Beim Laufen entdeckte ich eine Fichte mit vor Harz triefenden Zapfen. Zwei davon erntete ich vorsichtig, zerkleinerte sie und ließ sie einige Stunden in heißem Olivenöl aus. Normalerweise erntet man das Harz von Bäumen, indem man es vorsichtig von der Rinde abschabt. Bäume produzieren Harz um Wunden zu verschließen. Das Harz schützt vor Pilzen, Bakterien und Viren. Es legt sich wie eine zweite Haut über die Wunde und schützt sie dadurch. Beim Sammeln muss man darauf achten, dass man keine alten Wunden aufreißt.
Fichte (Picea)
Das Harz der Fichte wirkt u.a. antiseptisch, durchblutungsfördernd, entzündungshemmend und krampfmildernd.
Links ein Bild der Blaufichte, die früher oft als Weihnachtsbaum verwendet wurde. Heute nimmt man eher Tannen, denn diese haben weichere Nadeln und rieseln weniger. „Die Fichte sticht – die Tanne nicht.“ Ein weiteres Merkmal der Fichte ist, dass die Zapfen hängen. Bei Tannen stehen die Zapfen wie Kerzen am Baum und zerbröseln, wenn sie abfallen. Fichten und Tannen sind eng miteinander verwandt und haben ähnliche heilwirksame Inhaltsstoffe.
Weide (Salix)
Weide (Salix) – es gibt verschiedene Weidenarten, die ähnlich in ihren Heilwirkungen sind. Das linke Foto zeigt eine Trauerweide.
Das darin enthaltene Salicin besitzt schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften und dient als sanfte Alternative zu Salicylsäure. Tatsächlich wurde Salicin im 19. Jahrhundert zur Entwicklung von Aspirin verwendet. Weide scheint die Schmerzen langsamer zu lindern als Aspirin, aber ihre Wirkung kann länger anhalten. Zum warmen Harz-Öl gebe ich noch getrocknete Ästchen und Blätter der Weide hinzu und lasse es für einige Stunden mit ausziehen. Danach wird das Öl gefiltert bis alle Rückstände entfernt sind.
Zusätzlich kann man noch Kaffeepulver mit ins Öl geben, ich habe mich diesmal dagegen entschieden. Kaffee wirkt u.a. Haut stimulierend.
ZubereitungSchmerzsalbe
Der Ölauszug aus Weide und Fichtenharz wird mit Bienenwachs, Kakaobutter, etwas Lanolin (insgesamt 15 – 20 % Festmasse im Verhältnis zum Öl) erwärmt. Wenn sich die festen Bestandteile aufgelöst haben, kommen einige Tropfen ätherische Öle hinzu (ca. 15 Tropfen auf 100 ml). Diesmal entschied ich mich für Fichte und Strohblume. Die Strohblume wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und fördert die Hautheilung. Die noch flüssige Salbe wird in Tigel abgefüllt. Nach dem Abkühlen werden die Döschen verschlossen und beschriftet.
Anwendung
Die Salbe lindert Spannungsschmerzen (z.B. bei Rückenproblemen), Muskelkater, blaue Flecke … In nordischen Ländern (z.B. im finnischen Lappland) wird seit Jahrhunderten eine Fichtenharzsalbe zur Behandlung von akut und chronisch infizierten Wunden, Geschwüren, Druckgeschwüren, kleinen Abszessen, eiternden Verbrennungen, Nagelpilz und Nagelbettentzündungen verwendet. Ich werde testen, ob meine (teilweise aufgekratzte) Neurodermitis am Handgelenk darauf anspricht. Bei offenen Wunden würde ich mich vorsichtig herantasten.
Mein Deo kommt mit wenigen Zutaten aus, ist schnell hergestellt, wirkt zuverlässig, ist hautfreundlich, erfrischt und riecht gut.
Zutaten
Frischer (oder getrockneter) Salbei
Wasser
Natron
Speisestärke
Ätherische Öle (hier Salbei und Lavendel)
Leere Deobehälter
Arbeitsschritte
Zunächst sammle ich ausgediente Deoroller und Sprühflaschen.
Diese reinige ich gründlich und desinfiziere sie, indem ich sie auskoche bzw. mit Alkohol auswische.
Frischer Salbei wird kleingeschnitten und in Wasser kurz aufgekocht.
Das Gemisch zieht für einige Stunden und wird abgesiebt.
Speisestärke (ca. 1 Teelöffel pro 200 ml) wird mit etwas Wasser glattgerührt und in das köchelnde Salbeiwasser eingerührt.
Nachdem das Gemisch etwas abgekühlt ist, kommt Natron dazu: 1 Teelöffel auf 100 ml Flüssigkeit. VORSICHT, es schäumt! Verrühren, bist alles gebunden ist.
Ätherische Öle (Salbei und Lavendel) hinzufügen – insgesamt ca. 20 – 30 Tropfen auf 100 ml.
Das Deo in die Behälter füllen und verschließen.
Vor Gebrauch empfiehlt es sich zu schütteln, falls sich die Feststoffe absetzen.
Salbei (Salvia officinalis)
Fotos: Pixabay – vielen Dank!
Salbei hat u.a. schweißmindernde, blutstillende, keimhemmende und verdauungsfördernde Eigenschaften. Da es astringierend (zusammenziehend) wirkt, kann man es gut als Grundlage für Deos verwenden.
Natron – (NaHCO₃ – Natriumhydrogencarbonat)
Foto: Pixabay – vielen Dank!
Natron ist ein weißes Pulver, das an feines Salz erinnert.
Es ist vielseitig einsetzbar. Im Deodorant verhindert es, dass Schweiß unangenehm riecht. Durch seine antibakterielle Wirkung verhindert es, dass die Bakterien auf der Haut den Schweiß zersetzen.
Ätherische Öle
Fotos: Pixabay – vielen Dank!
In seiner ursprünglichen Bedeutung steht das Wort „ätherisch“ für das Himmlische. Der Kern dieses Gedankens findet sich auch im heutigen Verständnis des Wortes wieder: ätherisch bedeutet vergeistigt, flüchtig. Ätherische Öle sind also flüchtige Stoffe. Sie werden vor allem in den Blättern, Blüten und Schalen von Pflanzen produziert und im Gewebe gespeichert. Die ätherischen Öle prägen den Duft einer Pflanze, locken so Insekten an oder wehren Parasiten ab. (aus: Kneipp.de)
Ätherisches Lavendelöl wirkt hautpflegend. Salbeiöl hat die oben beschriebe Wirkung. Darüber hinaus duften beide Öle sehr angenehm.
Deodorant versus Antitranspirant
Ein Deodorant dient dazu, das Auftreten von unangenehmen Schweißgerüchen zu überdecken oder zu verhindern, indem es dank seiner Inhaltsstoffe (Talkum, Kaolin, Magnesit…) Feuchtigkeit absorbiert und unangenehme Gerüche verhindert, indem es die Bakterien auf der Hautoberfläche abtötet. Das Parfüm darin übertüncht zudem unangenehme Gerüche.
Ein Antitranspirant verhindert die Bildung von Schweiß (meist mittels Aluminiumsalze). Abgestorbene Hautschüppchen verbinden sich mit den Salzen und bilden Pfropfen, die die Hautporen verstopfen. Zudem wirken die Salze bakterizid.
Ein Deo ist für den Körper sicherlich die bessere Wahl. Wenn ich es bedenke, ist das Salbei-Natron-Gemisch das optimale „Zwischending“ zwischen Deo und Antitranspirant.
Selbstbemächtigung = erkennen, dass für alles ein Kraut gewachsen ist
Wir gehen gerne in die Sauna oder ins Dampfbad und manchmal wird ein Salzpeeling zur Verfügung gestellt, was uns sehr gut gefällt.
Ein Salzpeeling wirkt mechanisch auf die Haut und entfernt Hautschuppen und Verschmutzungen, es kurbelt die Durchblutung an und macht die Haut rosig. Die Mineralien dringen tief in die Haut ein und liefern ihr Nähr- und Aufbaustoffe. Besonders bei Neurodermitis kann es positiv unterstützen. Das Öl pflegt und liefert ebenso Nährstoffe. Weidenrinde im Öl lindert Schmerzen, gut, z.B. wenn man „Rücken“ hat. Die ätherischen Öle regen alleine durch ihren Duft an und haben unterstützende Wirkungen. Bei empfindlicher Haut vorsichtig herausfinden, wie viel Peeling gut tut.
Als Geburtstagsgeschenk wollte ich meinem Mann ein solches Peeling kaufen … eine 400 g-Dose kostet um die 13 Euro.
Aber ich bin ja die #kräutermoni … sowas kann man bestimmt leicht selber machen.
Zutaten:
Grobes Meersalz
Olivenöl (ich hatte noch einen Rest Weidenrindenöl)
Einige Tropfen ätherische Öle (z.B. Zitrone, Orange, Grapefruit)
… mischen und in ein dekoratives Glas füllen.
Mein Mann freute sich sehr und meine Söhne haben gleich eine Bestellung aufgegeben:
Diesmal habe ich getrocknete Ringelblüten beigemischt – sie sind gut zur Beruhigung der Haut und hemmen Entzündungen.
In meinem Garten wachsen sooo viele Malven. Die Blüten und Blätter lindern bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Reizhusten, sowie bei Magen-Darm-Beschwerden. Zudem wirkt die Malve leicht blutdrucksenkend.
Am besten macht man einen kalten Auszug mit Wasser, damit die wertvollen Inhaltsstoffe nicht verloren gehen. Ich bevorzuge einen Auszug mit kaltem Wodka, das müsste auch funktionieren und konserviert zudem.
Die Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Gerbstoffe, Cumarine, Alkaloide und Schleimstoffe. Diese legen sich schützend (wie ein Verband) um die Schleimhäute.
Die Blüten lasse ich ca. vier Wochen ausziehen. Danach siebe ich sie ab und fülle die Tinktur in ein dunkles Fläschchen.
Die Malve ist eng verwandt mit der Stockrose, dem Eibisch und dem Hibiskus.
Feinstofflich weist die Malve auf Schutz und Abgrenzung hin.
Selbstbemächtigung = den Sommer in Flaschen füllen
Normalerweise lebe ich im Juni im Garten. Bei den frischen Temperaturen jedoch ziehe ich meine Küche vor. Gestern hatte ich meine „lange Nacht der Kräuter“, in der ich mir Zeit für meine „Aufträge“ nahm.
Um mich einzustimmen, kochte ich mir einen griechischen Bergtee mit ein paar Oliven- und Orangenblättern.
Haartonikum gegen Schuppen, zur Anregung des Haarwachstums und Hemmung von Haarausfall
Mein Sohn bat mich, etwas Kräuteriges gegen seine Kopfschuppen zu kreieren.
Schuppen äußern sich durch fettig weißlich-gelbe oder graue Hautschuppen auf der Kopfhaut und im Haar. Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung von Kopfschuppen: Trockene Kopfhaut, eine Dermatitis, ein erhöhtes Vorkommen des Hautpilzes „Malassezia furfur“, Stylingprodukte, innere Faktoren wie Stress und Hormonschwankungen und Umwelteinflüsse. Meistens ist es eine Kombination verschiedener Faktoren.
Nach einigen Recherchen stellte ich ein Haartonikum zusammen:
Die Kräuter köcheln ca. 15 Minuten bei kleiner Flamme im Wasser mit geschlossenem Deckel. Nach dem Absieben wird der Sud ca. 1:1 mit Apfelessig gemischt. Anwendung Nach dem Haarewaschen in die Kopfhaut einmassieren, nicht ausspülen. Mit Wasser verdünnen, wenn die Kopfhaut angegriffen ist.
Zutaten
Wasser
Apfelessig – die Milchsäurebakterien entfernen Rückstände auf der Kopfhaut und bauen den Säureschutzmantel der Haut auf. Außerdem bringt der Essig Glanz für die Haare.
Brennnesselwurzeln – in der Kräuterheilkunde arbeitet man mit der Signaturenlehre. Diese besagt, dass Ähnlichkeiten darauf hinweisen, wo ein Kraut helfen kann. Die Wurzeln der Brennnessel sehen aus wie Haare und tatsächlich werden sie dort eingesetzt. In ihnen sind bis zu 20 % Mineralstoffe wie Kieselsäure und Kalium zu finden. Flavonoide schützen die Zellwände vor „freien Radikalen“. Die Inhaltsstoffe fördern das Wachstum und stärken die Haare. Entzündungen und Irritationen der Kopfhaut werden reduziert, Haarausfall kann gestoppt werden. Sie hemmen das Wachstum von Bakterien, enthalten viel Vitamin C, Eisen sowie Magnesium.
Zistrose – der kleine Strauch ist eine starke Heilpflanze aus dem Mittelmeerraum. Sie wirkt adstringierend (zusammenziehend), fungizid (pilztötend) bakterizid (bakterientötend) und antiviral (gegen Viren), was dazu führt, dass Hautwunden rascher heilen und Juckreiz gelindert wird. Die letzten beiden Eigenschaften lassen die Zistrose zu einem wichtigen Bestandteil der ganzheitlichen Therapie bei Neurodermitis werden. Die Haut wird gestrafft, was eine Schuppenbildung verhindern kann. Die starke antioxidative Wirkung ist auf ihren hohen Polyphenolgehalt zurückzuführen. Außerdem schützt die Pflanze vor UV-Strahlungen.
Rosmarin – das enthaltene ätherische Öl Eucalyptol (Cineol) fördert die Durchblutung der Kopfhaut und versorgt somit die Haarfollikel mit mehr Sauerstoff und Nährstoffen. Es kann das Haarwachstum ankurbeln und Haarausfall lindern.
Ackerschachtelhalm – enthält Vitamine und Mineralien, darunter Vitamin C, Vitamin E, Folsäure, Riboflavin und Zink. Zusätzlich beinhaltet die Pflanze große Mengen an Silizium in Form von Kieselsäure (Siliziumoxid), die Haare, Haut und Nägel stärken. Die Pflanze hat einen hohen Gehalt an Flavonoiden, welche die Zellen schützen.
Geliebtes Hagebuttenöl
Es lohnt sich, im Herbst loszuziehen um Hagebutten zu sammeln. Ich trockne sie immer im Ganzen auf der Heizung oder im Dörrautomaten. Für mein Heilöl vermixe ich die trocknen Früchte mit Oliven- oder Madelöl und lasse sie warm ausziehen. Das Öl hilft bei verschiedenen Hauterkrankungen, gegen Rheuma und Arthritis.
Die getrockneten Pflanzen werden in Gläser gefüllt und beschriftet. Das Oxymel aus Tannenwipfeln, Essig und Honig zog 6 Wochen im Kühlschrank aus und wurde danach abgesiebt. Ich nehme es täglich esslöffelweise zur Immunstimmulierung ein.
Wenn ich unterwegs bin, sammle ich an geschützten Stellen meine Kräuter (wo ein Hund nicht so schnell hinpieselt, nicht an Äckern, die womöglich gespritzt werden und nicht direkt neben einer viel befahrenen Straße … ). Ich sammle nur einen Bruchteil des Bestandes und achte auf unbeschädigte Pflanzen. Ich sammle nur, was ich kenne und was nicht unter Naturschutz steht. Manchmal hilft mir meine Kräuterlehrerin bei der Bestimmung oder eine Pflanzenapp. Wenn es giftige Verwechsler gibt, lasse ich die Pflanze lieber stehen.
Der Abend war lang und hat mir viel Ruhe und Muße bei der Arbeit geschenkt.
Was man hier nicht sieht, sind die vielen zu reinigenden Utensilien. Die Küche muss noch aufgeräumt werden und das geht spät abends nicht immer so locker von der Hand.
Und trotzdem: Das ganze „Kräuterln“ macht einfach nur Spaß und ich lerne selbst sehr viel, wenn ich darüber schreibe.
Endlich habe ich es geschafft, meine alkoholischen und öligen Pflanzenauszüge abzusieben und weiterzuverarbeiten!
Tinkturen
Foto von Pixabay – herzlichen Dank!
Die Mazerate aus Löwenzahn- und Alantwurzel zogen seit Dezember 23 in Wodka aus. Beide vermixte ich zu einer Wurzeltinktur. Sie kann (tropfenweise) bei Krankheiten der oberen Atemwege (starker Husten) und für die Produktion von Verdauungssäften eingesetzt werden.
Zudem habe ich eine Tinktur aus Pappelknospen und eine aus jungen Frühjahrskräutern in dunkle Tropfflaschen abgefüllt.
Salben
Die Ölauszüge wurden mit Bienenwachs, Kakaobutter und ätherischen Ölen zu Salben verarbeitet. Pro 100 ml verwende ich ca 20 g Bienenwachs und 5 g Kakaobutter für die Cremigkeit. Meine Salbe ist ziemlich fest.
Sanfte Salbe für Kinder
Bei der sanften Heilsalbe verzichtete ich auf ätherische Öle, da es bei jungen Kindern und Allergikern zu Unverträglichkeiten und Atemproblemen führen kann. Für diese Salbe verwende ich Spitzwegerich (lindert Hautreizungen und Mückenstiche) und Gänseblümchen (bei blauen Flecken und Stoßverletzungen).
Venen-, Pappel- und Jucksalbe
Die drei ätherischen Öle waren ein Mitbringsel meines Sohnes aus Australien. Er weiß genau, was seiner Mutter gefällt. 😍
Bei der Salbe gegen Mückenstiche habe ich die Kindersalbe (Spitzwegerich + Gänseblümchen) genommen und diese mit kühlendem Minzöl ergänzt.
Die Pappelknospensalbe wurde mit ätherischem Bergamotteöl angerührt. Die Salbe hemmt Entzündungen und lindert Schmerzen. Sie kann zudem bei Rheuma und Gicht helfen.
Hauptbestandteile der Venensalbe sind Auszüge von Rosskastanien- und Pappelknospen in Olivenöl. Als ätherisches Öl wählte ich „White Cypress“ aus Australien.
Die Venensalbe wirkt stärkend auf die Venen, z.B. bei schweren Beinen und Hämorrhoiden. Zudem wirken die Inhaltsstoffe hautstraffend z.B. bei Zellulite, da sie entstauende, entschlackende und entwässernde Eigenschaften mitbringt. Sie kann bei Schwellungen, Wassereinlagerungen sowie bei Akne und öliger Haut und Ekzemen unterstützen.
Hier mein „Gesamtwerk“, das einige Stunden an Arbeit kostete und gleichermaßen tiefe Befriedigung in mir verschaffte.
Dieser Tag war wieder so ein Hyperaktivtag, neben der Salbenküche und dem bisschen Haushalt, buk ich noch ein Brot und bereitete mir einen frischen Wildkräutersalat zu. Dabei war ich sooo müde und wollte nur mal eben die Mazerate absieben …
Wie gut, dass ich mich aufgerafft habe, die Kräuter zu verarbeiten. So erfuhr ich bereits während des Tuns ihre Heilkraft. Denn die Kräuter wirken durchaus feinstofflich:
So sorgt das Gänseblümchen für heitere Gelassenheit, die Frühjahrskräuter für einen frischen Geist, die Knospen der Pappel und der Kastanie für Aufbruchsstimmung – nur um einige zu nennen.
Selbstbemächtigung = von der Kräuterkraft profitieren
Auf der Langen Rhön, in der Nähe des Dreiländerecks von Hessen, Thüringen und Bayern, liegt das Schwarze Moor. Unter den Mooren der Hochrhön ist das Schwarze Moor eines der wenigen noch weitgehend naturnahen Hochmoore, zugleich auch deren Größtes. Dies hat schon früh dazu beigetragen, das Schwarze Moor unter Schutz zu stellen. Heutzutage zählt das Schwarze Moor zu den schönsten Geotopen Bayerns und ist als Kernzone im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön streng geschützt.
Die Erklärungen für Kinder bringen es auf den PunktEingang zum Schwarzen MoorHier zieht der Frühling später ein.Die Moorbirke fühlt sich wohl. Kiefern wachsen kleiner und krummer.Ein Moorauge bildet den Mittelpunkt in der Moorlandschaft.
Pflanzen
Fakten
Im Hochmoor gibt es drei Zonen: Das Hoch- und das Niedermoor und die Randgebiete.
Ein Moor entsteht, wenn sich Wasser in einer Senke ansammelt und nicht abfließen kann. Das geschieht häufig, wenn der Boden verdichtet ist z.B. durch eine Ton- oder Lehmschicht.
Durch einen Mangel an Sauerstoff im Moor werden Pflanzenteile nicht vollständig zersetzt und bilden pro Jahr einen Millimeter Torf.
Torf wird/wurde als Brenn- und Baumaterial, sowie als Blumenerde genutzt.
Torfabbau führt dazu, dass die Moorlandschaft verlandet.
Ein Moor hat eine wichtige Funktion im Kreislauf der Natur – als Rückzugsort für seltene Pflanzen- und Tierarten und als Wasserauffangbehälter bei starken Niederschlägen. Bei Hitze gibt es Feuchtigkeit ab und kühlt die Umgebung.
Das Schwarze Moor hat im Schnitt 200 Tage mit Niederschlägen (Regen, Schnee, Nebel) im Jahr.
Die Lebensbedingungen im Moor sind hart, daher gibt es hier nur ausgesuchte Pflanzen (s.o.) und Tiere (z.B. das Birkhuhn, Mader, Fuchs, Rehe, Hasen, Enten, Libellen …).
Fische haben keine Lebenschance – die Säure würde ihre Gräten zersetzen.
Das Moor mumifiziert. bedingt durch die Gerbsäure. Menschen- und Tierleichen bleiben Jahrhunderte lang erhalten. Daher werde ich mir gleich mal eine Moorpackung verordnen – vielleicht nutzt es ja was?
Das Moor kann tückisch sein – tritt man auf eine schwimmende Grasinsel, kann das der Untergang sein.
Früher wurden Verbrecher im Moor versenkt.
Oder Verbrechen vertuscht, indem man Tote im Moor verschwinden ließ.
Von oben betrachtet
Es lohnt sich, auf den Aussichtsturm im schwarzen Moor zu steigen und die Welt von oben zu betrachten:
Hier im Moor sind Vegetation und Wachstum langsam und spärlich, es ist aber ein einzigartiges Ökosystem, das seinen Platz im Großen und Ganzen hat. Pflanzen und Tiere passen sich dem unwirtlichen Lebensbedingungen an und erstarken im Kleinen.
Wir hatten einen einstündigen Spaziergang mir viel Wind und etwas Regen. Wir fanden es hier gar nicht gruselig und haben auch keine Moorleichen entdeckt. Im Gegenteil: Nach dem Spaziergang fühlten wir uns belebt und inspiriert.
Diesmal habe ich einen Fußbalsam 🦶🏻mit Kartoffelschalen-, Kiefernnadel- und Beifußöl hergestellt. Hinzu kamen ätherisches Salbei- und Lorbeerblattöl.
Die Kräuter und die Kartoffelschalen plus Olivenöl ließ ich für einige Stunden im Wasserbad bei ca. 70°C ausziehen. Nach dem Abfiltern hatte ich ca. 450 ml Ölauszug. Diesen erwärmte ich und schmelzte darin Bienenwachs und Kakaobutter. Vom ätherischen Öl habe ich ca. 50 Tropfen in die Mischung laufen lassen. Danach füllte ich die noch flüssige Salbe in Tiegel und verschraubte sie nach dem Abkühlen.
Wurzelgemüse ist etwas in Vergessenheit geraten, dabei stand es jahrhundertelang auf unserem Speiseplan. Besonders im Herbst und Winter wird nach dem nahrhaften Gemüse gegraben, wenn das oberirdische Grün schon abgestorben ist. Bei der allgemeinen Bezeichnung „Wurzeln“ differenziert man zwischen Knolle und Wurzel.
Bei der Knolle wird ein Rhizom ausgebildet. Die Wurzeln wachsen dabei an der Unterseite des Rizoms.
Meine Gartenschätze
Heilung durch Nahrung und Wurzelmedizin
Wurzeln und Knollen sind reich an Vitamin A, B und C, Eisen, Kalium, Kalzium, Natrium sowie Phosphor. Zudem enthalten sie viele Nahrungsfasern. Diese wiederum regulieren die Verdauung und sorgen für eine langanhaltende Sättigung.
Die meisten Wurzeln kann man essen und einige dienen nur als Medizin.
Alantwurzeln wirken verdauungsfördernd, appetitanregend, schleimlösend, steigern die Magensäureproduktion und lindern Blähungen. Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Inulin, Bitterstoffe, Schleimstoffe. Eingesetzt wird der Alant bei Husten, Erkältungen und Magen-Darm-Beschwerden. Hildegard von Bingen empfahl die Gabe von Alantwein (oder Tinktur). Außerdem wurden früher kandierte Alantwurzeln als Süßigkeiten gereicht. Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler sollten auf Mitteln mit Alant eher verzichten, da er als hoch allergen eingestuft ist.
Alant
Arznei- Rhabarber wirkt abführend, gegen Durchfall und Verstopfung, da es die Darmperistaltikanregt. Ihre Eigenschaften sind zusammenziehend und entzündungshemmend. Wegen dieser Wirkung, besonders auf den Darm, ist vom Verzehr abzuraten. Hier sollte man auf den Speise-Rhabarber zurückgreifen. Die Wurzel des Arznei-Rhabarbers ist zudem eine Färberpflanze für das Farbspektrum gelb bis braun. Auch könnte man damit seine Haare blondieren. Dazu liegen mir keine Erfahrungswerte vor. Zudem hilft eine Tinktur aus Rhabarberwurzeln gut bei Zahnfleischentzündungen und bei Aphthen im Mund.
Arznei-Rhabarber
Beinwell In der Wurzel stecken Allantoin, Rosmarinsäure, sowie Schleim- und Gerbstoffe. Äußerlich (als Breiumschlag und Salbe) wirkt sie entzündungshemmend, schmerzlindernd und fördert die Wundheilung. Beinwell hilft bei Muskel-, Sehnen- und Faszienverletzungen, Knorpelveränderungen und Knochenbrüchen. Beinwell wirkt wie ein starker Kleber und ist eine machtvolle Heilpflanze. Da die Pflanze Pyrrolizidinalkaloide enthält, sollte man sie beim Essen nur sehr sparsam einsetzen.
Beinwell
Karotten (Wurzeln) wirken Krebs vorbeugend, Cholesterinspiegel senkend, enthalten viel Vitamin A, stärken Milz, Magen, Leber, Lunge, Darm, Niere, Augen, Haut und Herz.
Karotten
Kartoffeln (Knollen) wirken basenüberschüssig, d.h. sie wirken einer Übersäuerung entgegen, sie enthalten viel Vitamin C, sind mineralstoffreich, enthalten viel Kalium und sind daher gut fürs Herz und fürs Immunsystem. Kartoffelschalen enthalten u.a. Solanin – daraus kann man eine reichhaltige Fußcreme machen: https://monika-rauch.com/2022/04/04/kartoffelsalbe/
Kartoffeln
Knollensellerie starker Entzündungshemmer, senkt den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und den Blutdruck, enthält viele Vitamine und Antioxidantien.
Knollensellerie
Löwenzahnwurzeln stärken Nieren, Leber, Milz, Darm, Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse. Sie wirken harntreibend, verdauungsfördernd, stoffwechselanregend. Die gesäuberten kleingeschnittenen Wurzeln kann man als Tee aufgießen oder man kann sie als Kaffeeersatz nutzen. Dazu röstet man die Wurzelstückchen trocken in der Pfanne. Wenn diese braun sind, kann man sie zu Pulver vermahlen und wie Kaffee zubereiten.
Löwenzahn
Pastinaken Die essbaren Wurzeln senken den Cholesterinspiegel, fördern Verdauung und Nierentätigkeit, sind fiebersenkend, schmerzlindernd, kühlend, stärkend.
Pastinaken
Schwarzwurzeln sind schmackhaft, kalorienarm und haben viele Vitamine und Mineralstoffe wie z.B. Vitamin E, Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Der hohe Anteil von Inulin, einem Ballaststoff, wirkt sehr positiv auf das Verdauungssystem. Heilsam wirken sie auf Leber, bei Augen- und Herzkrankheiten und Epilepsie. Schwarzwurzeln gibt es in weiß (unter der Rinde) oder in lila. Die Rinde ist schwarz oder dunkel und färbt beim Arbeiten ab. Also lieber Handschuhe anziehen!
Schwarzwurzeln
Topinambur Die Wurzeln mit ihren knollenförmigen Verdickungen sind essbar. Sie wirken entzündungshemmend, Krebs vorbeugend, enthalten u. a. B-Vitamine und viel Inulin, (Ballaststoff, der den Blutzuckerspiegel stabil hält) und wirken positiv auf Bauchspeicheldrüse und Leber.
Topinambur
Natürlich gibt es noch andere Knollen und Wurzeln, die in unseren Breitengraden wachsen und die man kaufen kann. Dazu zählen Radieschen, Radi, Meerrettich, Petersilienwurzeln, Rote Beete, Nelkenwurz …
Zubereiten kann man die essbaren Wurzeln und Knollen recht unterschiedlich – gedünstet, gekocht, mit Butter oder Bechamelsoße, paniert, gebraten und am liebsten als Suppe.
Wärmende Wintersuppe
Quer durch Garten und Kühlschrank
Alles, was der Vorrat hergibt, kommt in die Suppe und im Garten werden die Wurzeln ausgegraben. Wie gut, dass ich ungefähr weiß, wo im Sommer der Topinambur stand und die Pastinaken wachsen eh im Hochbeet. Das Gemüse wird geschält, geputzt, geschnippelt und in Wasser geköchelt bis es gar ist. z.B. Brokkoli, Kartoffeln, Zwiebeln, Spitzkohl, Möhren, Knollensellerie, Pastinaken, Topinambur. Als Würze kann man Suppenpulver und Muskatnuss verwenden, etwas Misopaste einrühren – lecker! Für frisches Grün sorgen Pastinakenkraut, ein paar Stengel Liebstöckel oder Petersilie. Et voilá – fertig ist eine leckere warme Mahlzeit.
Lecker Süppchen – bei uns kamen noch ein paar vegetarische Gartenklöschen hinein.
Philosophisches
Winterzeit ist Ruhezeit. Viele Pflanzen ziehen sich zurück und haben ihre Kraft in den Wurzeln. Graben wir nach ihnen, so können wir von ihrer Energie profitieren. Die Natur fordert uns auf, uns ebenso zurückzuziehen und uns ganz auf unseren Wesenskern zu konzentrieren. Im Frühjahr brechen die Triebe aus den Wurzeln hervor, die Pflanzen wachsen und füllen die Erde mit Leben. Genau darum macht die Winterruhe auch bei uns einen Sinn – damit wir erholt und kraftvoll unseren Weg beschreiten können.
Selbstbemächtigung = uns auf (unsere) Wurzeln konzentrieren
Lateinisch essentia = Wesenheit, Kern, Auszug, Extrakt (lat. Verb esse = existieren, sein)
Man könnte auch sagen, dass die Seele der Pflanze in die Tinktur übergeht.
Tinkturen sind in Alkohol (alternativ in Essig, Aceton, Wasser, Wein, Weingeist …) gelöste Wirkstoffe von Pflanzenteilen (oder tierischen Bestandteilen🤢). Soweit mir bekannt ist, nutzen Apotheken ungefähr 30% Pflanzenmaterial und 70% Alkohol. Meine Mischungen sind ungefähr halbe/halbe. Für meine Tinkturen nutze ich klaren 38-prozentigen Alkohol (Wodka, Doppelkorn). Bei festem Material (Wurzeln, Rinde) nehme ich 98-prozentiges Ethanol (Primasprit), das später verdünnt wird.
Bei einer Tinktur werden getrocknete Pflanzen verwendet und bei einer Urtinktur nimmt man frische Bestandteile.
Es war an der Zeit, meine (Ur-)Tinkturen abzusieben:
Duftveilchen
Die Duftveilchen-Urtinktur riecht sehr angenehm, hilft bei Husten und Halsentzündung.
Steinklee
Weißer Steinklee ist ein Venentherapeutikum und hilft bei Krampfadern, Hämorrhoiden und Ödemen.
Fichte
Fichtenzapfen und Fichtennadeln … diese hab ich über ein halbes Jahr in Wodka ausziehen lassen. Die Tinktur ist dunkelbraun und riecht sehr harzig. Ich werde sie nur äußerlich anwenden. Die Zapfen wirken bei Gelenks- und Muskelschmerzen, Nervenschmerzen, Weichteilrheuma, Verletzungen, Entzündungen oder eitrigen Wunden. Die jungen Fichtennadeltriebe zogen in einem anderen Behälter aus, der Geruch ist wesentlich feiner. Fichtennadeln wirken innerlich wegen ihrer ätherischen Öle gut bei Erkältungskrankheiten.
Rhabarber-Wurzeln
Die Urtinktur aus der Wurzel des Arznei-Rhabarbers zog ungefähr ein Jahr aus. UPPS! Innerlich wirkt die Wurzel als Abführmittel bei Verstopfungen und Durchfall und äußerlich bei Mund– und Zahnfleisch-Entzündungen oder bei Aphten im Mund. Die Wurzel wird auch als Färbemittel, besonders bei Wolle, verwendet. Das Farbspektrum geht von gelb bis rötlich-braun. Äh … nicht, dass ich nach einer Mundspühlung gelbe Zähne bekomme …
Beifuß
„Heilkraut der Frauen“ wurde der Beifuß früher gerne genannt, weil er positiv auf die Unterleibsorgane wirkt, aber auch gut bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt werden kann. Versuchsreihen mit Beifuß, insbesondere mit dem einjährigen, verzeichnen Heilerfolge bei Corona, Krebs, HIV und Borreliose.
Dosierung (bei erwachsenen, lebergesunden und alkoholUNabhängigen Menschen): bei akuten Beschwerden 3 – 5 x täglich 1 Teelöffel der Tinktur
Eine alte Kräuter-Weisheit besagt, dass Du das in Deiner Nähe findest, was Du gerade brauchst. Also Augen und Herz öffnen, damit Dir Heilung widerfahren kann!
Naturseele
Horchet, prüfet, fraget, welches Unheil Euch hier plaget.
Vertrauet und spüret, wohin es Euch führet.
Mit Mutter Erde Euch verbindet, dass sie Euch findet.
Denn sie dient, dass Euch nichts fehle – Naturessenz ist Seele.
Mit dankbarem Herzen nehmt an die Gabe, dass sie Euch labe.
Monika Rauch
Was mache ich eigentlich mit dem ganzen Kräuter-Kram, den ich im Laufe der Zeit so herstelle? Das frage ich mich tatsächlich oft auch. Die Tinkturen nutze ich selber oder verschenke sie im Familien- und Bekanntenkreis. Ich bin erstaunt, wie gut sie wirken – nichts wirkt aber bei jedem gleich. Daher verlasse ich mich auf meine Intuition und teste zusätzlich mittels „Swaytest“* aus.
*Swaytest: To „sway“ bedeutet auf Englisch „schwanken“ – d.h. ich stelle leise für mich eine Ja/nein-Frage, anschließend beobachte ich meinen Körper. Neige ich mich leicht nach vorne, bedeutet es Zustimmung/Zuneigung also „ja“. Neige ich mich nach hinten bedeutet es Ablehnung/Distanzierung, d.h. „nein“.
Monika Rauch
Disclaimer: Letztendlich trägt jeder die Verantwortung für sein Tun selbst. Bei starken Krankheitssymptomen empfehle ich, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Meine Erfahrungen entspringen der traditionellen Volksheilkunde.
Selbstbemächtigung = Augen und Herz für die Essenzen der Pflanzen öffnen