Wund- und Schmerzsalbe

mit Fichtenharz und Weide

Beim Laufen entdeckte ich eine Fichte mit vor Harz triefenden Zapfen. Zwei davon erntete ich vorsichtig, zerkleinerte sie und ließ sie einige Stunden in heißem Olivenöl aus. Normalerweise erntet man das Harz von Bäumen, indem man es vorsichtig von der Rinde abschabt. Bäume produzieren Harz um Wunden zu verschließen. Das Harz schützt vor Pilzen, Bakterien und Viren. Es legt sich wie eine zweite Haut über die Wunde und schützt sie dadurch. Beim Sammeln muss man darauf achten, dass man keine alten Wunden aufreißt.

Fichte (Picea)

Das Harz der Fichte wirkt u.a. antiseptisch, durchblutungsfördernd, entzündungshemmend und krampfmildernd.

Links ein Bild der Blaufichte, die früher oft als Weihnachtsbaum verwendet wurde. Heute nimmt man eher Tannen, denn diese haben weichere Nadeln und rieseln weniger. „Die Fichte sticht – die Tanne nicht.“ Ein weiteres Merkmal der Fichte ist, dass die Zapfen hängen. Bei Tannen stehen die Zapfen wie Kerzen am Baum und zerbröseln, wenn sie abfallen. Fichten und Tannen sind eng miteinander verwandt und haben ähnliche heilwirksame Inhaltsstoffe.

Weide (Salix)

Weide (Salix) – es gibt verschiedene Weidenarten, die ähnlich in ihren Heilwirkungen sind. Das linke Foto zeigt eine Trauerweide.

Das darin enthaltene Salicin besitzt schmerzlindernde und entzündungshemmende  Eigenschaften und dient als sanfte Alternative zu Salicylsäure. Tatsächlich wurde Salicin im 19. Jahrhundert zur Entwicklung von Aspirin verwendet. Weide scheint die Schmerzen langsamer zu lindern als Aspirin, aber ihre Wirkung kann länger anhalten. Zum warmen Harz-Öl gebe ich noch getrocknete Ästchen und Blätter der Weide hinzu und lasse es für einige Stunden mit ausziehen. Danach wird  das Öl gefiltert bis alle Rückstände entfernt sind.

Zusätzlich kann man noch Kaffeepulver mit ins Öl geben, ich habe mich diesmal dagegen entschieden. Kaffee wirkt u.a. Haut stimulierend.

Zubereitung Schmerzsalbe

Der Ölauszug aus Weide und Fichtenharz wird mit Bienenwachs, Kakaobutter, etwas Lanolin (insgesamt 15 – 20 % Festmasse im Verhältnis zum Öl) erwärmt. Wenn sich die festen Bestandteile aufgelöst haben, kommen einige Tropfen ätherische Öle hinzu (ca. 15 Tropfen auf 100 ml). Diesmal entschied ich mich für Fichte und Strohblume. Die Strohblume wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und fördert die Hautheilung. Die noch flüssige Salbe wird in Tigel abgefüllt. Nach dem Abkühlen werden die Döschen verschlossen und beschriftet.

Anwendung

Die Salbe lindert  Spannungsschmerzen (z.B. bei Rückenproblemen), Muskelkater, blaue Flecke … In nordischen Ländern (z.B. im finnischen Lappland) wird seit Jahrhunderten eine Fichtenharzsalbe zur Behandlung von akut und chronisch infizierten Wunden, Geschwüren, Druckgeschwüren, kleinen Abszessen, eiternden Verbrennungen, Nagelpilz und Nagelbettentzündungen verwendet. Ich werde testen, ob meine (teilweise aufgekratzte) Neurodermitis am Handgelenk darauf anspricht. Bei offenen Wunden würde ich mich vorsichtig herantasten.

Selbstbemächtigung = alte Wunden heilen lassen

Fotos: Monika Rauch und Pixabay

Mildes Salbei-Deodorant selbst herstellen

Mein Deo kommt mit wenigen Zutaten aus, ist schnell hergestellt, wirkt zuverlässig, ist hautfreundlich, erfrischt und riecht gut.

Zutaten

  • Frischer (oder getrockneter) Salbei
  • Wasser
  • Natron
  • Speisestärke
  • Ätherische Öle (hier Salbei und Lavendel)
  • Leere Deobehälter

Arbeitsschritte

  • Zunächst sammle ich ausgediente Deoroller und Sprühflaschen.
  • Diese reinige ich gründlich und desinfiziere sie, indem ich sie auskoche bzw. mit Alkohol auswische.
  • Frischer Salbei wird kleingeschnitten und in Wasser kurz aufgekocht.
  • Das Gemisch zieht für einige Stunden und wird abgesiebt.
  • Speisestärke (ca. 1 Teelöffel pro 200 ml) wird  mit etwas Wasser glattgerührt und in das köchelnde Salbeiwasser eingerührt.
  • Nachdem das Gemisch etwas abgekühlt ist, kommt Natron dazu: 1 Teelöffel auf 100 ml Flüssigkeit. VORSICHT, es schäumt! Verrühren, bist alles gebunden ist.
  • Ätherische Öle (Salbei und Lavendel) hinzufügen – insgesamt ca. 20 – 30 Tropfen auf 100 ml.
  • Das Deo in die Behälter füllen und verschließen.
  • Vor Gebrauch empfiehlt es sich zu schütteln, falls sich die Feststoffe absetzen.

Salbei (Salvia officinalis)

Fotos: Pixabay – vielen Dank!

Salbei hat u.a.  schweißmindernde, blutstillende, keimhemmende und verdauungsfördernde Eigenschaften. Da es astringierend (zusammenziehend) wirkt, kann man es gut als Grundlage für Deos verwenden.

Natron – (NaHCO₃ – Natriumhydrogencarbonat)

Foto: Pixabay – vielen Dank!

Natron ist ein weißes Pulver, das an feines Salz erinnert.

Es ist vielseitig einsetzbar. Im Deodorant verhindert es, dass Schweiß unangenehm riecht. Durch seine antibakterielle Wirkung  verhindert es, dass die Bakterien auf der Haut den Schweiß zersetzen.

Ätherische Öle

Fotos: Pixabay – vielen Dank!

In seiner ursprünglichen Bedeutung steht das Wort „ätherisch“ für das Himmlische. Der Kern dieses Gedankens findet sich auch im heutigen Verständnis des Wortes wieder: ätherisch bedeutet vergeistigt, flüchtig. Ätherische Öle sind also flüchtige Stoffe. Sie werden vor allem in den Blättern, Blüten und Schalen von Pflanzen produziert und im Gewebe gespeichert. Die ätherischen Öle prägen den Duft einer Pflanze, locken so Insekten an oder wehren Parasiten ab. (aus: Kneipp.de)

Ätherisches Lavendelöl wirkt hautpflegend. Salbeiöl hat die oben beschriebe Wirkung. Darüber hinaus duften beide Öle sehr angenehm.

Deodorant versus Antitranspirant

Ein Deodorant dient dazu, das Auftreten von unangenehmen Schweißgerüchen zu überdecken oder zu verhindern, indem es dank seiner Inhaltsstoffe (Talkum, Kaolin, Magnesit…) Feuchtigkeit absorbiert und  unangenehme Gerüche verhindert, indem es die Bakterien auf der Hautoberfläche abtötet. Das Parfüm darin übertüncht zudem unangenehme Gerüche.

Ein Antitranspirant verhindert die Bildung von Schweiß (meist mittels Aluminiumsalze). Abgestorbene Hautschüppchen verbinden sich mit den Salzen und bilden Pfropfen, die die Hautporen verstopfen. Zudem wirken die Salze bakterizid.

Ein Deo ist für den Körper sicherlich die bessere Wahl. Wenn ich es bedenke, ist das Salbei-Natron-Gemisch das optimale „Zwischending“ zwischen Deo und Antitranspirant.

Selbstbemächtigung = erkennen, dass für alles ein Kraut gewachsen ist

Samhain – ein altes Fest im November

Samhain markiert in der Nacht auf den 1. November den Beginn der dunklen Jahreszeit und den Abschluss der Erntezeit. Samhain ist ein Mondfest und fällt eigentlich auf Dunkelmond-Neumond rund um den Novemberanfang. Der Neumond ist hier wichtig, da das neue Jahr in der Dunkelheit anfängt. Das Wort Samhain beinhaltet den Wortstamm „sam“, was  auf das Sammeln der Vögel für den Flug in Richtung Süden hinweisen könnte. Ebenso weist es auf das Versammeln/Zurückziehen nach innen/ins Haus. Das Wort könnte man auch mit „Vereinigung“ (nämlich der Lebenden mit den Toten) übersetzen. In der keltischen Überlieferung sind die Tage um Samhain den Ahnen und der Ungeborenen gewidmet. In  christlich geprägten Gesellschaften gedenkt man ebenso im November der Toten, z.B. am 1. „Allerheiligen/Allerseelen“, am 2. „El dia del muertos“ in Mexiko oder am 24.  „Ewigkeitssonntag“. Am 31. Oktober feiert die evangelische Kirche den Reformationstag. Da geht es um die Erneuerung der alten Kirchenstruktur, die Martin Luther mit dem Anschlag seiner 95 Thesen angestoßen hat. Und auch das Thema Erneuerung  passt wunderbar in diese Zeit.

Es heißt, an diesen Tagen seien die Schleier zur Anderswelt besonders dünn, so dass unser Gedenken und Wünschen besser   ankommt. Aber auch die guten und bösen Geister, Feen und Trolle können leichter ihr Unwesen treiben. Daher entzündeten unsere Vorfahren große Feuer, die von den Druiden gesegnet wurden. Von den Feuern konnte sich jeder etwas der Glut mit in seine Heimstatt nehmen um sicherer zu sein. Auch sollen Verkleidungen, Weissagungen und Opfergaben zu den alten Traditionen gehört haben.

In Halloween findet das Fest seine moderne Fortsetzung. Kinder vertreiben sich den Herbsttag mit der Forderung nach Süßem, sonst gibt es „Saures“ – mit den Süßigkeiten können sie sich einen Vorrat für die dunkle Jahreszeit anlegen.

Wie können wir diese mystische Zeit für uns nutzen?

Zunächst können wir unserer Vorfahren gedenken, und uns im Stillen bei Ihnen bedanken oder versuchen unseren Frieden mit Ihnen zu schließen, wenn es Streit gab.

Ich sitze gerne draußen und entfache ein kleines Feuer oder zünde eine Kerze an. Ich lasse das Jahr Revue passieren und überlege mir, was ich gerne ändern möchte und welche Ziele ich mir für die Zukunft stecke. Das, was ich in diesem Jahr erreicht, erfahren und gelernt habe, würdige ich, indem ich mich dafür bedanke.

Schön ist es auch, kleine Zettel zu schreiben mit Wünschen oder mit dem, was man loslassen möchte. Wenn man die Zettel verbrennt, kann die Wirkung sehr befreiend sein.

Das Räuchern von aromatischen Kräutern ist eine alte Tradition: Geister mögen den Geruch nicht und werden von Haus und Hof vertrieben, auch mittels Zaubersprüche.

Es ist Zeit, Frieden zu schließen mit der Vergangenheit und zu verzeihen. Das Alte hat so keine Macht mehr über uns und wir können uns getrost in unser Sein zurückziehen – wie die Pflanzen, die Ihre Kraft jetzt in die Wurzeln stecken.

Unsere Ahnen sind unsere Wurzeln, denn sie haben uns geprägt,  d.h. ihre Gene an uns weitergegeben und manche haben uns auch ein Stück auf unserem Weg begleitet. Wenn wir Ihrer gedenken, würdigen wir gleichzeitig auch unsere Geschichte.

Samhain läutet nicht nur die dunkle Zeit ein, das Fest mahnt uns, wachsam zu sein und im übertragenen Sinn die alten Geister ziehen zu lassen.

Selbstbemächtigung =  die dunkle Jahreszeit als Chance sehen

Bilder: Pixabay, herzlichen Dank!

Tour de Pfalz

Pfälzische Weinstraße

Diesmal verschlug es uns über ein langes Wochenende in die Pfalz. Die Sonne kam eher weniger raus, dafür hatten wir ein paar nette Städtchen entdeckt – und natürlich den Wein, der hier vorzüglich gedeiht.

Bad Dürkheim

hat eine nette Innenstadt, einen Kurpark und als Hauptattraktion ein riesiges Weinfass, welches ein Restaurant beherbergt.

Deidesheim

Auf dem Weg nach Landau sind wir durch das entzückende Städtchen gefahren und legten spontan einen Stopp ein:

Landau

Nachdem wir Deidesheim erkundet hatten, schauten wir uns das Städtchen Landau an,  welches auch sehr hübsch ist, allerdings nicht ganz so beschaulich:

Erlebnislandschaft Erdekaut

„Das Landschaftsschutzgebiet wurde 1985 eingerichtet. Der Name leitet sich her von der pfälzischen Bezeichnung Kaut für „Grube“ und verweist auf den vormaligen Abbau von Tonerde, der sich über Jahrhunderte zurückverfolgen lässt. In Spitzenzeiten waren 800 Bergleute beschäftigt. ..“ Wikipedia

Wir hatten einen schönen, wenn auch trüben, Tag mit viel Natur.

Nachmittags fuhren wir nach Grünstadt und genossen einen guten Tropfen vom Winzer Gaul in der Eckbar.

Die kleine Herbsttour tat der Seele gut, wir entdeckten einen für uns unbekannten Landstrich und konnten dabei gut entspannen.

Selbstbemächtigung = auf Entdeckungsreise gehen

Die wilde Malve

Malva sylvestris

In meinem Garten wachsen sooo viele Malven. Die Blüten und Blätter lindern bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Reizhusten, sowie bei Magen-Darm-Beschwerden.  Zudem wirkt die Malve leicht blutdrucksenkend.

Am besten macht man einen kalten Auszug mit Wasser, damit die wertvollen Inhaltsstoffe nicht verloren gehen. Ich bevorzuge einen Auszug mit kaltem Wodka, das müsste auch funktionieren und konserviert zudem.

Die Inhaltsstoffe sind Flavonoide, Gerbstoffe, Cumarine, Alkaloide und Schleimstoffe. Diese legen sich schützend (wie ein Verband) um die Schleimhäute.

Die Blüten lasse ich ca. vier Wochen ausziehen. Danach siebe ich sie ab und fülle die Tinktur in ein dunkles Fläschchen.

Die Malve ist eng verwandt mit der Stockrose, dem Eibisch und dem Hibiskus.

Feinstofflich weist die Malve auf Schutz und Abgrenzung hin.

Selbstbemächtigung = den Sommer in Flaschen füllen

Neues aus der Kräuterküche

Endlich habe ich es geschafft, meine alkoholischen und öligen Pflanzenauszüge  abzusieben und weiterzuverarbeiten!

Tinkturen

Foto von Pixabay – herzlichen Dank!

Die Mazerate aus Löwenzahn- und Alantwurzel zogen seit Dezember 23 in Wodka aus.  Beide vermixte ich zu einer Wurzeltinktur. Sie kann (tropfenweise) bei Krankheiten der oberen Atemwege (starker Husten) und für die Produktion von Verdauungssäften eingesetzt werden.

Zudem habe ich  eine Tinktur aus Pappelknospen und eine aus jungen Frühjahrskräutern in dunkle Tropfflaschen abgefüllt.

Salben

Die Ölauszüge wurden mit Bienenwachs, Kakaobutter und ätherischen Ölen zu Salben verarbeitet. Pro 100 ml verwende ich ca 20 g Bienenwachs und 5 g Kakaobutter für die Cremigkeit. Meine Salbe ist ziemlich fest.

Sanfte Salbe für Kinder

Bei der sanften Heilsalbe verzichtete ich auf ätherische Öle, da es bei jungen Kindern und Allergikern zu Unverträglichkeiten und Atemproblemen führen kann. Für diese Salbe verwende ich Spitzwegerich (lindert Hautreizungen und Mückenstiche) und Gänseblümchen (bei blauen Flecken und Stoßverletzungen).

Venen-, Pappel- und Jucksalbe

Die drei ätherischen Öle waren ein Mitbringsel meines Sohnes aus Australien. Er weiß genau, was seiner Mutter gefällt. 😍

Bei der Salbe gegen Mückenstiche habe ich die Kindersalbe (Spitzwegerich + Gänseblümchen) genommen und diese mit kühlendem Minzöl ergänzt.

Die Pappelknospensalbe wurde mit ätherischem Bergamotteöl angerührt. Die Salbe hemmt Entzündungen und lindert Schmerzen. Sie kann zudem bei Rheuma und Gicht helfen.

Hauptbestandteile der Venensalbe sind Auszüge von Rosskastanien- und Pappelknospen in Olivenöl. Als ätherisches Öl wählte ich „White Cypress“ aus Australien.

Die Venensalbe wirkt stärkend auf die Venen, z.B. bei schweren Beinen und Hämorrhoiden. Zudem wirken die Inhaltsstoffe hautstraffend z.B. bei Zellulite, da sie entstauende, entschlackende und entwässernde Eigenschaften mitbringt. Sie kann bei Schwellungen, Wassereinlagerungen sowie bei Akne und öliger Haut und Ekzemen unterstützen.

Hier mein „Gesamtwerk“, das einige Stunden an Arbeit kostete und gleichermaßen tiefe Befriedigung in mir verschaffte.

Dieser Tag war wieder so ein Hyperaktivtag, neben der Salbenküche und dem bisschen Haushalt, buk ich noch ein Brot und bereitete mir einen frischen Wildkräutersalat zu. Dabei war ich sooo müde und wollte nur mal eben die Mazerate absieben …

Wie gut, dass ich mich aufgerafft habe, die Kräuter zu verarbeiten.  So erfuhr ich bereits während des Tuns ihre Heilkraft. Denn die Kräuter wirken durchaus feinstofflich:

So sorgt das Gänseblümchen für heitere Gelassenheit, die Frühjahrskräuter für einen frischen Geist, die Knospen der Pappel und der Kastanie für Aufbruchsstimmung – nur um einige zu nennen.

Selbstbemächtigung = von der Kräuterkraft profitieren

Der eine gute Moment

Ein Vormittag mit schweren Themen verdüsterte etwas mein Gemüt. Ich hatte das tiefe Bedürfnis, rauszugehen.

So lief ich durch das nahegelegene Naturschutzgebiet und genoss das satte Grün. Der Wind fegte durch meine Kleidung und kurze Schauer prasselten auf meinen Kopf.

Und plötzlich kam – nur für einen winzigen Moment – die Sonne heraus und tauchte die Szenerie in goldenes Licht.

Der gute Moment

Das Grau der Stadt
Bedroht, macht matt.
Die finsteren Wolken
Durchbricht der eine warme Strahl
Erhellt das Grün im weiten Tal.

Pass auf, nimm ihn ins Herz –
Den einen guten Moment –
Er tilgt den Schmerz.



Monika Rauch

Ich hatte nur wenig Zeit und so war der kurze erhellende Moment genau richtig, um mir aufzuzeigen, wie schnell sich etwas klären kann, wenn er beleuchtet wird und man etwas von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet.

Selbstbemächtigung = gute Momente erkennen

Unterwegs mit dem Cabrio

Maintal – Rhön – Allgäu – Tirol – Voralberg – Allgäu – Blaubeuren – Maintal

Osterferien und wir hatten einen Plan! Ab dem 1. April durften wir das Cabriolet aktivieren und loslegen. Die Inspirationen für die Tour holten wir uns aus der Motorrad-Zeitschrift „Ride“.

Unser Reisealltag sah so aus: Übernachtung im Hotel – genauere Planung beim Frühstück – Tour – Snack am Mittag – reichhaltiges Abendessen – Kartenspielen – Schlafen.

Unsere Absicht war, zuerst ins Allgäu zu fahren und als Abschluss wollten wir etwas Wellness in der Rhön (im Sonnentauhotel) machen. Eigentlich. Uneigentlich regnete es die ersten Tage nach Ostern Bindfäden und es war bitterkalt. Wir sind ja flexibel,  so kehrten wir die Reiseroute kurzerhand um:

Bei Fladungen (nördlichste bayrische Stadt)

In der Rhön sind wir immer wieder gern. Daher hab ich schon einiges über die Region geschrieben:

https://monika-rauch.com/2023/04/10/fladungen/

https://monika-rauch.com/2023/04/05/rund-um-fladungen/

https://monika-rauch.com/2019/06/10/ostheim-vor-der-rhoen/

Das Leben in der Rhön ist rau. Der Wind fegt einem durch die Knochen und die Landschaft ist karst. Mir gefällt es hier gut, hier kann ich frei atmen.

Im schwarzen Moor

Über das Moor habe ich einen Extra-Blog geschrieben: https://monika-rauch.com/2024/04/04/im-schwarzen-moor/

Grenzgebiet Hohe Geba (Thüringen)

Auf der „Hohen Geba“ im ehemaligen innerdeutschen Grenzgebiet kann man wunderbar in die drei Bundesländer der Rhön blicken: Hessen, Bayern und Thüringen.

Memmingen (Westallgäu,Bayern)

Vor einiger Zeit war ich in Memmingen und wollte meinem Mann die schöne Kleinstadt zeigen. Übernachtet haben wir dort wieder in der Pension Erb. In meinem Blog erfahrt ihr mehr über den Ort: https://monika-rauch.com/2022/09/03/memmingen/

Unten rechts ist der Hexenturm mit Wärterhäuschen zu sehen. Die armen Frauen, die dort darben mussten!

Vom Westen ins Ostallgäu (Baden-Württemberg)

Wir sind viele schmale Landstraßen gefahren – die Sonne kam raus und beleuchtete die saftigen Wiesen.
Überall Löwenzahn!
Zwischenstopp im Glasmacherdorf Schmidsfelden
Übernachtet haben wir in Akam bei Immenstadt (Hotel zum Lustigen Hirschen, sehr empfehlenswert). Nachmittags fand ich ein ruhiges Plätzchen unter einer Rosskastanie.

Spritztour durch die Alpen in Österreich (Tirol, Vorarlberg) nach Wiggensbach (Westallgäu)

Ab ca. 1700 Höhenmetern waren die Skilifte noch teilweise in Betrieb.

Bergbrennerei und Gasthaus Löwen in Voralberg

Ein uraltes Haus, in dem ein Gasthof mit schönem Garten und hervorragender Küche untergebracht ist.
Hier wird destilliert: Gin und verschiedene andere Spirituosen.
Im Verkaufsraum darf gerne probiert werden. Nach zwei Kräuterschnaps-Pfützen war ich platt.

Zurück im Allgäu, übernachteten wir in Wiggensbach (Hotel Alpenherz) mit hervorragender Küche, tollem Ambiente, sowie einem kleinem Spa-Bereich.

Ostallgäu — Leukirch -— Blaubeuren — Maintal

Schönes Allgäu

Auf dem Nachhauseweg fuhren wir zur Allgäuer Genussmanufaktur in Leukirch. Das ist ein altes Fabrikgebäude in dem verschiedene Manufakturen untergebracht sind. Mit einem kleinen Eintritt von 3 Euro unterstützt man die Handwerker dort.

In der Kaffeerösterei duftet es wunderbar nach hochwertigem Kaffee, da kann man gleich ein Tässchen genießen, es gibt u.a. zwei Brauereien und eine Gin-Destillle.
In der Bibliothek kann man lesen oder an Veranstaltungen teilnehmen. Kaufen kann man hier z. B.  Keramik, Kräuterkram, Öle, Silberschmuck und hochwertige Wollartikel.
Dorfrundgang durch Leukirch

Stopp in Blaubeuren

Am Rand der Schwäbischen Alb, 20 km westlich von Ulm, liegt Blaubeuren die Perle der Schwäbischen Alb. … Der Blautopf spielt, neben der historischen Altstadt, eine zentrale Rolle: Sei es als Einstieg in ein riesiges Höhlensystem, das sich über 9,5 km unter der Schwäbischen Alb verzweigt. Der Blautopf war ebenso Inspiration und Schauplatz für die Historie der „schönen Lau“ des Lyrikers Eduard Mörike.

http://www.blaubeuren.de/

Die Stadt ist ein Besuch wert, allerdings möglichst nicht an einem Sonntag. So wie wir, hatten viele hundert anderer Menschen die gleiche Idee. Der Blautopf ist schon sehr sehenswert,  allerdings machte mir der Tripp keinen Spaß  – zuviel Gedränge, überteuerte Preise (z.B. 1 Kugel Eis = 1,80 Euro) und uns sind einige „muffeligen“ Menschen über den Weg gelaufen.Vielleicht stimmt es doch, was man über die Schwaben und Badenser so sagt? Böse Zungen behaupten nämlich, dass selbst eine Beerdigung in Baden lustiger sei, als der durchorganisierte Pflichthumor auf der schwäbischen „Fasnet“.

Wenn man die Menschenmassen ausklammert, ist es wirklich schön am Blautopf. Der blauschimmernde Teich ist der Einstieg für ein riesiges Unterwasser-Höhlensystem.

Fazit

Wir hatten eine tolle Woche mit Wellness und Sauna, ausschließlich gutem Essen, komfortablen Unterkünften und wunderschönen Landschaften. Bei unserer nächsten Tour werden wir uns mehr bewegen und weniger konsumieren. Also brauchen wir mehr Zeit, um in den Landschaften anzukommen. Die Idee ist, dass wir uns ein Ferienhaus mieten und von dort aus unsere Touren per Pedes und/oder mit dem Auto erkunden. Außerdem können wir uns so versorgen, wie wir Lust haben.

Unser Cabriolet samt meinem persönlichen Fahrer.

Selbstbemächtigung = sich von der Landschaft inspirieren lassen

Im schwarzen Moor

Auf der Langen Rhön, in der Nähe des Dreiländerecks von Hessen, Thüringen und Bayern, liegt das Schwarze Moor. Unter den Mooren der Hochrhön ist das Schwarze Moor eines der wenigen noch weitgehend naturnahen Hochmoore, zugleich auch deren Größtes. Dies hat schon früh dazu beigetragen, das Schwarze Moor unter Schutz zu stellen. Heutzutage zählt das Schwarze Moor zu den schönsten Geotopen Bayerns und ist als Kernzone im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön streng geschützt.

https://www.biosphaerenreservat-rhoen.de/mensch/tourismus-gastronomie-und-erholung/schaetze-der-rhoen/das-schwarze-moor

Pflanzen

Fakten

  • Im Hochmoor gibt es drei Zonen: Das Hoch- und das Niedermoor und die Randgebiete.
  • Ein Moor entsteht, wenn sich Wasser in einer Senke ansammelt und nicht abfließen kann. Das geschieht häufig,  wenn der Boden verdichtet ist z.B. durch eine Ton- oder Lehmschicht.
  • Durch einen Mangel an Sauerstoff im Moor werden Pflanzenteile nicht vollständig zersetzt und bilden pro Jahr einen Millimeter Torf.
  • Torf wird/wurde als Brenn- und Baumaterial, sowie als Blumenerde genutzt.
  • Torfabbau führt dazu, dass die Moorlandschaft verlandet.
  • Ein Moor hat eine wichtige Funktion im  Kreislauf der Natur – als Rückzugsort für seltene Pflanzen- und Tierarten und als Wasserauffangbehälter bei starken Niederschlägen. Bei Hitze gibt es Feuchtigkeit ab und kühlt die Umgebung.
  • Das Schwarze Moor hat im Schnitt 200 Tage mit Niederschlägen (Regen, Schnee, Nebel) im Jahr.
  • Die Lebensbedingungen im Moor sind hart, daher gibt es hier nur ausgesuchte Pflanzen (s.o.) und Tiere (z.B. das Birkhuhn, Mader, Fuchs, Rehe, Hasen, Enten, Libellen …).
  • Fische haben keine Lebenschance – die Säure würde ihre Gräten zersetzen.
  • Das Moor mumifiziert. bedingt durch die Gerbsäure. Menschen- und Tierleichen bleiben Jahrhunderte lang erhalten. Daher werde ich mir gleich mal eine Moorpackung verordnen – vielleicht nutzt es ja was?
  • Das Moor kann tückisch sein – tritt man auf eine schwimmende Grasinsel, kann das der Untergang sein.
  • Früher wurden Verbrecher im Moor versenkt.
  • Oder Verbrechen vertuscht, indem man Tote im Moor verschwinden ließ.

Von oben betrachtet

Es lohnt sich, auf den Aussichtsturm im schwarzen Moor zu steigen und die Welt von oben zu betrachten:

Hier im Moor sind Vegetation und Wachstum langsam und spärlich, es ist aber ein einzigartiges Ökosystem, das  seinen Platz im Großen und Ganzen hat. Pflanzen und Tiere passen sich dem unwirtlichen Lebensbedingungen an und erstarken im Kleinen. 

Wir hatten einen einstündigen Spaziergang mir viel Wind und etwas Regen. Wir fanden es hier gar nicht gruselig und haben auch keine Moorleichen entdeckt. Im Gegenteil: Nach dem Spaziergang fühlten wir uns belebt und inspiriert.

Selbstbemächtigung = bei Widrigkeiten erstarken

Frühlingsspaziergang

mit Schrecken

Was für ein herrlicher Tag! Die Sonne schien und die Pflanzen streckten ihre zarten Blättchen aus dem Boden. Zeit, meine Kräutertouren wieder aufzunehmen.

Ich war unterwegs in Rodheim zu meiner Lieblingsstelle Richtung „Alter Berg“. Dort stehen an einem Bachlauf eine Reihe mit Pappeln. Seit Jahrzehnten prägen sie die Landschaft  – ein Blickfang in der sonst eher gleichförmigen Wetterau.

Eine Landschaftsmarke verschwindet

Was für ein Kahlschlag! Angeblich seien die Bäume von innen heraus verfault und in den Kronen wäre zu viel Totholz. Ich, als Laie, konnte allerdings in den Baumscheiben nichts Morsches erkennen. Gut, Totholz in den Kronen ist schwierig zu entfernen. Da machen wir gleich lieber den ganzen Baum weg. Wie praktisch. Die ganze Aktion sei mit dem NABU abgestimmt.

Von den herumliegenden Zweigen habe ich einige Knospen der Balsam- und der Schwarzpappel abgezwackt. Eigentlich benötigt man in der Gemmotherapie nur wenige Baumknospen, da sie das geballte Erbgut des Baumes in sich tragen.

Ich bin wirklich sehr betroffen über das Abholzen. Es mag Gründe dafür geben und gleichzeitig frage ich mich, welche anderen Interessen hinter dem Vorgehen stecken mögen. Vielleicht wird ja wieder aufgeforstet. Das bleibt abzuwarten.

Pappeln sind schnellwachsende Bäume, die es gerne feucht mögen. Sie können über 300 Jahre alt werden und gehören zur Familie der Weiden. Ihre Heilkraft haben sie hauptsächlich in den Knospen und in ihrer Rinde.

Nachdem ich mich von meinem Schrecken etwas erholt hatte,  wanderte ich weiter und ließ mich von der Natur wieder beruhigen.

Philosophisches

Es liegt anscheinend in unserer Natur, den Ast zu zersägen, auf dem wir sitzen. Wir betonieren die Landschaft zu, breiten uns aus, verpesten die Luft und zerstören Natur und unsere Mitlebewesen, als gäbe es kein Morgen mehr.  Dabei sind wir doch Natur – keine Automaten, an denen man drehen und schrauben kann! Wieso leugnen wir das wehement in unserer ach so hochentwickelten Gesellschaft? Wäre wirklich mal interessant, welches tiefsitzendes kollektives Trauma die Ursache dafür ist. Das „Habenwollen“  deutet auf ein großes gesellschaftliches Mangeldenken hin. Vielleicht finden wir uns selbst nicht, gerade weil wir uns von unserem Ursprung abgeschnitten haben? Und unsere Natur übertünchen wir mit allem, was es schönes Glitzerndes zum Kaufen und Ablenken gibt.

Natur ist stark und gewaltig, sie ist da. Es wird immer ein Morgen geben – nur vielleicht ohne uns?

Selbstbemächtigung = sich auf unser eigene Natur besinnen