine krebsvorbeugende Wirkung nach, vor allem im Bereich der Lungen. Pflanzenfarbstoffe werden für die Abwehr von Fraßfeinden gebildet und für ihren Stoffwechsel sowie zur Unterstützung der Photosynthese. Diese Mechanismen kann man mitessen und sie zeigen beim Menschen Wirkung.

Schalen und Kerne der Orangen und Hagebutten beinhalten zudem viel Vitamin C, Kalium und eine große Palette an anderen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Ätherische Öle in den Früchten sorgen für Wohlbefinden, Beruhigung und somit für den Abbau von Stress.

Die enthaltenen Antioxidantien sind chemische Verbindungen, die die Oxidation anderer Substanzen verlangsamen bzw. verhindern. Sie neutralisieren sogenannte „freie Radikale“ und sollen somit zu einem verminderten Krankheits­risiko beitragen. „Oxidativer Stress“ bedeutet, dass die Körperzellen durch Oxidation belastet werden, d.h. die Zellen altern, sterben ab oder sind tumoranfällig.

Also liebe Leute, verwertet die Schalen und Kerne der Früchte! Sie sind teilweise gehaltvoller als das Fruchfleisch selbst. Fruchtschalen werden durch die Trocknung haltbar gemacht und können gerade in der kalten Jahreszeit unser Immunsystem boostern! Man kann sie auch als Tinkturen oder Ölauszüge ansetzen. Eurer Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. 😃

Selbstbemächtigung = Pülverkens für die Gesundheit nutzen

Apfel-Reste verwerten

Was kann man mit Garten-Äpfeln so alles anfangen? Sie sind schön sauer und etwas mürbe. Und ungespritzt. Fragt mich nicht, wie die Sorte heißt. Es ist eine alte Apfelsorte, vom Geschmack ähnlich wie ein Boskopf.

Also: Die Äpfel werden gewaschen und die faulen Stellen entfernt. Die Schale wird auf der Heizung oder im Dörrautomat getrocknet. Unter der Schale sitzen die meisten Vitamine, daher konserviere ich sie. Später geben sie zudem meinen Kräutertees eine säuerliche Note. Die Äpfel selbst sind im Brotkuchen „gelandet“ (siehe vorherigen Beitrag). Ach ja, da es sich hier um eine alte Apfelsorte handelt, hebe ich die Kerne auf. Vielleicht ziehe ich daraus ein paar Bäumchen. Wer weiß?

Selbstbemächtigung = das, was da ist, verwerten

Holundriö

Es holundert mächtig!

Gerade ist Erntezeit für die schwarzen Holunderbeeren. Man kann sie trocknen, zu Saft, Gelee, Likör oder zu Sirup verarbeiten. Ihre Anthocyane, die wasserlöslichen Farbstoffe, sind für die intensive Färbung der Beeren verantwortlich – und darüber hinaus sehr gesund. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, welche vor alterungs- und krankheitsbedingten Zellschäden schützen.

Inhaltsstoffe Vitamine (C, B) Mineralien (Magnesium, Kalium, Eisen), Schleim- und Gerbstoffe, Kaffeesäurederivate ätherische Öle. Anwendung Erkältungen, Entzündungen, Eisenmangel, Nieren-/Blasenproblemen, Stress, Hautinfektionen, Insektenstichen, Geschwüren.

Frau Holle

Dort wo der Hollerbusch wächst, ist Frau Holle, die Erdmutter, nicht weit. Der Baum ist der Sitz der Patronin der Spinner*innen und Kinder. Sie ist die  Schutzgöttin der Unterwelt. Früher hat man Opfergaben für Frau Holle unter einen Holunderbusch gelegt. Ein Holunderstrauch birgt den Zugang zur Unterwelt. Manchmal verschwinden Menschen (besonders Kinder, die Schutz benötigen) in der Nähe … Das Märchen „Frau Holle“ bekommt mit diesem Wissen eine tiefere Bedeutung. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Wort Holuntar (Holun = hohl, heilig, günstig, gnädig) ab. Der Holunderbaum gilt als Bauernapotheke, da Blätter, Blüten und Früchte große Heilkräfte (entwässernd, entzündungshemmend, gegen Rheuma, Infektionen …) haben und als Nahrungsmittel dienen. Hat man einen Holunder im Garten, gilt das als Segen. Fällt man ihn jedoch, muss man mit dem Zorn von Frau Holle rechnen. https://monika-rauch.com/2021/05/23/pflanzen-am-fluss/

Verarbeitung

Eigentlich hätte ich auch einen Direktsaft herstellen können, also die Beeren entsaften. Das war mir aber dann doch zu viel Arbeit und der Direktsaft ist nicht so lange haltbar.

Ein Jahr später

Dieses Jahr habe ich den Dampfentsafter meiner Mutter getestet. Wir haben den Holunder ziemlich stark stutzen müssen und daher den Baum zu 90% abgeerntet. Das bedeutete viel Arbeit. Der Vorteil beim Dampfentsaften ist, dass die Stiele dabei sein dürfen. Also muss man nix mit der Gabel abfisseln – Gott sei Dank!

Diesmal wurde der Holunder verarbeitet zu Gelee, als Saft/Sirup (Zucker und Zitronensaft) und als Likör light = Saft + ein ca. 1/4 Wodka
Holundergelee mit „Schuss“: Holunderdirektsaft mit Zitronensaft und etwas Apfelsaft mit Gelierzucker (1:3) kochen und ein Schuss Obstler oder Kirschwasser mitköcheln lassen.
Die restlichen Holunderbeeren wurden/werden im Ofen kurz über 100°C erhitzt und anschließend bei 50°C mit leicht geöffneter Tür getrocknet. Jetzt könnte ich einen Dörrautomatem gebrauchen.

Selbstbemächtigung = dankbar für die Geschenke der Natur (Frau Holle) sein